#1 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Svenja 11.10.2013 09:46

Seite 108 bis 223

#2 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von eleasy 16.10.2013 23:24

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Dieses 3. Kapitel war sehr gut und spannend zu lesen mit einer erfreulich kleinen Zahl an Charakteren.

Nach einem Zeitsprung erleben wir Wyatt nun in New York, wo er hauptsächlich als Bauzeichner für einen Benny Brücken entwirft. Nach seiner Pariser Zeit hat er scheinbar verbittert der Malerei der Rücken zugekehrt und restauriert nur noch nebenbei alte Gemälde.
Mit den vielen Dialogen erinnert es fast an ein Theaterstück und skizziert ganz anschaulich den Niedergang seiner Ehe mit Esther.
Eigentlich ist er der typische verschrobene, eigenbrötlerische Künstlertyp, der stets mit sich und der Welt hadert. Bei seiner puritanischen Erziehung und den Einflüssen seiner Tante May wundert mich das allerdings kein bisschen.

Aus Esther und ihrer Vergangenheit bin ich ehrlich gesagt nicht so ganz schlau geworden.
Da sie selber mit ihrer Schreiberei nichts zustande bringt, nimmt sie es ihrem Mann immer mehr übel, dass er es zu nichts bringt und sich immer mehr gehen lässt.
Am schlimmsten für sie ist es aber, dass er sich ihr nicht mitteilt – ja überhaupt nicht zum Teilen bereit sei und distanziert sich von ihm.
Schließlich ist er für sie nur noch ein Namenloser „ER“!
Sie umgibt sich lieber mit erfolgreichen starken Männern und so wendet sie sich logischerweise auch bald ihrem gemeinsamen Bekannten Otto zu.

Bei dem Möchtegern-Schriftsteller und -intellektuellen Otto hatte ich ja den Eindruck, dass er erst durch den Gedankenaustausch mit Wyatt richtig zu seinem Stück inspiriert wurde und er sich ja immer gleich Geistesblitze und Szenen nach den Besuchen notiert hat.
So hat er seine Hauptfigur immer weiter an sein geistiges Vorbild Wyatt angeglichen.
Als dann der von seiner Arbeit und von Esther frustrierte Wyatt ausgezogen ist, dauert es nicht lange, bis Otto über seinem Stückeschreiben immer mehr resigniert und sich eine Auszeit nimmt. Esther hat schon gleich wieder einen passenden Nachfolger für Otto.

Ob sich Wyatt in seinem Kellerexil noch einmal fängt und dort für diesen undurchsichtigen Recktall Brown arbeiten wird, der ihm immerhin einen einfachen Ausweg aus seiner Misere aufgezeigt hat? Diese Szene mit dem DOG-GOD war ja schon ziemlich surreal!
Vielleicht kann er sich wirklich für die Sache erwärmen, schließlich war er ja schon in München mit seiner Memling-Fälschung äußerst erfolgreich, die als Original durchgegangen ist!

Und auch dieser Benny wird ja zum Schluss als absoluter Täuscher, Blender und Betrüger entlarvt, der Wyatts geniale Brückenkonstruktionen (die er wiederum kopiert hat!) als sein verkauft hat und Wyatt nie dafür bezahlt hat.

#3 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Svenja 17.10.2013 09:15

Wow, du bist jetzt aber schnell. Dir gefällt wohl das Buch

#4 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von eleasy 17.10.2013 13:10

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Zitat von Svenja im Beitrag #3
Wow, du bist jetzt aber schnell. Dir gefällt wohl das Buch


Die nachfolgenden Kapitel lassen sich im Vergleich zum unglaublich anstrengenden Anfang hervorragend lesen und sind auch sehr unterhaltsam!
Und ja - ich muss schon zugeben, das Buch hat was - trotz meiner Kritik an der Lesbarkeit und Nachvollziehbarkeit einiger Passagen.
Ich finde auch, dass es vor allem nichts an Aktualität eingebüßt hat!

#5 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Svenja 18.10.2013 12:58

Ich bin jetzt auch mit dem 3. Kapitel fertig.
Ja, aus Esther wurde ich auch nicht ganz schlau. Leider lässt uns Gaddis über ihre Herkunft und die Motive der Hochzeit im Unklaren. Vermutlich hat Wyatt sie aus praktischen Gründen geheiratet, lol.
Anscheinend ahnt sie schon ( und der Leser auch ), dass ihr Mann schwul ist.

