#1 Rabensommer - Elisabeth Steinkellner von Skyline 16.08.2015 12:39

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Herausragende Erzählform + herausragender Schreibstil = hervorstechender Roman

Klappentext

„Seit Jahren sind sie beste Freunde, fast alles haben sie zusammen gemacht - wie Raben. Jetzt, nach dem Abitur, muss jeder für sich entscheiden, wie es weitergeht. Die Ich-Erzählerin Juli entschließt sich zu studieren, doch noch bevor es losgeht, verändert sich alles, Schlag auf Schlag: Niels, mit dem sie seit einem Jahr zusammen ist, macht mit ihr Schluss. August lüftet sein Geheimnis. Und Ronja geht nach London. Juli ist auf sich allein gestellt und muss ihr Leben, das ihr wie ein Haufen lauter kleine Schnipsel vorkommt, neu sortieren.“

Gestaltung

Blau, schwarz, gelb – dies sind die Hauptfarben, die auf dem Cover vertreten sind. Ich mag es sehr gerne, da es schlicht gehalten ist und perfekt zur Geschichte passt. Die vier Raben auf einer Leine am linken Bildrand greifen sehr schön wichtige Elemente aus der Handlung auf: sie spiegeln die vier Freunde wieder und stellen optisch den Bezug zum Titel sowie zur Handlung, in welcher die Bedeutung der Raben aufgegriffen wird, her. Auch ihre Positionierung auf der Leine sowie die Blickrichtungen der Tiere lassen viele Interpretationen zu. Ein in seiner Schlichtheit sehr tiefgreifendes Cover, passend zur beeindruckenden Handlung! Einfach nur toll!

Meine Meinung
Ich habe „Rabensommer“ innerhalb eines einzigen Tages komplett verschlungen. Doch auch noch Tage nach dem Beenden dieser Lektüre, lässt mich der Roman nicht los. Ich habe so viele Gedanken und Interpretationen, mögliche Deutungen und Gefühle im Kopf, dass es mir schwer fällt, sie zu ordnen und nicht alle in diese Rezension zu verfrachten. „Rabensommer“ ist ein so unglaublich vielschichtiger und komplexer Roman voller Aspekte, die man betrachten, untersuchen und entdecken kann (sowohl in Bezug auf den Titel als auch auf die Gestaltung und die Handlung an sich)!

In einer Szene im Roman beschreibt Protagonistin Juli, wie alle Geräusche um sie herum verstummen. Genauso erging es mir beim Lesen dieses Romans. Die Geräusche meiner Außenwelt haben sich ausgeblendet. Ich wurde in die Geschichte gesogen und war so ergriffen von den Erlebnissen der Protagonisten, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Juli ist die Ich-Erzählerin. Sie hat ihr Abitur frisch in der Tasche und erlebt mit ihren drei besten Freunden Niels, August und Ronja den letzten gemeinsamen Sommer, bevor sie in unterschiedliche Richtungen ihrer Zukunft aufbrechen. Die Handlung ist dabei in zwei Teile gegliedert, von welchen sich der erste vorrangig mit dem Sommer, Partys und Julis Liebe zu Niels beschäftigt. Nach einem bedeutsamen Ereignis für Juli folgt der zweite Teil, welcher das neue Leben und die Veränderungen nach dem Sommer aufgreift. Die beiden Teile stehen einander gegenüber, da auf der einen Seite Julis altes Leben, ihre Jugend steht und auf der anderen Seite ihr neuer Lebensweg, ihr Erwachsenwerden. Es herrscht eine Stimmung voller gemischter Gefühle, Melancholie und letztendlich auch Hoffnung, welche mich als Leser sofort mitgerissen hat und für mich sehr greifbar war.

