#1 Isegrim - Antje Babendererde von fantasticbooks 30.09.2013 21:36

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Für Jola ist der Wald ihr einziger Zufluchtsort. Hier kommt sie hin, wenn sie wieder frei atmen will, denn oft fühlt sie sich von ihren Mitmenschen - vor allem von ihrer überängstlichen Mutter - stark eingeengt. Auch die Beziehung zu ihrem Freund Kai gibt Jola schon lange nicht mehr soviel wie zum Anfang. Das kleine Dorf mit seinen Bewohnern voller Vorurteile und Klatschsucht machen ihr Leben obendrein nicht einfacher, so dass sie in letzter Zeit nahezu täglich in den Wald flüchtet.

Doch jüngst fühlt sie sich auch hier immer öfter beobachtet. Dann begegnet sie eines Tages Olek, der sie fasziniert und ihr zahlreiche Rätsel aufgibt. Diverse Diebstähle und ein gemeinsames Schulprojekt mit ihren Freunden sorgen dafür, dass die Wogen im Dorf immer höher schlagen und längst Vergangenes wieder ausgegraben wird. Ebenso wie ein Verbrechen, das bereits fünf Jahre zurückliegt und, in dem Jola auf besondere Weise involviert ist.

Meine Meinung:

Die Bücher von Antje Babendererde liebe ich vor allem wegen ihres unverwechselbaren Schreibstils. Sehr ruhig und leicht melancholisch präsentiert sie ihre Geschichten, die ohne Ausnahme sehr viel Tiefe aufweisen und mich direkt berühren.

Auch in "Isegrim" sind ihre Beschreibungen sehr bildhaft und schnell hat das Dorf, in dem Jola lebt, vor meinem geistigen Auge Gestalt angenommen, mitsamt seinen einzigartigen Persönlichkeiten.

Vor allem Jola ist ein ganz besonderer Charakter. Entgegen dem Trend der heutigen Jugend ist sie nicht dauervernetzt und -beschallt, sondern liebt die Ruhe und den Frieden, die der Wald für sie ausstrahlen. Ihre Umwelt reagiert darauf mit Unverständnis, doch Jola lässt sich nicht beirren und hält an ihren Gewohnheiten fest. Oftmals kommt es ihr so vor, als würde ihr reales Leben nur im Wald stattfinden, während sie außerhalb nur eine Rolle spielt, um die Erwartungen ihrer Mitmenschen zu erfüllen.

Aber auch die anderen Charaktere sind sehr detailliert gezeichnet und trotz der Erzählperspektive in der ersten Person verblassen diese nicht hinter der Protagonistin, sondern runden das Gesamtbild der Erzählung wohltuend ab. Angefangen bei Jolas Mutter, die unter einer Angststörung leidet, über den beeinträchtigten Magnus und den Eigenbrötler Tobias, bis hin natürlich auch zu Olek, dessen Lebensweise mehr als außergewöhnlich ist und, der ein großes Geheimnis verbirgt.

Besonders gut gefällt mir, dass kein Charakter hier ausschließlich gut oder böse ist. Sie alle haben Ecken und Kanten und handeln zuweilen unvernünftig oder machen Fehler. Das ist nicht nur absolut menschlich, sondern lässt die Charaktere dieses Romans im hohen Maße authentisch erscheinen. Besonders das Thema Schuld wird hier auf vielfältige Art beleuchtet und sehr schön aufbereitet.

Fazit:

"Isegrim" von Antje Babendererde war ein absolutes Lesevergnügen für mich. Sehr ruhig und gefühlvoll geht der Roman in die Tiefe und hat mich weit in die dortige Welt hineingezogen. Die tollen Charaktere sind mir nahe gekommen und haben mich dabei sehr berührt. "Isegrim" ist ein toller Jugendroman, den ich voll und ganz empfehlen kann.

