Seite 1 von 2
#1 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Svenja 11.10.2013 09:45

bis Seite 107

Ich bin unglaublich gespannt :)

#2 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Svenja 13.10.2013 10:35

Wie weit seid ihr mit dem Buch?

Ich habe den ersten Abschnitt durchgelesen und der Erzähler zeigt schon eindringlich, wie es um die " Fälschung der Welt" bestellt ist. Der Protagonist Wyatt verliert seine Mutter aufgrund eines falschen Arztes, die Mutter wird auf einem Friedhof für Jungfrauen begraben. Es gibt ungemein viele Hinweise auf eine gefälschte und heuchlerische Welt. Es ist
ein guter Einstieg, dem Leser zu zeigen, wie "falsch" die Welt schon im kleinen ist, bis hin zum zwiespältigen Verhältnis des Reverends zur Kirche im Gegensatz zur rigorosen Haltung seiner Schwester, Tante May.

Die Hauptfiguren bleiben zum Teil etwas rätselhaft und die Geschichte verliert sich etwas in, mE unwesentlichen, Details, dennoch scheint mir die Ambivalenz des Umfelds von Wyatt ein sehr guter Start.

#3 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Cekay 13.10.2013 16:48

avatar

Ich bin noch mitten im ersten Kapitel, weil mir der Einstieg noch nicht so recht gelungen ist.
Nach den ersten 2 Sätzen hab ich gedacht: "uiuiui, hoffentlich wird nicht das ganze Buche so" :D So Schachtelsätzel sind nicht so mein Fall

#4 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von eleasy 13.10.2013 23:14

avatar

Zitat von Svenja im Beitrag #2
Wie weit seid ihr mit dem Buch?

Leider noch längst nicht so weit, wie ich mir vorgenommen habe, denn eigentlich wollte ich heute schon mit dem 1. Abschnitt fertig sein!
Man muss wirklich hochkonzentriert lesen, um erst einmal reinzukommen und nicht gleich wieder den roten Faden zu verlieren!

#5 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Svenja 14.10.2013 14:12

Ja, das Buch hat es in sich :). Man gewöhnt sich aber bald an den doch ungewöhnlichen Stil.
Den roten Faden nicht aus den Augen zu verlieren ist in der Tat problematisch, da Gaddis gerne ausschweifend erzählt.

#6 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Kangaroo 14.10.2013 19:35

Ich bin gerade am Anfang von Kapitel 2. Man muss sich wirklich konzentrieren, da doch teilweise sehr ausschweifende Sätze vorzufinden sind, aber nach ein paar Seiten geht es dann eigentlich. Ausführlichere Eindrücke von mir folgen, wenn ich mit dem Abschnitt durch bin. :)

#7 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von eleasy 15.10.2013 22:00

avatar

So dann mache ich mal den Anfang mit meinen Leseeindrücken!

Ich bin ja schon froh, dass sich das erste Kapitel im weiteren Verlauf doch deutlich besser lesen ließ und vor allem auch interessant wurde.
Allerdings frage ich mich, ob sich Gaddis überhaupt Gedanken zu seiner Leserschaft gemacht hat oder ging es ihm vorrangig um die Darstellung seiner Weltanschauung. Denn man stellt sich beim Lesen dieses oft überladenen, ausufernden Textes doch unweigerlich die Frage, wer an einer derart anstrengenden, intellektuell anspruchsvollen Lektüre Freude hat.
Wollte ich wirklich hier tiefer einsteigen, um seinen oft mit Anspielungen, Zitaten aus literarischen Vorlagen, historischen Fakten, etc gespickten Ausführungen folgen zu können, wäre dieses Buch für mich eher ein Jahresprojekt!
So bleibt mir vieles leider einfach unverständlich und dies macht mich dann schon etwas ärgerlich!

Im Wesentlichen erfahren wir hier am Anfang Episoden aus der freudlosen Kindheit und Jugend von Wyatt Gwyons, dessen Vater ein puritanischer Reverend ist, und der natürlich erwartet, dass auch sein Sohn in seine Fußstapfen treten wird.
Immerhin gelingt es dem zeichnerisch begabten Jungen dann aber sich von diesem Berufsziel loszusagen und in München Kunst zu studieren.
Schon in seiner Jugend hat er sich auf das perfekte Kopieren von Kunstwerken verlegt, während er andere Bilder nicht fertigstellen kann.

Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm in Paris weitergehen wird.
Ob er das „unmoralische“ Angebot, des Kunstkritikers annehmen wird? Gefälschte Kritiken gegen Gewinnbeteiligung – genial!

Meine Lieblingsfigur ist übrigens eindeutig Tante May gewesen, die ja dann recht schnell das Zeitliche gesegnet hat.
Ich finde Gaddis hat ihren Charakter hervorragend gezeichnet, ich konnte sie mir sehr gut vorstellen.

Zitat
„Es war das Ergebnis vieler unfruchtbarer Jahre und ebenso steriler Gedanken, Resultat von Missvergnügen und Verweigerung, unter der jede Versuchung verkümmern musste, bevor die Saat aufging.“


Diese bigotte puritanische Frau hat sicher auf recht unrühmliche Weise das Leben von Wyatt geprägt.

Über viele eingestreute Formulierungen habe ich mich köstlich amüsiert.
Auch seine satirischen, oft belanglosen Dialoge, finde ich sehr spannend zu lesen und besonders unterhaltsam.
Überall findet man Beispiele für Gaddis Hauptmotiv – wir sind stets umgeben von Lug und Trug, Täuschung und Blendung, nur machen wir uns dies meist nicht bewusst.

#8 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Svenja 16.10.2013 13:38

Zitat von eleasy im Beitrag #7
So dann mache ich mal den Anfang mit meinen Leseeindrücken!

Ich bin ja schon froh, dass sich das erste Kapitel im weiteren Verlauf doch deutlich besser lesen ließ und vor allem auch interessant wurde.
Allerdings frage ich mich, ob sich Gaddis überhaupt Gedanken zu seiner Leserschaft gemacht hat oder ging es ihm vorrangig um die Darstellung seiner Weltanschauung. Denn man stellt sich beim Lesen dieses oft überladenen, ausufernden Textes doch unweigerlich die Frage, wer an einer derart anstrengenden, intellektuell anspruchsvollen Lektüre Freude hat.


Ja, der gute Gaddis lässt sich nicht wirklich einfach lesen. Seine ausschweifenden Passagen, die z.T. gar nichts mit der Geschichte zu tun haben, sind manchmal ermüdend und der rote Faden erweist sich als Chamäleon.

Zitat von eleasy im Beitrag #7
Wollte ich wirklich hier tiefer einsteigen, um seinen oft mit Anspielungen, Zitaten aus literarischen Vorlagen, historischen Fakten, etc gespickten Ausführungen folgen zu können, wäre dieses Buch für mich eher ein Jahresprojekt!

Du sagst es ;-)


Im zweiten Kapitel zeichnet der Erzähler ein gelungenes Porträt eines kosmopolitischen Paris und prangert gleichzeitig den Kunstzirkus rund um den Montmartre an.

Zitat von eleasy im Beitrag #7
Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm in Paris weitergehen wird.
Ob er das „unmoralische“ Angebot, des Kunstkritikers annehmen wird? Gefälschte Kritiken gegen Gewinnbeteiligung – genial!

Crémer hat ihm eine vernichtende Kritik geschrieben, also wird er das Angebot wohl nicht angenommen haben ;-). Interessant finde ich, dass in der Alten Pinakothek jetzt sein „im Stile von Memling“-Bild als Original hängt.

Zitat von eleasy im Beitrag #7
Meine Lieblingsfigur ist übrigens eindeutig Tante May gewesen, die ja dann recht schnell das Zeitliche gesegnet hat.
Ich finde Gaddis hat ihren Charakter hervorragend gezeichnet, ich konnte sie mir sehr gut vorstellen.

Zitat
„Es war das Ergebnis vieler unfruchtbarer Jahre und ebenso steriler Gedanken, Resultat von Missvergnügen und Verweigerung, unter der jede Versuchung verkümmern musste, bevor die Saat aufging.“

Diese bigotte puritanische Frau hat sicher auf recht unrühmliche Weise das Leben von Wyatt geprägt.



Die typische alte Jungfer, die sich gern in das Leben anderer einmischt.

Mir ist der Affe ein wenig schleierhaft. Man gewinnt den Eindruck, Gaddis hat ihn nur eingeführt, damit er später für Wyatt geopfert werden kann.

#9 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von eleasy 16.10.2013 23:33

avatar

Zitat von Svenja im Beitrag #8
Zitat von eleasy im Beitrag #7
Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm in Paris weitergehen wird.
Ob er das „unmoralische“ Angebot, des Kunstkritikers annehmen wird? Gefälschte Kritiken gegen Gewinnbeteiligung – genial!