Auch stilistisch grenzt die Autorin Elisabeth Steinkellner die zwei Teile anhand der Erzählform voneinander ab. Während der erste Teil noch in Form eines Fließtextes gehalten ist, stellt der Zweite eine bunte, poetische Sammlung von Träumen, Liedtexten, SMS-Nachrichten, Postkarten und Einkaufslisten dar. Nach dem Wendepunkt am Ende des ersten Teils erhalten wir Leser durch die Gestaltung des Textes nur noch kurze Einblicke in Julis Leben. Rasch aufgeschriebene Gedanken, an Toilettenwänden gefundene Sprüche, Begegnungen im Waschsalon. So erlebt der Leser ihre Situation, wodurch er einen umfassenden Einblick in ihr Gefühlschaos und ihre Antriebslosigkeit bekommt. Durch den Wechsel in der Erzählform habe ich Julis Leben gebannt verfolgt und voller Spannung darauf gewartet, was sie als nächstes tun würde, wann sie sich aufrafft und ihr Leben, ihre Zukunft wieder beginnen lässt. Die allmählichen Veränderungen habe ich dabei ebenso wie Juli zunächst kaum bemerkt. Erst am Romanende habe ich begriffen, dass Veränderung sich einerseits urplötzlich, andererseits aber auch schleichend vollziehen kann.

Diese stilistische Abgrenzung der beiden Teile hat mir sehr gut gefallen. Doch trotz all meiner Begeisterung hierfür, muss ich auch sagen, dass mir die erste Hälfte noch ein klein wenig besser gefallen hat. Dadurch, dass im zweiten Teil immer nur ein Satz oder kurzer Abschnitt auf einer Seite steht, war mein Lesefluss eher abgehakt und wurde durch das Umblättern der Seiten unterbrochen. So war ich zwar fasziniert von der Erzählform, aber dennoch hatte ich keine Ruhe beim Lesen.

Ich mochte es sehr, dass es so viele Möglichkeiten in diesem Roman gibt, die unterschiedlichsten Bedeutungen zu entdecken. Mir erschien „Rabensommer“ wie ein Tagebuch von Juli. Im zweiten Teil gleicht ihr Leben jedoch eher einer Sammlung verschiedener Post-its bzw. Schnipsel. Diese Umschreibung passt perfekt zur zweiten Romanhälfte. „Rabensommer“ ist somit teils Tagebuch, teils Schnipselsammlung, was mir sehr gut gefallen hat, da es den Roman zu etwas besonderem macht.

Auch der Schreibstil der Autorin ist in diesem Zusammenhang hervorzuheben. Ich wurde von den Worten nahezu gefesselt. Auf der einen Ebene ist die Sprache sehr komplex, aber dennoch überrascht und überzeugt sie durch sprachliche Klarheit in Form von kurzen Sätzen, die die Innenwelt der Protagonistin unglaublich gut wiedergeben. Die Sprache ist angepasst an die Jugendlichen, voller Vergleiche sowie Bilder. Sie zeichnet sich durch teilweise fehlende Pronomen, Artikel oder Verben aus, die aber perfekt zur Erzählart der Protagonistin passen und den Roman daher nur noch mehr so wirken lassen, als würde Juli alles erzählen oder niederschreiben.

Die Figurenwelt ist sehr vielfältig gestaltet. Der Roman konzentriert sich auf Protagonistin Juli, aber auch andere Figuren, wie ihre Freunde, bekommen ihren Raum. Gefallen hat mir, dass die Charaktere so unterschiedlich waren. Ich konnte mir im ersten Teil ein gutes Bild von Julis Freunden machen, da sie aktiv an ihrem Leben beteiligt waren. Ronja und August habe ich sofort in mein Herz geschlossen, da die beiden durch ihre Besonderheiten hervorgestochen sind. Niels ist hingegen etwas blass geblieben und hat auch durch seinen Charakter nicht viele Pluspunkte bei mir sammeln können. Am meisten konnte ich mich jedoch mit Juli identifizieren. Sie ist authentisch und ich hatte direkt einen Draht zu ihr.

