#1 Mein Herz zwischen den Zeilen - Jodi Picoult und Samantha van Leer von fantasticbooks 24.07.2013 14:18

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Delilah fühlt sich in der High School meistens fehl am Platz, nur ihre Freundin Jules ist ihr hier ein Halt. In ihrer Freizeit liest sie sehr gerne. Besonders an einem ganz bestimmten Märchenbuch, dass sie sich in der Schulbibiliothek ausgeliehen hat, hängt zur Zeit ihr Herz, denn mit Oliver, dem Protagonisten der Geschichte, kann sie sich nicht nur gut identifizieren, sondern er scheint es ihr auch sonst sehr angetan zu haben. Umso verwunderter ist Delilah als Oliver sie auf einmal direkt aus dem Buch heraus anspricht!

Nach dem ersten Schreck und der Feststellung, dass Delilah doch nicht verrückt geworden ist, kommen sich die beiden schnell näher. Gemeinsam machen sie sich an die Aufgabe, einen Weg aus dem Buch heraus für Oliver zu finden, der sich schon lange nach selbstbestimmter Freiheit gesehnt hat. Wird es den beiden gelingen?

Meine Meinung:

"Mein Herz zwischen den Zeilen" ist das erste Buch, das Jodi Picoult gemeinsam mit ihrer Tochter in Angriff genommen hat. Der schön illustrierte Roman kann besonders mit viel Ideenreichtum und abwechslungsreichen Charakteren punkten.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Delilah und Oliver in der Ich-Form erzählt und erhält so ein großes Maß an Lebendigkeit. Lediglich die eingefügten Märchenpassagen, die Olivers vorgegebene Geschichte widerspiegeln, sind in der dritten Person verfasst und verschaffen so den nötigen Abstand zum eigentlichen Geschehen, wirken jedoch in der fortschreitenden Handlung meiner Meinung nach gelegentlich störend.

Olivers Charakter war mir beim Lesen oftmals näher als Delilah, deren Handlungen ich ab und an nicht nachvollziehen konnte. In dem Moment, als klar war, dass Oliver mehr als ein eindimensionaler Märchenprinz ist, der seinem Leben, das einem sich ständig wiederholendem Schauspiel gleicht, entfliehen möchte, war er mir auch sympathisch. Er glaubt ganz fest daran, dass das Leben noch mehr für ihn bereithält. Die Kontaktaufnahme zu Delilah ist für ihn eine Offenbarung, das Zeichen, dass seine Träume Realität werden können. Seine aufkommende Zuneigung zu Delilah ist ein weiterer Anreiz für ihn, seine Pläne umzusetzen.

Leider haben die Autorinnen meiner Ansicht nach sehr viel Potenzial verschenkt. Angefangen von den Märchenpassagen, die anfänglich noch sehr informativ waren, aber im fortschreitenden Geschehen eher den Spannungsbogen wieder abfallen ließen und auch inhaltlich da nicht mehr soviel Sinn machten, bis zum überraschenden und auch unstimmigen Ende, das in dieser Form mehr Fragen aufwirft als klärt und mich irgendwie etwas unzufrieden zurückgelassen hat.

Zudem würde ich, losgelöst von der eigentlichen Altersempfehlung, den Roman eher einem jüngeren Publikum ab 10 Jahren empfehlen, da ich den Eindruck hatte, dass diese Altersgruppe sich vielleicht eher von dem Roman angesprochen fühlen könnte.

Fazit:

Der vielversprechende Klappentext hat mich zum Lesen verführt; leider blieb der Roman jedoch etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Trotz interessanter Charaktere und einer großen Portion Ideenreichtum konnte mich "Mein Herz zwischen den Zeilen" zwar gut unterhalten, aber irgendwie nicht konsequent fesseln.

#2 RE: Mein Herz zwischen den Zeilen - Jodi Picoult und Samantha van Leer von Kangaroo 25.07.2013 21:34

Kurzmeinung
Eine märchenhafte Idee, aber leider - wegen flacher Charaktere und vieler Logikfehler - nicht besonders überzeugend umgesetzt. Da es für Grundschüler wahrscheinlich trotzdem ganz nett zu lesen ist, 3 1/2 Sterne.

Inhalt
Delilah, 15, liest ein Märchenbuch. Immer und immer wieder. Doch auf einmal fällt ihr auf, dass es etwas anders ist.

