#1 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Svenja 03.05.2013 11:52

Morgen gehts los :-)

#2 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Cekay 04.05.2013 11:49

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1. Seite

Herrlich :D Also wenn das Buch so weiter geht, kann das Buch nur großartig werden. Ich hab jetzt schon "Mitleid" mit allen, die sich nicht angemeldet haben. Ihr verpasst was!

#3 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Svenja 04.05.2013 15:41

Zitat von Cekay im Beitrag #2
Ich hab jetzt schon "Mitleid" mit allen, die sich nicht angemeldet haben. Ihr verpasst was!

Ohja, da bin ich ganz deiner Meinung.

Nicht nur die 1. Seite ist enorm spannend.

Allein schon der Titel "Hoffnung - Eine Tragödie" ist schon vielversprechend und impliziert, dass die Hoffnung einen oft an der Nase herumführt.
Das erste Kapitel ist schon eine Einleitung darüber, wie trügerisch Hoffnung sein kann, dass man seinem Schicksal nicht entkommt, egal wie sehr man versucht, sich zu (be-)schützen.

Auch im zweiten Kapitel, wenn der Therapeut Kugel erklärt, seine Hoffnung sei seine größte Schwäche, steckt da schon enorm viel drin.
Die zum Teil extremen Beispiele Professor Joves können sehr gut als Paradigmen gelesen werden.

#4 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Cekay 05.05.2013 00:00

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Was glaubt ihr läuft da auf dem Dachboden rum? Eine Maus ist zu klein, aber vielleicht eine Katze oder ein anderer Mieter? Vielleicht bildet er sich das auch einfach nur ein oder ein undichtes Wasserrohr (Oo auf dem Dachboden jaja ich weiß unwahrscheinlich)

Die Gedanken zu den letzten Worten find ich super. Wer macht sich schon vorher groß Gedanken darüber. Das Flehen und Betteln nicht in Frage kommt kann ich nur unterstreichen.
Als Atheist musste ich besonders bei dem Teil über Jesus lachen. .. Ob ich das mal mit meinem Schwiegervater in spe diskutieren sollte? (Der ist Pastor im Ruhestand) ;D Zum

#5 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Svenja 05.05.2013 11:39

Ich bin inzwischen beim 6. Kapitel angelangt und weiß gar nicht, was ich zuerst schreiben soll. Es passiert so unglaublich viel.

Die Konzentration aufs Wesentliche, die Verdichtung der Geschichte, zieht mich sofort hinein. Kugel ist der Prototyp eines alles-richtig-machen-Wollenden und macht doch so ziemlich alles falsch. Er nimmt die Dinge wie sie kommen, denkt kurz –ansatzweise- nach und verdrängt, was ihn erwarten könnte, wenn er diesen Gedanken zu Ende dächte.

Auch die Zeichnung der wenigen Figuren ist ausdrucksstark und prägnant. Mit wenigen Worten sind sie klar umrissen und bleiben im Gedächtnis. Ebenso ist der Handlungsort Stockton wie geschaffen für einen Neuanfang. Ein kleines Dorf, das es in den USA 16 mal gibt, unbelastet von allen und mit einem besonderen Humor der Einwohner ausgestattet. Und dennoch kann man seiner Vergangenheit nicht entfliehen, man schleppt sie überall mit. Sehr schön wird das auf S. 27 beschrieben, als Kugel auf seinen Dachboden geht und sich dort die Umzugskisten stapeln: „Noch schlimmer war, dass dieses ganze emotionale Horten implizierte, die Vergangenheit sei der Gegenwart vorzuziehen, das Vorangegangene übertreffe jedes Nächste, (…)“. Ein schöner Kontrast zu dem Versuch in einer geschichtlich unbelasteten Stadt einen Neuanfang zu beginnen.
Das Spiel mit Wohlbekanntem ermöglicht es, die kleine Welt Kugels mit den wenigen Worten anschaulich im Kopf entstehen zu lassen. Das Kopfkino wird sofort angeschmissen.

Mutter Kugels Wunsch, den Holocaust mitgemacht und überlebt zu haben, inkarniert sich in Anne Frank, die Solomon Kugel auf dem Dachboden findet. Den größten Albtraum der Menschheit als Wunsch, ihn erlebt zu haben, ist eine raffinierte Persiflage. Auch das Auffinden Anne Franks, das ungläubige Entsetzen, die Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen durch Kugel und das Bestehen Anne Franks, sie sei die wichtigste Überlebende des Holocausts, das sich auf S. 36/37 andeutet: „‘Und was diese Verwandten betrifft, die Sie im Holocaust verloren haben, (…), die können mich mal‘, sagte Anne Frank“, ist einfach grandios.