Crémer hat ihm eine vernichtende Kritik geschrieben, also wird er das Angebot wohl nicht angenommen haben ;-). Interessant finde ich, dass in der Alten Pinakothek jetzt sein „im Stile von Memling“-Bild als Original hängt.

Oh - hätte ich nur noch ein Stückchen weitergelesen, so hätte sich diese Frage schon erübrigt.
Welch eine Enttäuschung für so einen jungen Künstler - tja gnadenlos ist dieses Geschäft und auf reines Können kommt es hier leider nicht an. Das wird Wyatt sicher auch noch oft genug erleben.

Zitat
Mir ist der Affe ein wenig schleierhaft. Man gewinnt den Eindruck, Gaddis hat ihn nur eingeführt, damit er später für Wyatt geopfert werden kann.


Na ja immerhin, hat er die gute Tante May mit diesem Tierchen ordentlich brüskieren können!
Diese Szene mit dem Affen fand ich aber ziemlich verstörend.
Ich hatte ja das Gefühl, dass er da eine Art Teufelsaustreibung betrieben hat und dabei diesen Affen bei seinen rituellen Handlungen als Opfer den archaischen Göttern dargebracht hat.
Erstaunlicherweise wird Wyatt nach dieser Zeremonie aber ja tatsächlich gesund. An was war er denn eigentlich erkrankt?

Einen ordentlichen Seitenhieb bekommt ja hier auch die Medizin ab, die den armen Wyatt als Versuchskaninchen schließlich austherapiert hatte und zum Sterben nach Hause geschickt hat. Nun ja zu jener Zeit haben sich sicher noch sehr viele von sich eingenommene Quacksalber in der Wissenschaft getummelt.

#10 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Svenja 17.10.2013 09:08

Guten Morgen Cekay und Kangaroo,

hoffe, das Buch hat euch nicht allzu sehr verschreckt . Eleasy und ich würden gerne eure Meinungen zu Wyatts Start ins Leben hören.

#11 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Svenja 17.10.2013 09:13

Zitat von eleasy im Beitrag #9
Zitat von Svenja im Beitrag #8
Zitat von eleasy im Beitrag #7
Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm in Paris weitergehen wird.
Ob er das „unmoralische“ Angebot, des Kunstkritikers annehmen wird? Gefälschte Kritiken gegen Gewinnbeteiligung – genial!

Crémer hat ihm eine vernichtende Kritik geschrieben, also wird er das Angebot wohl nicht angenommen haben ;-). Interessant finde ich, dass in der Alten Pinakothek jetzt sein „im Stile von Memling“-Bild als Original hängt.

Oh - hätte ich nur noch ein Stückchen weitergelesen, so hätte sich diese Frage schon erübrigt.


Ich fürchte, bei dem vielen Infodropping werden wir das eine oder andere wichtige überlesen

#12 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Cekay 17.10.2013 20:08

avatar

Verloren bin ich noch nicht, aber es geht langsamer ran als gedacht =( Sorry

#13 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Svenja 18.10.2013 11:01

Ok, kämpf dich durch :).

Wie eleasy schon im 2. Abschnitt sagte, es wird besser, halte durch XD

#14 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Kangaroo 18.10.2013 19:45

Keine Bange, ich bin noch dabei, nur komme ich unter der Woche nur abends dazu das Buch zu lesen und es erfordert meine volle Konzentration. Noch wenige Seiten, dann ist Abschnitt 1 geschafft und ich habe mir fest vorgenommen, Abschnitt 2 ebenfalls dieses Wochenende fertig zu lesen. :)

#15 RE: 1. Abschnitt Teil I - Kapitel 1 und 2 von Cekay 19.10.2013 17:49

avatar

Sooo =) Bin auch mit dem ersten Abschnitt fertig und ihr habt recht. Es wird wirklich besser.

Zitat von Svenja im Beitrag #8
Zitat von eleasy im Beitrag #7
So dann mache ich mal den Anfang mit meinen Leseeindrücken!