#2 RE: Isegrim - Antje Babendererde von Riinaa 19.02.2014 15:18

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Der Wald ist Jolas einziger Rückzugsort, an den sie gerne zurückkommt, wenn sie ihre Probleme und Sorgen wenigstens für einen kurzen Augenblick vergessen möchte. Einmal kurz Pause von ihrer überängstlichen Mutter oder ihrem anhänglichen Freund Kai nehmen. Doch in der letzten Zeit scheinen im Wald irgendwelche Veränderungen vorzugehen. Nicht nur das sich Jola ständig beobachtet fühlt. Fast kommt es ihr so vor, als würde ihr jemand heimlich folgen. Als sie schließlich auf den geheimnisvollen Olek trifft, glaubt Jola die Antwort bereits gefunden zu haben. Das sich dies allerdings als Trugschluss herausstellt und noch weitaus größere Geheimnisse auf sie warten, wird ihr relativ schnell klar….

Meine Meinung

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten Monaten in der Buchhandlung an diesem Buch vorbeigelaufen bin und meine Augen automatisch an dem wunderschönen Cover hängen geblieben sind. Neugierig habe ich mir den Klappentext durchgelesen, wobei im Grunde nur die ersten drei Zeilen ausgereicht haben, um zu wissen, dass ich die Geschichte auf jeden Fall lesen möchte.

„Ein ungesühntes Verbrechen. Ein düsteres Geheimnis. Und ein Mädchen, das nicht bereit ist wegzusehen.“

Hört sich doch richtig spannend und geheimnisvoll an! Mehr musste und wollte ich auch nicht erfahren, sodass ich mich völlig unwissend ins Geschehen gestürzt habe. Der kurze Prolog lässt einem gleich den Atem stocken und erahnen, dass entweder etwas ganz Schreckliches passieren wird oder bereits geschehen ist. Unterschwellig wird also gleich einmal das Spannungslevel angefacht. Im späteren Verlauf sind solche Einschübe – immer aus der Sicht eines Unbekannten- regelmäßig zu finden.

Der eigentliche Anfang der Geschichte ist dagegen eher ruhig. Man lernt die Protagonistin Jola, ihr Leben und ihre Umgebung ein wenig kennen. Hierbei wird natürlich auch ihre Faszination für die Natur, den Wald und seine Tiere auf anhieb spürbar.

Durch den Wald zu streifen und seine Lebewesen zu beobachten…etwas Schöneres könnte sich Jola nicht vorstellen. Das ist ihre Welt, dort fühlt sie sich wohl, dort kann sie ihre Probleme vergessen und einmal eine Pause von ihrer überängstlichen Mutter oder ihrem anhänglichen Freund Kai nehmen.

„Ich liebe den Wald zu jeder Tageszeit, ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter. Hier bin ich ein Teil dessen, was mich umgibt: ein Baum, ein Grashalm, ein Vogel, ein Schmetterling. Ich atme den würzigen Duft der Kiefernnadeln und fühle mich herrlich leicht. Das ist der Moment, nach dem ich mich den ganzen Tag gesehnt habe.“ (S.58)

In diesem Zug kann ich gleich einmal erwähnen, dass Frau Babendererde einen zauberhaften Schreibstil hat, mit dem sie einem Bilder und Beschreibungen (insbesondere Tiere und Pflanzen) detailgenau vor dem inneren Auge entstehen lässt. Mir kam es fast so vor als würde als würde ich mit vor Ort sein und alles hautnah miterleben. Es umgibt einen eine ganz besondere Atmosphäre und es öffnen sich einem die unterschiedlichen Facetten des Waldes, sodass man Jola Faszination wirklich nachvollziehen kann. Und das obwohl ich Wälder grundsätzlich mit düster und gefährlich assoziiere. Diese „Angst“ konnte mir die Autorin jedoch nehmen :D

So idyllisch bleibt es aber nicht lange. Man merkt, dass etwas „Düsteres“ hinter allem steckt. Nicht nur, dass sich Jola von einem „Wesen“ verfolgt fühlt. Insbesondere das Dorf Altenwinkel scheint einige Geheimnisse zu verbergen, die die meisten Bewohner am liebsten in Vergessenheit geraten lassen wollen. Genauer werde ich nicht darauf eingehen, da ich sonst zu viel verraten würde.