Man ist sofort bei Kugel. Durch seine Innenansicht lernt man viel über seine Denkweise, und seine Art zu denken, dieses Abwägen, alles in Betracht ziehen, um doch wieder zum ersten Gedanken zurückzukehren, lassen einem manchmal durch die eindringliche Erzählung wenig Raum zum selbst nachdenken.

Ab dem 5. Kapitel wird das, wovor er sein ganzes Leben davongelaufen ist, zu seinem Teil des Lebens: „eine verdammte Holocaust-Überlebende“.

Ich musste oft lachen, über Kugels Gedanken, die einem, verdammt nochmal, bekannt vorkommen :-). Seine einfach gestrickten Versuche, Anne Frank mit Wagner, einem deutschen Schäferhund oder seiner Version eines Gestapo Mannes, sein Hinweis auf das Duschen, loszuwerden, sind einfach drollig und zeigen nur, wie hilflos man ist, wenn einem etwas widerfährt, womit man gar nicht rechnet.

#6 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Cekay 05.05.2013 21:35

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Ich bin inzwischen mit Abschnitt 1 fertig und ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. So viele tolle Passagen und Sätze.
Viele kleine und große Seitenhiebe und die ganze Zeit denk ich " Was wohl los wäre, wenn das kein Jude geschrieben hätte ^^ Ich glaub dann wär das Geschrei groß.

Auf jeden Fall muss ich mir noch ein paar Gedanken machen und schreib morgen weiter zum 1. Abschnitt.

#7 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Svenja 06.05.2013 10:24

Hallo eleasy,

wie siehts bei dir aus? Hast du einen Einstieg in das Buch gefunden?

#8 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von eleasy 06.05.2013 11:41

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Hi Svenja und Cekay,

endlich bin ich auch soweit, meine Eindrücke zu posten.
Bei diesem Buch ist es wirklich so, dass so eine Masse an Gedanken und Eindrücken beim Lesen kommen, dass man gar nicht weiss, womit man anfangen soll.
Auch mein Notizzettel ist voll von Zitaten!

Schon nach den ersten Kapiteln stand für mich fest – dies ist ein sehr außergewöhnliches Buch, das einen echt herausfordert.
Auslander ist sehr provokant und erlaubt sich so einige Tabubrüche in diesem Buch – die Pressestimmen haben das ja schon angedeutet!
Recht schnell lernt man den Protagonisten Solomon Kugel als ziemlich seltsamen Typen kennen, der wirklich sehr skurrile Gedanken hat.
Um die 40 ist er erst, ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn - Jonah. Ihn verfolgt permanent die Angst vor dem Sterben und dem Tod, und daher beschäftigt er sich zB. intensiv damit, die idealen finalen Worte zu finden. Darauf muss man erst mal kommen!
Kein Wunder also, dass er in Therapie ist.
Doch schon bald merkt man, dass sein Therapeut Prof. Jove kein Arzt ist, sondern eher ein Philosoph und Universalgelehrter und die Thesen aus seinem Munde sind einfach unglaublich!
Als Optimist sei seine Hoffnung seine größte Schwäche, versucht dieser Kugel weiszumachen!
Dies ist natürlich aberwitzig, denn wir lernen Kugel ja gerade als einen unglaublichen Pessimisten kennen, der sich das Leben schwer macht.
Sein Credo, das ja sogleich Titel des Buchs darstellt, lautet: „Hoffnung ist die Quelle allen Elends dieser Welt!“
Dies habe ich erst mal auf mich wirken lassen – eigentlich eine irrationale Aussage, finde ich.
Der unglaubliche Prof. Jove geht aber noch weiter und vertritt die gewagte These, dass „Hitler der größte Optimist und deshalb auch der größte Verbrecher war, weil er eben die Welt besser machen wollte!“
Das Ganze gipfelt in der Aussage auf S. 44 „Pessimisten bauen keine Gaskammern!“ – somit eine wirklich nachvollziehbare, schlüssige Theorie des Prof. Jove!
Ich bin schon gespannt auf weitere gewagte Thesen von ihm!