Die Dialogkonstruktion ist einmalig und die Dialoge selbst genial. Sie offenbaren mehr von den Charakteren, als jedwede Beschreibung.

Tja, Recktall Brown hat die Saat ausgesät, mal schauen, wer erntet :)

#6 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Cekay 20.10.2013 16:14

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Sodele =) 2. Abschnitt geschafft.

Den Anfang vom 3. Kapitel fand ich auch sehr interessant. Dann hab ich aber wieder etwas den Faden verloren, mit Recktals Besuch dann aber wiedergefunden.

Bei so viel Geschwafel, sollte man meinen, dass Gaddis auch ein bisschen mehr Zeit für Esthers Figur verwenden hätte können. Ihr Vergangenheit hätte ich mich nämlich durchaus interessiert ^^
Warum die beiden geheiratet haben bzw überhaupt eine Beziehung hatten is mir ebenfalls ein bisschen schleierhaft. Ein bisschen tat sie mir schon Leid, aber auf der anderen Seite ist sie ja auch selbst Schuld. Sie sucht sich die Männer schließlich aus. Wie sie Otto beleidigt, fand ich schon echt hart, wie ihr schon sagt, sie kriegt ja auch nichts auf die Reihe. Ob sich das Musster nach Wyatt und Otto sich auch mit Ellery wiederholt?
Ich frag mich wovon die beiden leben, bzw. speziell Wyatt leben, wenn er für seine Zeichnungen nichts bekommt hat.

Seite 153

Zitat
Ich kann heute kaum ein Buch aufschlagen, das sich nicht anhört wie ein Zeitungsbericht, so in der Art, erst passierte A, dann passierte B, dann C, dann D, keine Adjektive, keine langen Sätze, kein Kunstgriff, der sich nicht von selbst versteht , und diese Lauben auch noch, daß sie wirklich glauben, so, wie sie es sehen, so ist es auch, wo es tatsächlich auch ganz anders...

"
Ich frage mich von Gaddis da von sich selbst gesprochen hat und er deswegen dieses Buch so geschrieben hat.

Zitat von Svenja im Beitrag #5
Ich bin jetzt auch mit dem 3. Kapitel fertig.
Ja, aus Esther wurde ich auch nicht ganz schlau. Leider lässt uns Gaddis über ihre Herkunft und die Motive der Hochzeit im Unklaren. Vermutlich hat Wyatt sie aus praktischen Gründen geheiratet, lol.
Anscheinend ahnt sie schon ( und der Leser auch ), dass ihr Mann schwul ist.
Hmm ich bin eigentlich nicht der Meinung, dass Wyatt schwul ist. Eher dass er gar nicht zu einer Beziehung fähig ist. Aber das wird sich sicher noch aufklären.

Recktalls Motivation find ich bisher etwas fragwürdig. Er hat ein restauriertes Bild bekommen, und weil die Arbeit so gut war, überlegt er sich der Typ könnte auch eine neue Fälschung malen?

#7 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Cekay 20.10.2013 16:17

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Zitat von eleasy im Beitrag #4
Zitat von Svenja im Beitrag #3
Wow, du bist jetzt aber schnell. Dir gefällt wohl das Buch
Die nachfolgenden Kapitel lassen sich im Vergleich zum unglaublich anstrengenden Anfang hervorragend lesen und sind auch sehr unterhaltsam!
Und ja - ich muss schon zugeben, das Buch hat was - trotz meiner Kritik an der Lesbarkeit und Nachvollziehbarkeit einiger Passagen.
Ich finde auch, dass es vor allem nichts an Aktualität eingebüßt hat!

Dem kann ich mich nur anschließen. Inzwischen gefällt es mir auch richtig gut, aber jetzt muss ich eine kleine Skulduggery-Pause machen :D Ich finds nämlich gar nicht schlimm wenn es von A nach B nach C usw geht :D

#8 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Svenja 21.10.2013 14:56

Zitat von Cekay im Beitrag #6
Sodele =) 2. Abschnitt geschafft.