Ich bin ja schon froh, dass sich das erste Kapitel im weiteren Verlauf doch deutlich besser lesen ließ und vor allem auch interessant wurde.
Allerdings frage ich mich, ob sich Gaddis überhaupt Gedanken zu seiner Leserschaft gemacht hat oder ging es ihm vorrangig um die Darstellung seiner Weltanschauung. Denn man stellt sich beim Lesen dieses oft überladenen, ausufernden Textes doch unweigerlich die Frage, wer an einer derart anstrengenden, intellektuell anspruchsvollen Lektüre Freude hat.
Ja, der gute Gaddis lässt sich nicht wirklich einfach lesen. Seine ausschweifenden Passagen, die z.T. gar nichts mit der Geschichte zu tun haben, sind manchmal ermüdend und der rote Faden erweist sich als Chamäleon.

Sehr schön ausgedrückt ^^ Ich musste mich ein paar mal davon abhalten, einfach ein paar Zeilen zu überspringen und zu hoffen, dass es endlich weitergeht.
Ich bin kein Freund von zu viel Geschwafel, dementsprechend war der Anfang hart für mich. Vielleicht ist meine Intelligenz auch einfach nicht hoch genug für sowas, aber für mich ist das eher ein schlechter Stil. Aber über Kunst lässt sich streiten.

Zwischendurch musste ich mich aber immer wieder fragen was er uns wohl damit sagen will. Ist Janet eigentlich ein Mann oder warum wird 2mal auf einen Bartschatten hingewiesen? Immerhin gehts ja um Fälschungen ^^ Vielleicht bin ich aber auch nur paranoid und Gaddis will sagen, dass Janet nicht besonders hübsch ist.
Die kleinen verstreuten "Fälschungen" fand ich dagegen sehr amüsant. Sei es nun die versteckten Lautsprecher sind, die dazu anhalten zu spenden oder die Aufteilung der Verstorbenen in 2 Kategorien. Scheinbar gibt es ja nur die Reinen, die einen weiße Kutsche bekommen und die Sündiger, die eine schwarze Kutsche bekommen. Eine Grauzone gibt es nicht, oder zumindest sagt Gaddis darüber nichts.

Zitat von Svenja im Beitrag #8
Zitat von eleasy im Beitrag #7
Ich bin sehr gespannt, wie es mit ihm in Paris weitergehen wird.
Ob er das „unmoralische“ Angebot, des Kunstkritikers annehmen wird? Gefälschte Kritiken gegen Gewinnbeteiligung – genial!
Crémer hat ihm eine vernichtende Kritik geschrieben, also wird er das Angebot wohl nicht angenommen haben ;-). Interessant finde ich, dass in der Alten Pinakothek jetzt sein „im Stile von Memling“-Bild als Original hängt.

Die Ähnlichkeit mit "Den dunklen Farben des Lichts" von Andrea Gunschera hat mich hier sehr verblüfft. Zum Glück ist mir Wyatt als Hauptprotagonisten bisher deutlich sympathischer als Henryk, aber im Grunde passiert dort genau das Gleiche. Ich bin gespannt wie Wyatt sich weiterentwickelt und später ja doch in diese Szene rutschen wird.

Zitat von Svenja im Beitrag #8
Zitat von eleasy im Beitrag #7
Meine Lieblingsfigur ist übrigens eindeutig Tante May gewesen, die ja dann recht schnell das Zeitliche gesegnet hat.
Ich finde Gaddis hat ihren Charakter hervorragend gezeichnet, ich konnte sie mir sehr gut vorstellen.
[quote]„Es war das Ergebnis vieler unfruchtbarer Jahre und ebenso steriler Gedanken, Resultat von Missvergnügen und Verweigerung, unter der jede Versuchung verkümmern musste, bevor die Saat aufging.“
Diese bigotte puritanische Frau hat sicher auf recht unrühmliche Weise das Leben von Wyatt geprägt.


Als Lieblingsfigur kann ich May nicht wirklich beschreiben, aber du hast Recht. Gaddis hat sie sehr gut dargestellt. Ob sie sich wohl im Grab umdreht? Eigentlich ist sie ja schuld, dass Wyatts Übung im Kopieren bekommt.

Bei so einer Tante wäre ich wohl durchgedreht ^^ Aber an einer Stelle musste ich besonders lachen. Die Stelle wo Wyatt auf dem Heizungsschacht "meditiert" hat, hat mich an Anne Frank in "Hoffnung - Die Tragödie" Herrlich :D Störend finde ich, übrigens die fremdsprachigen Textstellen. Einiges kann ich mir zusammenreimen, aber leider nicht so viel wie ich gern würde.

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de
Datenschutz