Oliver,16, ist ein echter Märchenprinz. Immer wieder spielt er dieselbe Geschichte durch, wenn jemand das Buch öffnet und das Märchen liest, in dem er die Hauptrolle spielt. Doch sobald die Seiten geschlossen sind, haben die Figuren ein Eigenleben. Oliver hat die Schnauze voll, immer wieder eine Prinzessin retten zu müssen und würde gerne die "Anderswelt", die Welt der Leser, kennen lernen. Dann merkt er auf einmal, dass Delilah anders ist als die anderen Leser - sie kann tatsächlich mit ihm reden.

Wird Oliver dem Märchen entkommen?

Ausführlichere Meinung
Dies ist mein erstes Buch, dass ich von Jodi Picoult gelesen habe. Sie hat es ja zusammen mit ihrer Tochter geschrieben, die auch die Idee für die Geschichte hatte. Und diese Idee ist auch wirklich schön!

Die Geschichte wechselt zwischen den Erzählern Oliver und Delilah und zwischendurch sind immer wieder Teile des eigentlichen Märchens, in dem Oliver zuhause ist, eingeschoben. So lernt man die verschiedenen Perspektiven und Welten gut kennen. Allerdings sind alle Charaktere doch recht einfach gestrickt und auch die alternativen Identitäten der unterschiedlichen Märchenfiguren, denn natürlich ist der Bösewicht nicht wirklich böse, wenn er nicht gerade seine Rolle im Märchen einnehmen muss, sind nicht wirklich besonders fesselnd.

Zudem gibt es doch einige grobe Logikfehler, die das Lesevergnügen deutlich trüben.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch die Illustrationen. Auch die unterschiedlichen Kapitel haben - je nach Erzähler - eine andere Schriftfarbe. Das ist wirklich nett gemacht.

Besonders das Ende hat mir das Buch dann jedoch ziemlich vermiest und gäbe es die Illustrationen nicht, hätte es auch nur 3 Sterne von mir bekommen. Es geht auf einmal alles recht rasch und die tolle Lösung für ein Happy End gefällt mir ganz und gar nicht und ist - wieder Logikfehler - eigentlich auch in der Art und Weise nicht möglich. Es gibt eine Figur, die zumindest meiner Meinung nach nun völlig in der Luft hängt und das finde ich wirklich schade.

Ich würde das Buch auf jeden Fall jüngeren Lesern empfehlen, bis 12 Jahre. Diese können vielleicht über die Logikfehler hinweg sehen und die Geschichte besser genießen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade Kinder ziemlich hell sind, was solche Dinge angeht, und gewisse Dinge eben doch hinterfragen werden.

Fazit
Einzig die Illustrationen werden mir positiv im Gedächtnis bleiben, aber die Charaktere, der doch sehr einfache Schreibstil, der wahnsinnig viele Wiederholungen aufweist, die gravierenden Logikmängel und vor allem das Ende haben mich leider enttäuscht. Dabei hatte das Buch so vielversprechend angefangen...

#3 RE: Mein Herz zwischen den Zeilen - Jodi Picoult und Samantha van Leer von Larijana 17.08.2013 15:08

Delilah zählt zu den Mädchen, die nicht gerade beliebt sind in der Schule, und vergräbt ihre Nase lieber in einem Buch. In letzter Zeit ist ihr ständiger Begleiter ein Märchenbuch, das sie in der Schulbibliothek entdeckt hat und mit deren Hauptfigur sie sich gut identifizieren kann, weil er wie sie ohne Vater aufgewachsen ist. Delilah ist fassungslos, als genau diese Märchenfigur, Prinz Oliver, ihr durch das Buch eine Nachricht zukommen lässt und sie um Hilfe bittet – und er kann es kaum glauben, dass einer der Leser aus der Anderswelt ihn tatsächlich hören kann. Denn Oliver ist schon lange unzufrieden mit seinem Leben und möchte seinem Märchen entkommen, in dem er nur eine Rolle spielt sobald das Buch aufgeschlagen wird, doch noch nie konnte ihn jemand über die Buchseiten hinweg verstehen. Delilah ist längst von ihrem fast Fleisch gewordenen Prinzen hingerissen und auch Oliver findet sie viel hinreißender als die Prinzessin, die er in seinem Märchen immer retten und küssen muss. Gemeinsam versuchen sie, die Grenze zwischen ihren Welten zu überwinden, um zusammen sein zu können.