Rausgezogen sind sie die Kugels aufs Land, um einen Neustart zu beginnen – alles hinter sich zu lassen.
Nach Stockton, den Ort der „Nichtgeschichte“ in den USA, in ein altes Farmhaus, das ebenfalls ein „Haus ohne Vergangenheit“ sein soll.
Dies ist schon unglaublich witzig – denn, wie sich später rausstellt, könnte dieses Haus mit der Dachbodenbewohnerin Anne Frank, ja wohl kaum „historisch belasteter“ sein.
Der günstige Preis, den der Vormieter gefordert hatte, erklärt sich nun auch – die Messerschmidts sind scheinbar vor dieser Altlast (Aber hier es ist keine Leiche im Keller!) geflohen!
Kugel kann einem echt leid tun – alles an seinem Neustart entwickelt sich für ihn eher zu einem Albtraum.
Seine Idee, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, ist kläglich gescheitert.
Geldsorgen, seine irre Mutter, die eigentlich schon längst hätte sterben sollen, eine kriselnde Ehe, die Angst vor dem Brandstifter, der nörgelnde Untermieter und dann als Krönung, die leibhaftige Anne Frank auf dem Dachboden, die sich natürlich hartnäckig weigert, zu verschwinden, ehe nicht ihr Manuskript fertig geschrieben ist.
Toll beschrieben, wie Kugel, erst alles nicht wahrhaben will und dann sich alles Mögliche ausdenkt, um seine unerwünschte Untermieterin loszuwerden „Wagner, duschen . . .“.
Sehr witzig auch, wie frech diese sich wehrt, da sie weiß, welche Register sie ziehen kann, wie betroffen Menschen normalerweise auf Holocaust-Opfer reagieren.
Und bei Kugel trifft sie natürlich voll ins Schwarze, da er durch seine Mutter ja vorbelastet ist.

Gut gefallen hat mir auch, wie sich ihre Anwesenheit so subtil in den Alltag und das Bewusstsein der Familie einschleicht – erst dieser unerträgliche Geruch, dann das Tappen und schließlich das penetrante Klopfen am Schacht. Sie kann einfach nicht verdrängt werden und ich bin gespannt, wann auch die anderen dem „Grauen“ gegenüberstehen werden und wie sie reagieren werden.

#9 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von eleasy 06.05.2013 11:48

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Zitat von Cekay im Beitrag #6

Viele kleine und große Seitenhiebe und die ganze Zeit denk ich " Was wohl los wäre, wenn das kein Jude geschrieben hätte ^^ Ich glaub dann wär das Geschrei groß.



Das habe ich mir auch gleich beim Lesen gedacht. Auslander traut sich da was! Und dies hätte wahrscheinlich auch kein anderer als ein Jude sich rausnehmen können.
Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Auslanders provokantes Buch bei gewissen Leuten großes Entsetzen und "Geschrei" ausgelöst hat.
Ich werde nachher mal googlen, wie das Buch in den USA so angekommen ist! Sehr spannend!

#10 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von eleasy 06.05.2013 12:04

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Zitat von Svenja im Beitrag #5
Mutter Kugels Wunsch, den Holocaust mitgemacht und überlebt zu haben, inkarniert sich in Anne Frank, die Solomon Kugel auf dem Dachboden findet. Den größten Albtraum der Menschheit als Wunsch, ihn erlebt zu haben, ist eine raffinierte Persiflage.


Die Geschichte mit Kugels Mutter fand ich auch absolut unglaublich - einerseits witzig, andererseits aber auch bedrückend.
Vom Ehemann verlassen zu werden ist zwar schlimm, aber ein Maximum an Mitleid und Betroffenheit bekommt sie natürlich durch ihre erfundene Opferrolle, in der sie sich richtig gut gefällt.
Was sie ihren Kindern damit angetan hat. Und heftig fand ich, dann zu erfahren, dass dies auch schon ihre Mutter so gemacht hat!
Diese Episoden bespielsweise mit dem Lampenschirm und der Seife . . . und ihre clevere Reaktion auf die vermeintliche Entlarvung ihrer Lügen - das muss man sich erstmal ausdenken.
Mich hat es jedenfalls nicht gewundert, dass Solomon so "verkorkst" geworden ist.
Irgendwann hat er zwar ihre unglaubliche Lebenslüge durchschaut und versucht sich zu distanzieren.
Doch, dass ihm das nicht gelungen ist, sieht man ja schon daran, dass er dieses Gemüsegarten-Spielchen erfunden hat, nur um sie zufrieden und glücklich zu machen.
Zu lustig, diese Art von so offensichtlichem Selbstbetrug!