Den Anfang vom 3. Kapitel fand ich auch sehr interessant. Dann hab ich aber wieder etwas den Faden verloren, mit Recktals Besuch dann aber wiedergefunden.
Bei so viel Geschwafel, sollte man meinen, dass Gaddis auch ein bisschen mehr Zeit für Esthers Figur verwenden hätte können. Ihr Vergangenheit hätte ich mich nämlich durchaus interessiert ^^


Einerseits interessiert sie mich auch, aber andererseits lernen wir über Esthers Charakter viel anhand der Dialoge zwischen den beiden. Das Wyatt die Antwort auf die Frage, warum er sie denn nur geheiratet habe, verweigert, spricht, wenn man das 3. Kapitel ein bisschen wirken lässt, Bände. Ich finde sowieso, dass das Gelesene unglaublich lange nachwirkt. Das zeugt von einer nachhaltigen und intensiven Charakterbeschreibung, auch wenn man es im ersten Moment nicht gleich erkennt ;-).
Zitat von Cekay im Beitrag #6
Ich frag mich wovon die beiden leben, bzw. speziell Wyatt leben, wenn er für seine Zeichnungen nichts bekommt hat.

Ja, das habe ich mich auch gefragt. Aber ich meine, mich zu erinnern, dass Wyatt sich als Büroangestellter (technischer Zeichner?) bei diesem Benny verdingt und abends die Brückenkonstruktionen quasi in Schwarzarbeit für diesen anfertigt.

Zitat von Cekay im Beitrag #6
Recktalls Motivation find ich bisher etwas fragwürdig. Er hat ein restauriertes Bild bekommen, und weil die Arbeit so gut war, überlegt er sich der Typ könnte auch eine neue Fälschung malen?


Ich bin ebenfalls gespannt, ob sich das noch aufklären wird.
Der Name Recktall Brown ist schon ein bisschen eklig, oder?

#9 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Svenja 21.10.2013 15:02

Wie findet ihr denn das 4. Kapitel? Ich finde es irgendwie nichtssagend, außer, dass es Ottos Charakter vertieft und er sich sogar von diesem Jesse an der Nase herumführen lässt. Wir haben ja schon im vorherigen Kapitel festgestellt, dass er weder klug noch selbstbewusst ist.
Der Abschnitt, den er Jesse aus seinem Stück vorgelesen hat, ist grauenvoll (genauso wie sein spanisch) . Vermutlich weiß er das selbst, warum sonst laboriert er solange daran herum ?

#10 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von eleasy 21.10.2013 15:31

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Oh ja in diesem Kapitel ereignet sich wirklich wenig – ich hatte schon vor meine Eindrücke hierzu mit den folgenden 2 Kapiteln zusammen zufassen, die sich auch vorrangig mit Otto nach seiner Rückkehr aus Südamerika befassen. Dazu heute abend mehr!

Tja – was kann man zu Otto schon sagen.
Wie er wohl auf die hirnrissige Idee gekommen ist, sich in den alles lähmenden Tropen Inspiration für sein Werk zu holen?
Eigentlich scheint ihm gar nichts richtig zu gelingen und in den Augen der meisten ist er eine Witzfigur und nur ein „halber“ Mann.
Nun übt er sich schon mal in neuen überheblichen Posen, für seine Rückkehr nach New York und träumt von seinem Durchbruch als Schriftsteller!

Sehr amüsiert war ich ja über die Schilderung der „Premiere“ seines Stücks vor dem nervigen Proleten Jesse als seinen Literaturkritiker, der ihm unmissverständlich klar macht, was die Leute wirklich lesen wollen.
So ganz falsch liegt er damit wohl nicht, denn Ottos schwülstiges Geschwafel wird niemanden interessieren!

Zitat
Vermutlich weiß er das selbst, warum sonst laboriert er solange daran herum ?


Naja, er will es scheinbar einfach nicht wahrhaben! Immerhin hat er ja sogar studiert!
Manchmal ist er nämlich schon sehr von sich und seinem (leider nicht vorhandenen) Talent eingenommen!

#11 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Cekay 21.10.2013 15:42

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Oh ja. Vorallem was muss man für ein Ego haben, dass man sich weigert die Sprache zumindest ein bisschen zu lernen in dessen Land man lebt.