„Was ist, wenn du und ich füreinander bestimmt sind?“, fragte sie. „Was, wenn irgendeine höhere Macht – Schicksal, Bestimmung, irgendwas – Jessamyn Jacobs dazu getrieben hätte, diese Geschichte zu schreiben, weil wir uns sonst nie kennengelernt hätten?“
- Mein Herz zwischen den Zeilen, S. 137


Was machen die Charaktere in Büchern, wenn das Buch gerade nicht gelesen wird? Der Roman von Jodi Picoult und ihrer Tochter, der selbst fast an ein Märchen erinnert, basiert auf einer interessanten Idee, die in ihrer Umsetzung jedoch leider recht schwach ist. Sicher muss man Jodi Picoults übliche Romane außen vorlassen, wenn man nach diesem Jugendbuch greift, man kommt während des Lesens dennoch nicht ganz umhin, gewisse Parallelen zu ziehen und enttäuscht einige Unstimmigkeiten in dem Buch zu registrieren, die dem sonst so sorgfältigen, gründlich recherchierten Stil von Picoult widersprechen. In einem Buch mit fantastischen Elementen kann man selbstverständlich nicht immer Erklärungen für alles fordern, teilweise wirkt es jedoch so, als hätten Picoult und ihre Tochter sich ihre erdachte Märchenwelt immer so gedreht, wie sie sie gerade gerne hätten – da wird einmal behauptet, dass die Märchenfiguren beim Aufschlagen des Buches ihre Erinnerung verlieren oder dass alles in der Geschichte auf den Anfang zurückgesetzt wird, doch dann gibt es wieder Momente, wo dem nicht so ist. Die Lösungen hierfür wirken eher willkürlich denn gut gewählt. Auch dass Oliver teilweise neumodische Dinge und Begriffe wie Feuerlöscher oder Hubschrauber kennt, aber dann nicht weiß, was Sandwiches oder ein Föhn sind und der Meinung ist, dass Delilah sehr freizügig gekleidet ist, artet in einen großen Widerspruch aus, der einem leider ins Auge fällt, weil das Buch auch nicht ganz so zu fesseln vermochte, dass man darüber hinwegsehen konnte, was an dem sehr einfachen, jugendlichen Schreib- und Erzählstil liegen mag, der die Seiten zwar nur so dahinfliegen lässt, aber keine fundierte Geschichte bietet. Die Ereignisse überstürzen sich geradezu, kaum haben Oliver und Delilah sich kennengelernt, erblühen auch schon die ersten Gefühle zwischen ihnen, die man als Leser überhaupt nicht nachvollziehen kann, weil sie hauptsächlich darüber geredet haben, wie sie Oliver aus dem Buch herausbekommen. Die Liebesgeschichte der beiden bleibt bei den zahlreichen Versuchen, die sie unternehmen, um Oliver in Delilahs Welt zu holen, leider auf der Strecke und kommt auch gegen Ende des Buches nicht richtig zum Tragen, das sowieso sehr offen und abrupt ist und viel zu viele Dinge ungeklärt lässt.

Echte Märchen sind nichts für Zartbesaitete. Kinder werden von Hexen gefressen und von Wölfen gejagt; Frauen fallen ins Koma und werden von bösen Verwandten misshandelt. Aber am Schluss haben sich all die Schmerzen und Qualen irgendwie gelohnt, denn es gibt immer ein Happy End.
- Mein Herz zwischen den Zeilen, S. 39


Aller Kritik zum Trotz hat Jodi Picoults Jugendbuch jedoch auch ein paar wirklich märchenhafte Elemente, die zu verzaubern vermögen, denn dem Einfallsreichtum von ihr und ihrer Tochter schienen beim Schreiben dieses Buchs wirklich keine Grenzen gesetzt gewesen zu sein. Anstatt sich stereotypischen Elementen von Märchen zu bedienen, haben sie ihre ganz eigene Art von Märchen geschaffen, mit einem Prinzen, der gar nicht mal so mutig ist wie wir es von Helden kennen, einem Pferd, das ziemlich eigen und selbstverliebt ist, einem Piraten, der in Wahrheit Kieferorthopäde ist, Männer hassenden Meerjungfrauen und einem Bösewicht, der in seiner Freizeit, wenn das Buch geschlossen ist, leidenschaftlich Schmetterlinge sammelt und malt. Obwohl die Nacherzählung des Märchens, eingeschoben zwischen der wechselnden Perspektive zwischen Oliver und Delilah, eher als Lückenfüller anmutet, hat mir dieser Teil fast sogar noch besser gefallen als die eigentliche Geschichte, da das Schriftstellerduo hier wirklich etwas völlig anderes bietet und angenehm unterhält.
Das Buch ist außerdem mit wunderschön gestalteten Illustrationen geschmückt, die immer zu dem gerade abgedruckten Text auf der Seite passen und ihn schön unterstreichen, und enthält auch kleinere Botschaften und Lektionen über Liebe, Freundschaft und andere Themen, die sich sehr schön lesen lassen und sich auch im Gedächtnis einprägen.