#11 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Cekay 06.05.2013 19:15

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Zitat von eleasy im Beitrag #8
Doch schon bald merkt man, dass sein Therapeut Prof. Jove kein Arzt ist, sondern eher ein Philosoph und Universalgelehrter und die Thesen aus seinem Munde sind einfach unglaublich!
Als Optimist sei seine Hoffnung seine größte Schwäche, versucht dieser Kugel weiszumachen!
Dies ist natürlich aberwitzig, denn wir lernen Kugel ja gerade als einen unglaublichen Pessimisten kennen, der sich das Leben schwer macht.
Sein Credo, das ja sogleich Titel des Buchs darstellt, lautet: „Hoffnung ist die Quelle allen Elends dieser Welt!“
Dies habe ich erst mal auf mich wirken lassen – eigentlich eine irrationale Aussage, finde ich.
Der unglaubliche Prof. Jove geht aber noch weiter und vertritt die gewagte These, dass „Hitler der größte Optimist und deshalb auch der größte Verbrecher war, weil er eben die Welt besser machen wollte!“
Das Ganze gipfelt in der Aussage auf S. 44 „Pessimisten bauen keine Gaskammern!“ – somit eine wirklich nachvollziehbare, schlüssige Theorie des Prof. Jove!
Ich bin schon gespannt auf weitere gewagte Thesen von ihm!

Professor Jove find ich suspekt. Bei der ersten Szene konnte ich dem Prof. schon nicht zustimmen, aber ich habs als Therapeutgeschwafel abgetan ^^
Bei Hitler wars dann bei mir vorbei ^^ Optimismus und vermeintlich die Welt verbessern sind für mich 2 verschiedene Schuhe.

Zitat von eleasy im Beitrag #8
Toll beschrieben, wie Kugel, erst alles nicht wahrhaben will und dann sich alles Mögliche ausdenkt, um seine unerwünschte Untermieterin loszuwerden „Wagner, duschen . . .“.
Sehr witzig auch, wie frech diese sich wehrt, da sie weiß, welche Register sie ziehen kann, wie betroffen Menschen normalerweise auf Holocaust-Opfer reagieren.
Und bei Kugel trifft sie natürlich voll ins Schwarze, da er durch seine Mutter ja vorbelastet ist.

Diese Gedanken fand ich auch großartig und ich musste mir visualisieren wie ein UPS-Fahrer aussieht und er hat gar nicht sooo unrecht :D
Dieses Mitleiderhaschen find ich grauenhaft und hätte bei mir nicht funktioniert ^^ Das ist eh ein großes Problem. Einen auf "Gib mir Mitleid"-Machen ist eine Sache aber es muss auch immer jemanden einen geben der da mitspielt.
Dafür würd ihm Gegensatz zu Kugel, jemanden auf dem Dachboden vor den Nazis verstecken.

Die Mutter ist ja auch wirklich großartig (beschrieben) und ich frage mich ob seine Mutter während des Buches noch stirbt? Eigentlich ist ja noch viel zu fit dazu. Ich bewunder Kugel für seine Geduld. Nicht nur dass er ihr ewiges "Seit dem Krieg erträgt" sondern ihr auch noch Obst und Gemüse hinlegt.


Zitat von eleasy im Beitrag #9
Zitat von Cekay im Beitrag #6

Viele kleine und große Seitenhiebe und die ganze Zeit denk ich " Was wohl los wäre, wenn das kein Jude geschrieben hätte ^^ Ich glaub dann wär das Geschrei groß.



Das habe ich mir auch gleich beim Lesen gedacht. Auslander traut sich da was! Und dies hätte wahrscheinlich auch kein anderer als ein Jude sich rausnehmen können.
Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Auslanders provokantes Buch bei gewissen Leuten großes Entsetzen und "Geschrei" ausgelöst hat.
Ich werde nachher mal googlen, wie das Buch in den USA so angekommen ist! Sehr spannend!

Eine Pressestimme, die bei Amazon gepostet wurde:
"Das Problem besteht darin, dass Auslander nicht viel mehr zu bieten hat als die Provokation. Der Text ist äußerst redundant und Auslanders Manie, auf jeder Seite noch einen skandalträchtigen Satz draufzusetzen, wirkt im Laufe des Textes nur mehr pubertär.", ORF "Ex Libris", Gerhard Pretting, 29.04.2013

Das kann man natürlich so sehen wenn man will, aber bisher macht mir das Buch Spaß.