Er hat von Benny ja kein Geld bekommen, von daher ist das alles ein bissel seltsam. Und ja Recktalls Name ist echt gewöhnungsbedürftig :D Der wurd bestimmt als Kind oft in der Schule gehänselt

#12 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Kangaroo 21.10.2013 20:52

Und wieder ein gewaltiger Zeitsprung. Wyatt also verheiratet mit Esther und arbeitet als Bauzeichner für Benny. Gerne hätte ich mehr über Esther erfahren, aber schon der erste Satz des Kapitels zeigt doch ziemlich deutlich, was für eine Person Esther ist: "Wyatt... wir sollten heiraten, bevor wir zuviel voneinander wissen" - wirklich köstlich! Überhaupt sind für mich die ganzen Dialoge das Highlight bzw. die große Stärke Gaddis. Dafür hätte er ruhig mal ein paar Beschreibungen unter den Tisch fallen lassen können. ;)

Das Fälschungsmotiv begegnet uns hier wieder, da Benny manche Entwürfe von Wyatt als seine eigenen verkauft. Von seiner untreuen Frau und seinem Job genervt, widmet sich der gute, alte Wyatt nun auch wieder den Kunstfälschungen und arbeitet für Recktall Brown. Netterweise musste ich in diesen Kapiteln nicht ganz so viel nachschlagen wie in den vorherigen, da viele Anspielungen ja den europäischen Raum bzw. Künstler und Werke betreffen wie Mozart, Puccini oder Rilke.

Ich fand auch gerade durch Beschreibung der gemeinsamen Bibliothek von Esther und Wyatt kommen ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten gut zum Tragen. Und er erkennt ja selbst, dass die beiden eigentlich so gut wie nichts gemeinsam und völlig unterschiedliche Ansichten haben.

Esthers Vorwurf, dass Wyatt nichts mit ihr teilt und dass er im Grunde ja doch ein Priester sei, kam mir zumindest teilweise so vor, als versuchte sie sich zu rechtfertigen bzw. den Schwarzen Peter Wyatt in die Schuhe zu schieben. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass doch auch ein bisschen Wahrheit dahinter steckt. Das finde ich allerdings auch sehr bezeichnend - schließlich wollte sie ihn heiraten, bevor sie zuviel voneinander wissen und jetzt möchte sie eben doch viel von ihm wissen. Kann schon verstehen, dass Wyatt da ein wenig frustriert ist. ;)

Und Esther heult sich bei Otto aus. Naja, aber der ist dann ja auch schon bald Geschichte, zumindest für Esther und wir verfolgen nun seinen weiteren Werdegang in Mittelamerika auf einer Bananenplantage. Ehrlich gesagt war ich hier schon ein wenig irritiert, dass es auf einmal nicht mehr um Wyatt ging in dem vierten Kapitel. Die Dynamik zwischen Jesse und Otto fand ich ganz interessant - hier sind es wieder die Dialoge, die mir sehr gut gefallen haben. Allerdings kam mir die Beleidigung "du Pfeife" doch ein bisschen harmlos und fehl am Platz vor. Wenn man jedoch die Zeit, zu der das Ganze spielt, berücksichtigt, passt es wohl. :)

Otto also schreibt an einem Theaterstück, während er die meiste Zeit im Büro verbringt und dann will er nach New York. Ganz witzig fand ich seine Spanischversuche "la manuscripta de mi playa". Hehe, also mittlerweile bin ich von dem Buch doch sehr angetan und dank der Dialoge und der Tatsache, dass ich (zumindest hier) nicht mehr ganz so viel nachschlagen musste, liest es sich doch schon gleich ganz anders!

Komisch, wie sehr ihn seine damenhafte Hand beschäftigt und dass er nun sogar ernsthaft überlegt, diese unter einem Verband zu verstecken. Natürlich habe ich auch noch Wyatts ersten Eindruck, dass Otto homosexuell sei, im Hinterkopf und ich gebe zu, dass er doch wohl viel Wert auf seine äußere Erscheinung zu legen scheint. Das könnte aber auch einfach der Tatsache geschuldet sein, dass er seiner Zeit voraus war und ein Vertreter der Metrosexualität à la Beckham. ;)

#13 RE: 2. Abschnitt Teil I - Kapitel 3 und 4 von Kangaroo 21.10.2013 20:55

Zitat von Cekay im Beitrag #11
Und ja Recktalls Name ist echt gewöhnungsbedürftig :D Der wurd bestimmt als Kind oft in der Schule gehänselt


Oh, ja, da kann ich mich eurer Meinung nur anschließen. Vor allen Dingen in Verbindung mit dem Nachnamen "Brown" - das ist ja schon fast Kindesmissbrauch, so etwas.

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