#1 Die unterirdische Sonne - Friedrich Ani von merlin78 06.03.2014 10:20

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ACHTUNG! Nichts für schwache Nerven!

Sie leben in einem Keller, in einem Haus, bewacht von Fremden, ohne Hoffnung und Tageslicht. Leon, Sophia, Maren, Conrad und Eike.

Die Kinder sind zwischen elf und sechzehn Jahre alt und wurden alle entführt. Leon ist schon seit über einem Jahr in den Fängen der Verbrecher, die sie regelmäßig für wenige Stunden aus dem Keller herausführen und dort ungeahnte Dinge mit ihnen vollziehen. Keiner von ihnen darf jemals darüber sprechen, sonst werden sie getötet. Doch die Zweifel in ihrem Inneren zerfressen sie. Keiner von ihnen glaubt an eine Rettung, jeder schmiedet insgeheim einen Plan, sich selbst das Leben zu nehmen. Doch können sie dieses Unternehmen in die Tat umsetzen?

Eine verwirrende Reise in die Träume der Kinder, in die Vergangenheit, die lange hinter ihnen liegt und die kaum vorhandene Gegenwart beginnt und lässt keinen Irrtum, an einem grausamen Verbrechen, das Menschen Kindern antun können, zu.

Abwechselnd schildern die Kinder ihre persönliche Hölle, ohne dabei zu sehr ins Detail zu gehen. Immer wieder kreisen ihre Gedanken um Träume, die sich nicht verwirklichen werden oder um die eigenen Erlebnisse, die sie in diese Situation gebracht haben. Die Kinder sind die Hauptprotagnisten des schockierenden Werkes, das an den Nerven des Lesers zerrt.

Die Vorstellungskraft tut eine Menge hinzu, wenn die Kinder nach den Stunden der Qual zurück in den Keller geschickt werden. Doch keiner macht den Mund auf, stattdessen fließen Tränen. Unter den jungen Menschen scheint es eine Verbundenheit zu geben, die für Außenstehende nicht zu verstehen ist. Doch diese Zeit schweißt sie zusammen und macht deutlich, wie wertvoll sie einander geworden sind.

Mit verständlichen Worten, allerdings teilweise konfusen und verwirrenden Gedankengängen, fällt es recht leicht, sich in die Geschichte und ihre Protagonisten hinein zu versetzen. Dabei ist anzumerken, dass die Geschichte teilweise so lebendig und realistisch beschrieben wird, dass dieses Buch nichts für Kinder ist. Die Umstände, unter denen die Charaktere zu leiden haben, sind grausam und beängstigend.

Fazit: „Die unterirdische Sonne“ ist ein Roman, der keinen Zweifel daran lässt, zu welchen Dingen Menschen fähig sind. Die Kinder wachsen dem Leser schnell ans Herz und es bereitet Unbehagen, ihren Ausführungen und Schilderungen zu folgen. Immer wieder schwankt das Gemüt zwischen Hoffen und Bangen. Nicht immer sind alle Gedanken logisch, doch das unterschreibt die Verwirrung der jungen Menschen, die keine Hoffnung mehr zu hegen scheinen.
Von mir gibt es 4 von 5 Sternen!

#2 RE: Die unterirdische Sonne - Friedrich Ani von tweed 12.04.2014 08:59

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In seinem Roman "Die unterirdische Sonne" erzählt der Autor die
Geschichte von Kindern, die in einem Keller gefangen gehalten und
regelmäßig gequält werden. Nach und nach stoßen neue Kinder zur Gruppe
die letztlich aus Leon, Sophia, Maren, Eike und Conrad besteht. Sie
wurden entführt, fristen ihr Dasein im Keller. Das einzige Fenster zur
Außenwelt ist der Fernseher. Regelmäßig wird ein Kind nach oben geholt
und muss Schreckliches erleiden. Darüber zu reden ist unter
Todesandrohung verboten. Sie können sich nicht einander anvertrauen,
müssen das Erlebte in sich reinfressen und verlieren dabei ihren Glauben
an Rettung und jede Hoffnung....

Mir fiel es schwer in die
Geschichte einzusteigen, da der Erzählstil sprunghaft ist. Ohne Absätze
wendet sich der Autor abwechselnd einem Kind und dessen Geschichte zu,
das machte es schwierig zuzuordnen, von wem gerade die Rede ist. Ich
musste mich konzentrieren um den Faden nicht zu verlieren, musste
Passagen oft zweimal lesen oder zurückblättern, um das Erzählte zuordnen
zu können. Im Verlauf wird es besser, da die Kinder sowie ihre
Geschichte inzwischen bekannt sind.

Die Situation im Keller ist
realistisch beschrieben, dem Autor gelingt es sehr gut, die Gefühlswelt
und das Verhältnis der Kids untereinander zu beschreiben. Als Leser
fühlt man die Angst, die Ungewißheit, Spannungen und auch, wie sich das
Verhältnis der Kids zueinander langsam ändert. Die Situation ist für
alle extrem belastend, qualvoll, zumal sie nicht über das Erlebte reden
dürfen. Per Videokamera wird dies rund um die Uhr überwacht. Was genau
die Peiniger mit den Kids anstellen kann man nur ahnen. Klar ist, dass
sie körperliche Gewalt erfahren, blaue Flecken haben. Doch was weiter
geschieht bleibt völlig unklar. Einerseits war ich froh dass sich mein
Kopfkino hier nicht verselbständigt hat, andererseits blieben mir die
Kids die ganze Zeit über etwas distanziert. Das letzte Drittel konnte
mich dann doch überzeugen, hier passiert so viel Unerwartetes und doch
erscheint es realistisch, es kam Spannung auf und ich konnte mit den
Kids mitfiebern.

Fazit: Das Buch ist auf jeden Fall harter Tobak
und für Kids unter 16 nicht zu empfehlen. Das Thema ist berührend, keine
Frage, für meinen Geschmack aber nicht ganz optimal umgesetzt. Für mich
blieben am Ende zu viele Fragen offen, auf die ich gern eine Antwort
gehabt hätte. (3,5 von 5 Sternen)

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