Eins meiner Lieblingsstellen, die ich heut im Büro kundtun musste:

Zitat
Eichhörnchen, dachte Kugel, sind Arschlöcher. Dass solche arschigen Geschöpfe körperlich so bezaubernd sein konnten, deutete auf einen schweren Fehler im Schema der Natur hin


Hehe soo wahr *g*

#12 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Cekay 06.05.2013 19:32

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Unglaublich find ich übrigens auch, was der arme Sohn alles schlucken muss^^ Ich würd ja fast sagen, dass er wegen dem ganzen Zeug so kränklich ist.

Zitat
Sie verdächtige ihn schändlicher Gedanken, verschlagener Intrigen, sexueller Perversionen. Sie hielt ihn abwechselnd für einen Muslimen, einen Neger, einen Sizilianer, jedes Mal, wenn sie ihn sah, hielt sie sich mit einer Hand den Blusenkragen zu und zog sich mit der anderen den Rocksaum herunter


Ausgerechnet sie ist dann auch noch rassistisch mit abstrusen Vorurteilen :D

(Das hatte ich noch vergessen, aber es gibt einfach so viel :D)

#13 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Svenja 07.05.2013 11:26

Zitat von Cekay im Beitrag #11
Professor Jove find ich suspekt. Bei der ersten Szene konnte ich dem Prof. schon nicht zustimmen, aber ich habs als Therapeutgeschwafel abgetan ^^
Bei Hitler wars dann bei mir vorbei ^^ Optimismus und vermeintlich die Welt verbessern sind für mich 2 verschiedene Schuhe.


Ich denke eher, Professor Jove existiert nur in Kugels Kopf. Er ist der klar denkene Teil zu dem Dauergrübler Kugel.

Zitat von eleasy im Beitrag #8
Toll beschrieben, wie Kugel, erst alles nicht wahrhaben will und dann sich alles Mögliche ausdenkt, um seine unerwünschte Untermieterin loszuwerden „Wagner, duschen . . .“.
Sehr witzig auch, wie frech diese sich wehrt, da sie weiß, welche Register sie ziehen kann, wie betroffen Menschen normalerweise auf Holocaust-Opfer reagieren.
Und bei Kugel trifft sie natürlich voll ins Schwarze, da er durch seine Mutter ja vorbelastet ist.

Diese Gedanken fand ich auch großartig und ich musste mir visualisieren wie ein UPS-Fahrer aussieht und er hat gar nicht sooo unrecht :D
Dieses Mitleiderhaschen find ich grauenhaft und hätte bei mir nicht funktioniert ^^ Das ist eh ein großes Problem. Einen auf "Gib mir Mitleid"-Machen ist eine Sache aber es muss auch immer jemanden einen geben der da mitspielt.


Hier geht es meiner Meinung nach weniger um Mitleid, denn als um das schlechte Gewissen, dass Kugel nicht so leiden musste wie Anne Frank. Und natürlich ist es ein Machtspiel. Die Macht einer Jüdin, die früher soviel Leid ertragen musste und sich nun rächt. Ihre Annahme, Kugel sei Deutscher, zeigt schon, wie sehr sie dieses Machtspiel genießt.



Zitat von eleasy im Beitrag #9
Zitat von Cekay im Beitrag #6

Viele kleine und große Seitenhiebe und die ganze Zeit denk ich " Was wohl los wäre, wenn das kein Jude geschrieben hätte ^^ Ich glaub dann wär das Geschrei groß.



Das habe ich mir auch gleich beim Lesen gedacht. Auslander traut sich da was! Und dies hätte wahrscheinlich auch kein anderer als ein Jude sich rausnehmen können.
Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Auslanders provokantes Buch bei gewissen Leuten großes Entsetzen und "Geschrei" ausgelöst hat.
Ich werde nachher mal googlen, wie das Buch in den USA so angekommen ist! Sehr spannend!


Ich bin mir nicht sicher, ob der Aufschrei kleiner oder größer wäre, wenn es kein Jude geschrieben hätte. Immerhin haben sich schon einige Nichtjuden an die satirisch-komische Umsetzung dieses Themas gewagt. Angefangen von Charlie Chaplin über Helge Schneider bis hin zu Robert Benignis großartigem Film "Das Leben ist schön". Die ersten beiden haben allseits wohlwollende Kritiken erhalten, aber bei Benignis Film gab es laute Kritik daran, wie man das Leben in einem KL denn so ins Lächerliche ziehen könne.
Da stellt sich die Frage, warum darf man sich über Hitler lustig machen, aber nicht über seine menschenverachtenden Taten? Wobei natürlich der Respekt der Opfer zu wahren ist.