Die Spannung hält sich bis zu einem bestimmten Punkt konstant. Als sich alles immer mehr zuspitzt entwickelt sich das einst ruhige Buch in einen gefährlichen und rasanten Thriller, der einen mehr als einmal auf eine vollkommen falsche Fährte lockt und sein Urteil über diesen oder jedem Charakter überdenken lässt. Wie es weitergeht ist absolut nicht voraussehbar.

Mein Fazit

Mit „Isegrim“ hat Frau Babendererde einen geheimnisvollen und wunderbar bildhaften Jugendthriller geschrieben, der hinter die Fassade eines kleinen thüringerischen Dorfes schaut und sich aufmacht eine Mauer des Schweigens einzureißen. Zwar dauert es ein wenig bis die Spannung aufkommt, doch wer sich die Mühe macht und durchhält, wird auf jeden Fall belohnt werden.

#3 RE: Isegrim - Antje Babendererde von Gronik 18.03.2014 16:23

Jola lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf in Thüringen. Ihr Vater ist der örtliche Förster und von ihm hat sie ihre Liebe zum Wald geerbt. Stundenlang kann sie sich in der Natur herumtreiben und Tiere beobachten. Sehr zur Besorgnis ihrer Mutter und zum Unverständnis ihres Freundes Kai. Kai und Jola kennen sich schon seit Jahren, doch erst seit kurzem sind sie ein Paar. Während Kai total verliebt ist, spürt Jola erste Zweifel, ob diese Beziehung wirklich das Richtige ist.

Eines Tages macht sie im Wald eine erstaunliche Entdeckung. Anscheinend hat sich auf dem nahegelegenen Truppenübungsplatz eine Wölfin angesiedelt. Jola ist fasziniert, doch ihr ist klar, dass sie mit dieser Meinung wohl in der Minderheit sein dürfte und die anderen Dorfbewohner ihre Begeisterung wohl nicht teilen werden. Also erzählt sie niemandem von ihrer Entdeckung.
Gleichzeitig trifft sie im Wald auf einen rätselhaften Jungen. Wer ist dieser Olek, wo kommt er her und was tut er da im Wald?

Neben der Thematik der Rückkehr wildlebender Wölfe nach Deutschland schneidet die Autorin in diesem Buch noch weitere Themen an. Durch ein Schulreferat beschäftigen sich Jola und ihre Freunde mit der Geschichte des Dorfes. Als sie eine der ältesten Anwohnerinnen für einen Zeitzeugenbericht befragen, stoßen sie auf ein dunkles Kapitel in der Vergangenheit des Dorfes. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ein amerikanischer Soldat getötet. Der Täter soll ein polnischer Zwangsarbeiter gewesen sein, doch an dieser Version der Geschichte gibt es auch durchaus Zweifel. Aber die alteingesessenen Dorfbewohner haben keinerlei Interesse daran, dass diese alte Geschichte wieder hervorgekramt wird und reagieren äußerst unwirsch.

Neben diesem alten Fall aus der Nachkriegszeit gibt es auch noch ein viel aktuelleres Verbrechen. Vor einigen Jahren wurde ein Mädchen entführt. Alina war Jolas beste Freundin und sie vermisst sie heute noch sehr. Die Leiche des Mädchens wurde nie gefunden, allerdings fand man Beweisstücke bei einem Mann, der sich kurz darauf umbrachte, was allgemein als Schuldeingeständnis gewertet wurde. Doch ist vielleicht auch in diesem Fall die Wahrheit eine ganz andere?

Ich habe bisher noch kein Buch von Antje Babendererde gelesen und konnte daher auch nicht enttäuscht werden, da es anscheinend anders ist als ihre bisherigen Bücher. Mir hat die Verbindung dieser verschiedenen Geschichten und Themen sehr gut gefallen, auch wenn ich mir vielleicht gewünscht hätte, dass der Wolfsanteil noch etwas höher ausgefallen wäre. Die Charaktere fand ich gut gezeichnet und glaubwürdig, die Handlung insgesamt spannend und sehr gut zu lesen.

Für mich ein tolles Jugendbuch, das ich auch als Erwachsene sehr gerne gelesen habe!

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