#1 Die Sturmrose - Corina Bomann von Gronik 07.04.2015 09:43

Nach ihrer Scheidung zieht Annabel Hansen mit ihrer kleinen Tochter Leonie raus aus Hamburg nach Rügen. Dort hat sie ein wunderschönes Haus am Strand gemietet und will nach ihrer gescheiterten Ehe zur Ruhe kommen. Als Werbefachfrau kann sie überall arbeiten und den ersten Auftrag zieht sie schnell an Land, sie soll eine Marketingkampagne für ein Hotel in Sassnitz auf die Beine stellen. Nach ihrem ersten Termin mit dem Hotelbesitzer sieht sie zufällig im Hafen ein heruntergekommenes Schiff. Irgendetwas zieht sie geradezu magisch an und obwohl sie weiß, wie verrückt es ist, will sie die "Sturmrose" kaufen. Ihr schwebt vor, ein Kulturschiff aus ihr zu machen, doch sie muss schnell feststellen, dass ihre finanziellen Mittel nicht für den Kauf und die Reparatur des maroden Schiffes ausreichen werden. Doch es gibt einen weiteren Interessenten und die beiden werden sich einig.

Annabel findet in einem Versteck auf dem Schiff einen alten Brief, der belegt, dass die "Sturmrose" vor 30 Jahren Flüchtlinge aus der DDR über die Ostsee gebracht hat. Ihre Neugier ist geweckt, immerhin ist sie selbst auch im Osten geboren und ihre Mutter hat angeblich damals ebenfalls "rübergemacht" und sie als kleines Mädchen im Stich gelassen. Annabel wurde damals adoptiert und hat die Vergangenheit ruhen lassen, doch nun lässt sich der Gedanke an ihre leibliche Mutter nicht mehr unterdrücken. Sie fängt an, nachzuforschen, sowohl über die Geschichte des Schiffes und seiner Passagiere als auch über ihre eigene Herkunft.

Die Autorin greift hier ein spannendes und tragisches Kapitel deutsch-deutscher Geschichte auf.

Mich persönlich hat dies auch mehr interessiert als die romantischen und familiären Verwicklungen, die Annabel mit ihrem neuen Partner und ihrem Exmann nebenbei noch erlebt. Insbesondere auf den Ex hätte ich in der Handlung größtenteils verzichten können, mir kam es streckenweise so vor, als hätte eben noch ein "Bösewicht" in die Geschichte gehört und diese Rolle bekam nun mal er zugeteilt. Ich konnte es daher immer kaum erwarten, bis wir wieder einen neuen Teil aus der Vergangenheit präsentiert bekommen haben. Obwohl ich schon diverse Geschichten über Flucht aus der DDR gelesen habe, war noch keine dabei, die den Weg über die Ostsee beschrieben hat und so waren die Schicksale, die die "Sturmrose" miterlebt hat, für mich das Fesselndste an diesem Roman!

#2 RE: Die Sturmrose - Corina Bomann von KimVi 05.07.2015 22:23

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Die Sturmrose - Corina Bomann

Nach ihrer Scheidung zieht Annabel Hansen mit ihrer kleinen Tochter Leonie nach Rügen. Sie wagt dort einen beruflichen und privaten Neuanfang. Als Annabel im Hafen von Sassnitz den alten Kutter " Sturmrose" entdeckt, ist es gleich um sie geschehen. Das renovierungsbedürftige Schiff übt einen unglaublichen Reiz auf sie aus. Annabel erfährt, dass das Schiff einen neuen Besitzer sucht. Obwohl in ihrem Budget eigentlich kein Geld für einen spontanen Schiffskauf vorgesehen ist, lässt ihr der Gedanke, die "Sturmrose" zu renovieren und dann an Bord ein Cafe zu eröffnen, keine Ruhe mehr. Doch die "Sturmrose" hat nicht nur Annabels Interesse geweckt. Christian Merten hat ebenfalls eine Auge darauf geworfen. Die beiden beschließen, der "Sturmrose" gemeinsam neuen Glanz zu verleihen. Bei Renovierungsarbeiten findet Annabel den Brief einer verzweifelten jungen Frau. Es hat den Anschein, also ob die "Sturmrose" früher dazu genutzt wurde, Flüchtlinge von der DDR in die BRD zu bringen. Annabel beginnt nachzuforschen und stößt dabei auf bewegende Schicksale, die mehr mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun haben, als Annabel bisher vermutet hatte......



Der Roman beginnt mit einem Prolog, in dem man eine Frau beobachtet, die ihre Lebensgeschichte auf einem altmodischen Kassettenrekorder festhält. Warum das so ist, erfährt man allerdings nicht. Doch am Ende des Romans schließt sich der Kreis, da sich die unterschiedlichen Erzählstränge miteinander verknüpfen.

Bereits auf den ersten Seiten gerät man in den Bann der Erzählung, denn Corina Bomann hat äußerst lebendige Charaktere, mit bewegter Vergangenheit, erschaffen. Annabel ist eine sehr sympathische junge Frau, die nach der Scheidung einen Neuanfang wagt. Ihre Kindheit hat sie in der ehemaligen DDR verbracht. Da ihre Mutter Republikflucht begangen hat, wurde Annabel in ein Kinderheim gebracht, in dem sie sich stets unwohl gefühlt hat. Jeden Tag hat sie darauf gewartet, dass ihre Mutter vor der Tür steht und sie abholt. Doch das passierte nie. Stattdessen wurde sie von einem Ehepaar adoptiert. Auch Christian Merten stammt aus der ehemaligen DDR und hat ein nicht weniger schicksalhaftes Leben hinter sich. Die Hintergründe der beiden Hauptcharaktere wirken, obwohl sie sehr erschütternd sind, glaubhaft und nicht zu konstruiert. Betroffen liest man, was sich früher hinter dem eisernen Vorhang abgespielt hat.

Corina Bomann schildert Protagonisten und Handlungsorte so lebendig, dass man beim Lesen die entsprechenden Bilder vor Augen hat und sich dadurch ganz auf die Geschichte einlassen kann. Die Handlung ist durchgehend interessant, da die "Sturmrose" ihr bewegtes Leben nur langsam offenbart. Einen nichtssagenden Liebesroman, mit allzu vorhersehbarer Handlung, braucht man hier nicht zu befürchten. Denn diese Erzählung hat weitaus mehr zu bieten.

Ich habe mich beim Lesen dieses Romans sehr gut unterhalten und mochte ihn kaum aus der Hand legen. Denn das Schicksal der Protagonisten hat mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Ich vergebe deshalb begeisterte vier von fünf Bewertungssternen und eine klare Leseempfehlung.

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