Mein Herz zwischen den Zeilen konnte mich zwar nicht gänzlich überzeugen, weil es wohl einfach auf eine jüngere Zielgruppe ausgelegt ist und einige Unstimmigkeiten aufwiest, dennoch kann es eine schöne Story für zwischendurch bieten und ist ein märchenhaftes Buch, das zumindest junge Mädchen zum Träumen bringen dürfte.

#4 RE: Mein Herz zwischen den Zeilen - Jodi Picoult und Samantha van Leer von daydreamerin 24.08.2013 08:39

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Delilah ist in ihrer High-School eher eine Außenseiterin, wen wundert es da, dass sie auch einen Sinn für ungewöhnliche Hobbys bzw. ungewöhnliche Bücher hat. Das Märchen „Mein Herz zwischen den Zeilen“ hat es ihr im gleichnamigen Werk sehr angetan, sie kennt jede Seite auswendig und verbindet bald mehr mit dem Buch als nur das reine Lesen. Der Protagonist Oliver nimmt Kontakt mit ihr auf und die beiden planen fortan, wie sie Oliver aus dem Buch bekommen können.

Sehr gut gefallen hat mir der Perspektivwechsel im Verlauf des Buches. Es gibt Kapitel aus der Sicht von Oliver und Abschnitte, die Delilah aus der Ich-Perspektive erzählt. Immer wieder werden Passagen aus dem eigentlichen Märchenbuch eingeschoben, so dass man auch einen Überblick über die Gesamthandlung der Geschichte bekommt, die Delilah immer wieder liest. Die Aufmachung des Buches mit den vielen kleinen Bildern und Zeichnungen lockert den Text auf und unterstreicht die laufende Handlung sehr gut.

Delilah und Oliver waren mir als Hauptpersonen schon sympathisch. Sie sind beide recht typische Jugendliche, deren Ansichten und Meinungen man zwar nicht immer versteht, sie aber als gegeben annimmt, da sich jeder erinnern wird, wie es einem selbst in dem Alter gegangen ist. Man widersetzt sich den Eltern, möchte die eine oder andere Regel zu seinen eigenen Gunsten auslegen oder einfach mal aus seinem Gefängnis- Alltag- ausbrechen. Besonders Oliver macht sehr deutlich, dass ihm das monotone Abspielen der Märchengeschichte langweilt und er nicht hinter dem steht, was er aufgezwungen bekommen hat. Er möchte ein anderes Leben, selbst entscheiden dürfen und auch nicht mehr durchs Reich fliegen, weil ein neuer Leser das Buch öffnet.
Die Versuche, die Delilah und Oliver unternehmen, um ihn aus dem Buch zu bekommen sind recht spannend und witzig zu verfolgen. Das die Erfolgsquote eher gering ist, gehört sich einfach, sonst wäre die Geschichte auch zu schnell vorbei. Interessant war dabei auch, dass wir etwas über die Figuren des Märchens erfahren haben, die zum größten Teil „privat“ gar nicht so sind, wie die Rollen, die sie auf den Leib geschrieben bekommen haben. Es gab dadurch sehr unterschiedliche Einblicke in die verschiedenen Welten, was für Abwechslung gesorgt hat.

Mit dem Ende selbst konnte ich mich persönlich nicht so recht anfreunden, es passte für mich nicht recht zum Rest des Buches. Es ging außerdem dann doch alles etwas zu schnell, viele Fragen sind offen geblieben, die mir für einen harmonischen Abschluss wichtig gewesen wären.
Insgesamt habe ich „Mein Herz zwischen den Zeilen“ gern gelesen und empfand es für die Altersangabe entsprechend gestaltet und geschrieben. Mich konnte es allerdings zum Schluss nicht hundertprozentig überzeugen.

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