„Rabensommer“ beschäftigt sich mit einer Zeit des Umbruchs und mit sehr vielen bedeutsamen Themen (wie denen der Liebe oder der Sexualität), die jeden Menschen im Leben beschäftigen. Da die Zeit nach dem Abitur bei mir selber auch noch nicht so lange zurück liegt, hat mich diese Thematik des Romans sofort gepackt und Erinnerungen geweckt. Auf der einen Seite ist da dieses riesige Freiheitsgefühl, aber auf der anderen Seite ist da auch diese bedrückende Beklemmung und die große Unsicherheit, da man um die Wichtigkeit dieser Zeit weiß. Diese bedeutungsschwere Stimmung greift der Roman perfekt auf, da er die Schwierigkeit des Erwachsenwerdens unglaublich realistisch und greifbar widerspiegelt. Durch diese atmosphärische Dichtheit hat mich der Roman tief berührt.

Fazit
„Rabensommer“ ist ein unglaublich komplexer, vielschichtiger Roman, der viele Interpretationsmöglichkeiten bietet und seinen Lesern viel Stoff zum Nachdenken bereitstellt. Die Themen des Romans haben mich zutiefst bewegt, da sie nah an meiner Lebenswelt sind. Die Figuren befinden sich an einem Scheidepunkt zwischen Vergangenheit und Zukunftsplänen und sind sehr authentisch. Mein einziger, kleiner Kritikpunkt ist, dass mir die erste Romanhälfte ein klein wenig besser gefallen hat als die Zweite, da ich bei dieser in einem eher stockendem Lesefluss war. Aber dennoch: „Rabensommer“ ist ein herausragender, überwältigender Roman voller Möglichkeiten, der euch beschäftigen und nicht mehr loslassen wird. Überzeugt euch selbst davon!
Sehr gute 4 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

#2 RE: Rabensommer - Elisabeth Steinkellner von Natalie77 07.09.2015 07:50

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Inhalt:
Vier Freunde am Ende ihrer Schulzeit. Eine besondere Freundschaft. in der jeder weiß das nun eine andere Zeit beginnt. Eine Zeit wo sich die Wege trennen und sie ahnen das die Freundschaft ins wanken gerät.

Meine Meinung:
Rabensommer ist zwar dünn und recht Unscheinbar, doch ist es kein Buch was man mal eben zwischendurch lesen kann.

Rabensommer ist eine Geschichte von vier Freunden. Zwei Mädels zwei Jungs auf der Schwelle zum Selbstständig werden. Erzählt wird die Geschichte in zwei Teilen. Der Zweite Teil beinhaltet viele recht kurze Kapitel, manchmal auch nur einzelne Sätze. Der erste Teil ist da schon etwas ausführlicher und erzählt vom Alltag der vier, wenn sie zusammen sind. Immer aus der Sicht von Juli. Sie begleiten wir von Anfang bis Ende.

Juli erzählt von ihren Gefühlen und das was um sie rum geschieht. Die Autorin hat es geschafft die Gefühle nur durch ihren Schreibstil zu transportieren und der Geschichte so eine besondere Tiefe zu geben. Sie berichtet von der Freundschaft, von Liebe und neuen Bekanntschaften. Von Enttäuschungen und aufkeimender Zukunft.
Ihre Freunde sind August, Niels und Ronja und jeder für sich ist ganz speziell. Niels ist Julis Freund, Ronja ihre Freundin. August der Kumpel und doch vermischt sich hier und da immer mal was, das man schon aufpassen muss wie es nun wirklich war.
Neben den Vieren gibt es noch andere Personen die dazu kommen und für Juli wichtig werden. Alle geben sie Juli Halt und man merkt was passiert, wenn sich daran etwas ändert.

Das Ende ist irgendwie offen und das ist genau richtig so. Wer kennt schon die eigene Zukunft?

Rabensommer ist ein Buch das mich stellenweise schon nachdenklich gemacht hat auch wenn ich weit weg von diesem Aufbruch-Alter bin. Es stimmt nachdenklich, fördert aber auch viele schöne Erinnerungen zu Tage.

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