#1 Der Brief - Carolin Hagebölling von schlumeline 19.06.2017 20:32

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Marie lebt in Hamburg. Sie ist gesund, lebensfroh und bereits seit einigen Jahren mit einer Frau, Johanna, liiert. Dann erreicht sie ein ominöser Brief, gerichtet an sie selbst mit einer fremden Anschrift in Paris. Geschrieben wurde er von ihrer Freundin Christine aus Schultagen. Gesendet wurde er aus Berlin, obwohl Christine doch noch in der alten Heimat lebt. Der Brief ist merkwürdig. Er erzählt von Maries Leben, einem anderen Leben, dem Leben, dass sie angeblich in Paris lebt. Ein Leben mit Victor und ein Leben mit einer schwerwiegenden Erkrankung, einem Aneurysma im Kopf.

Marie ist irritiert. Sie kontaktiert ihre alte Freundin Christine. Diese wirft der Brief völlig aus der Bahn. Noch schlimmer wird es, als auch sie selbst einen Brief von Marie erhält, einen Brief aus Paris.

Mit einer Reise nach Paris versucht Marie der Wahrheit näher zu kommen. Was sie jedoch in Paris erwartet ist einfach nur unglaublich und noch verwirrender als die Briefe selbst.

Dieser Roman von Carolin Hagebölling fesselt den Leser von der ersten Seite an. Er wirft viele Fragen auf. Hier kommt die große Frage „Was wäre wenn?“ ins Spiel. Wie verläuft denn ein Leben? Ist es vorher bestimmt oder könnte es ganz anders aussehen, wenn man an einer bestimmten Stelle einfach eine andere Entscheidung trifft? Diese Frage hat sich sicherlich jeder schon einmal gestellt. Dennoch erwartet man als Leser der Geschichte natürlich irgendwie eine realistische Antwort auf die Frage was tatsächlich hinter den Briefen steckt. Für mich war diese auch lange Zeit spürbar. Ich hätte mir hier vieles erklären können, doch leider ist das Ende dann nicht so rund und klar wie erwartet. Es lässt mich kopfschüttelnd zurück. Hier wäre ein Brief weniger einfach mehr gewesen und für mich wesentlich schlüssiger als das tatsächliche Ende, welches zu offen und zu unrealistisch erscheint.

“Der Brief” ist eine fantastische Idee, in einem sehr schönen Schreibstil umgesetzt, fesselnd bis zum Ende, doch dann leider enttäuschend offen. Das Cover passt perfekt zu den Handlungsorten und dem Inhalt des Buches: Marie in Hamburg und Marie in Paris. Das sind zwei mögliche Varianten eines Lebens.

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#2 RE: Der Brief - Carolin Hagebölling von goat 10.07.2017 00:35

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Meine Meinung:

Die Journalistin Marie, die mit ihrer Lebensgefährtin Johanna in Hamburg lebt, findet eines Tages einen Brief in ihrem Postkasten. Adressiert auf ihren Namen, jedoch mit einer Pariser Adresse. Etwas irritiert öffnet sie ihn und stellt fest, dass er von ihrer alten Schulfreundin Christine ist, die über Gott und die Welt und über Marie und ihrem Mann Victor, so wie deren gerade geborenes Kind schreibt. Auch von Maries Galerie in Paris ist die Rede und einer überstandenen Krankheit. Christine selbst schreibt von ihren beiden Kindern, ihrem Mann und ihrem Leben in Berlin. Dabei weiß Marie ganz sicher, dass Christine ihre alte Heimat nie verlassen hat.

Ein Besuch Maries bei ihrer Freundin stiftet eher noch mehr Verwirrung, als dass er Aufschlussreiches zutage bringt, denn Christine hält das Ganze für einen grausamen Scherz, da sie das zweite Kind damals vorher verloren hat und niemand davon weiß. Aber wer, wenn nicht Christine hat diesen Brief geschrieben und warum? Marie möchte der ganzen Sache auf die Spur kommen und macht sich auf den Weg nach Paris und trifft dort tatsächlich auf Victor. Und zu ihrem Schrecken muss sie feststellen, dass ihr alles so vertraut vorkommt und sie plötzlich fließend französisch spricht …

Mich hat zunächst die Aufmachung des Covers von Carolin Hageböllings Roman angesprochen. Es sieht aus wie die Vorderseite einer Postkarte mit einem Pariser Motiv und der Buchtitel „Der Brief“ verleitet gleich zum Lesen des Klappentextes und genau dort hat die Falle dann zugeschnappt. Kein Thriller, sondern ein normaler Roman über die Frage der Realität und was wäre passiert, wenn? …

Der sehr angenehme und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin hat das Buch zu einer wundervollen Lektüre gemacht. Immer davon getrieben, erfahren zu müssen, was es mit dem Brief auf sich hat, habe ich Seite um Seite umgeblättert und mich mitreißen lassen von dem Spiel, das Carolin Hagebölling mit ihren Lesern treibt. Protagonisten, mit denen man mitfühlen - sie aber in der Ausführung ihrer Aktionen nicht immer verstehen kann. Mir ging es die ganze Zeit wie den Protagonisten, auf der Suche nach der Wahrheit, die letztlich doch keine ist oder? Am Ende bleibe ich mit weit mehr Fragen zurück und bin dennoch zufrieden mit der Geschichte, die die Autorin mir bietet. Mit dieser Realität habe ich, genau wie die Protagonisten am Ende, meinen Frieden gemacht und wurde dafür mit einigen Stunden absolutem Lesevergnügens belohnt. Daher von mir fünf Sterne für „Der Brief“ und eine Entschuldigung an die Leser meiner Rezension, dass ich mich etwas zurückhalte mit dem Schreiben über den Inhalt. Aber ich denke, hier wäre jedes weitere Wort einfach zu viel. Ich möchte keinen Leser um die wohlverdiente Spannung bringen ;-)

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