Die meisten von uns reagieren mit einem reflexartigen Protest auf dieses Thema.
Gott sei Dank kann man einem Juden nicht Antisemitismus vorwerfen ;-).

#14 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Cekay 07.05.2013 15:24

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Zitat von Svenja im Beitrag #13
Zitat von Cekay im Beitrag #11
Professor Jove find ich suspekt. Bei der ersten Szene konnte ich dem Prof. schon nicht zustimmen, aber ich habs als Therapeutgeschwafel abgetan ^^
Bei Hitler wars dann bei mir vorbei ^^ Optimismus und vermeintlich die Welt verbessern sind für mich 2 verschiedene Schuhe.


Ich denke eher, Professor Jove existiert nur in Kugels Kopf. Er ist der klar denkene Teil zu dem Dauergrübler Kugel.

Interessante Theorie. Ich hab ihn bisher als realer Person angesehen. Wenn er sich komische Gedanken macht, denkt er sonst immer von sich, ich glaub nicht, dass er sich einen Professor erschaffen muss.

Zitat von Svenja im Beitrag #13
Zitat von Cekay im Beitrag #11
Zitat von eleasy im Beitrag #8
Toll beschrieben, wie Kugel, erst alles nicht wahrhaben will und dann sich alles Mögliche ausdenkt, um seine unerwünschte Untermieterin loszuwerden „Wagner, duschen . . .“.
Sehr witzig auch, wie frech diese sich wehrt, da sie weiß, welche Register sie ziehen kann, wie betroffen Menschen normalerweise auf Holocaust-Opfer reagieren.
Und bei Kugel trifft sie natürlich voll ins Schwarze, da er durch seine Mutter ja vorbelastet ist.


Diese Gedanken fand ich auch großartig und ich musste mir visualisieren wie ein UPS-Fahrer aussieht und er hat gar nicht sooo unrecht :D
Dieses Mitleiderhaschen find ich grauenhaft und hätte bei mir nicht funktioniert ^^ Das ist eh ein großes Problem. Einen auf "Gib mir Mitleid"-Machen ist eine Sache aber es muss auch immer jemanden einen geben der da mitspielt.


Hier geht es meiner Meinung nach weniger um Mitleid, denn als um das schlechte Gewissen, dass Kugel nicht so leiden musste wie Anne Frank. Und natürlich ist es ein Machtspiel. Die Macht einer Jüdin, die früher soviel Leid ertragen musste und sich nun rächt. Ihre Annahme, Kugel sei Deutscher, zeigt schon, wie sehr sie dieses Machtspiel genießt.

Mitleid und schlechtes Gewissen machen ist bei mir auf einer Stufe, aber du hast schon Recht. Das passt besser.

Zitat von Svenja im Beitrag #13
Zitat von eleasy im Beitrag #9
Zitat von Cekay im Beitrag #6

Viele kleine und große Seitenhiebe und die ganze Zeit denk ich " Was wohl los wäre, wenn das kein Jude geschrieben hätte ^^ Ich glaub dann wär das Geschrei groß.



Das habe ich mir auch gleich beim Lesen gedacht. Auslander traut sich da was! Und dies hätte wahrscheinlich auch kein anderer als ein Jude sich rausnehmen können.
Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Auslanders provokantes Buch bei gewissen Leuten großes Entsetzen und "Geschrei" ausgelöst hat.
Ich werde nachher mal googlen, wie das Buch in den USA so angekommen ist! Sehr spannend!


Die meisten von uns reagieren mit einem reflexartigen Protest auf dieses Thema.
Gott sei Dank kann man einem Juden nicht Antisemitismus vorwerfen ;-).

Kann man schon, ob es zutrifft ist dann wieder eine andere Sache :D

#15 RE: 1. Abschnitt Kapitel 1-8 von Svenja 07.05.2013 15:48

Nochmal zu Professor Jove:
Jove heißt übersetzt Jupiter, König der Götter.
Das gehört zwar jetzt schon zum 2. Abschnitt, aber wenn man weiterliest, wird immer deutlicher, dass Jove der Kluge, der Allesüberblickende, das Gewissen Kugels ist. Jove ist für mich der kluge Gegenpart Kugels, der alles, was Kugel in Frage stellt, umkehrt. Das wiederum passt zu Kugels Denkweise.
Aber lassen wir uns überraschen, vielleicht klärt uns das Buch irgendwann auf ;-)

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