#1 Seite 162 - 238 von Adaneth 19.04.2013 15:01

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"Einer für alle, alle für einen"

Auf der Suche nach den Gefangenen

#2 RE: Seite 162 - 238 von eleasy 29.04.2013 21:04

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Unglaublich spannend fand ich diesen Abschnitt mit den vielen authentischen Schilderungen, die aus Zeitzeugenberichten und den Tagebucheinträgen zusammengestellt sind.
Gerade aus ihren Tagebuchaufzeichnungen in der Sippenhaft wird deutlich, dass auch sie enorme Angst vor der Ungewissheit hatte (z.B. ihre Traumschilderung), was mit ihnen geschehen soll.
Sehr geschickt hat sie dann aber mit ihrer „kriegsentscheidenen“ Forschungs-Arbeit einen Weg gefunden, als Einzige wieder frei zu kommen - wohl auch durch den Einsatz des Regierungsrats Opitz.
"Einer für alle, alle für Einen" – das Stauffenbergische Familienmotto ist meiner Meinung nach ungemein passend und umschreibt in wenigen Worten Melittas Verhalten und ihre Einstellung. Nach/Neben der Arbeit hatte die Familie stets oberste Priorität für sie und gerade nach dem gescheiterten Hitlerattentat hat sie alles ihr Mögliche in die Wege geleitet, um die Situation für die Familien erträglich (Besuche, Päckchen) zu machen.

Durch die enormen Belastungen nach ihrer Freilassung durch Arbeit und permanente Sorge um die Familie hat sie sich jedoch immer mehr an den Rand eines körperlichen Zusammenbruchs gebracht.
In diesem Zustand begab sie sich per Flugzeug dann auch verzweifelt auf die Suche nach ihren verlegten Internierten und ignorierte die Gefahr durch alliierte Jagdflieger.
Sehr verworren sind dann die Ereignisse der letzten zwei Tage in Melitta Stauffenbergs Leben und auch die näheren Umstände ihres Tods.
Hierzu liegen einfach zu viele widersprüchliche Aussagen vor um ein schlüssiges Bild zu erhalten.
Offenbar ist sie aber von einem amerikanischen Jagdflieger abgeschossen worden. in welcher Maschine ist unbekannt.
Selbst woran sie letztlich gestorben ist, bleibt im Unklaren – um ihren Tod ranken sich daher viele Legenden und Unwahrheiten, so zB. die eher abwegige Vermutung es sei ein Sabotageakt der SS gewesen.
Wirkliche Dokumente sind nicht mehr auffindbar und wie so oft sind spätere Zeitzeugenbefragungen immer höchst problematisch, da sie nicht objektiv sind.
Bracke hat scheinbar alles Verwertbare zusammengetragen, ausgewertet und uns das Plausibelste präsentiert:
Ein wirklich trauriger Tod einer solch herausragenden Persönlichkeit, und so merkwürdig es auch erscheint, die näheren Umstände ihres Tods bleiben ungeklärt!

#3 RE: Seite 162 - 238 von Adaneth 30.04.2013 16:08

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Zu ihrem Tod gibt es wirklich viel Ungereimtes!

Aber an dieser Stelle bin ich nicht mit Bracke einverstanden. Plausibel ist der Feindabschuss für mich nicht, aber so wie Bracke es schildert wahrscheinlich. Er schreibt auf Seite 234 "... musste derselbe Pilot, der am... Gräfin S .. abgeschossen hatte......" Das kann er nicht beweisen. Und damit zieht er für mich einen Schluss, der nicht zulässig ist.
An eine Sabotageakt glaub ich allerdings auch nicht.

Ich hab mal nachgefragt und mich an die Berichte von Familienangehörigen erinnert. Damals kannte jeder die eigenen und auch die Flugzeuge der Feinde. Schon am Geräusch, das die Flugzeuge machten, konnten die allermeisten die Maschinen unterscheiden. Dass da eine Me 109 mit einer Mustang verwechselt wird, kann ich mir nicht vorstellen und diejenigen, die ich dazu befragt hab auch nicht. Und zwar ganz einfach deshalb, weil es überlebenswichtig war, dass man die auseinander halten konnte.

Bracke macht sich da angreifbar und das finde ich sehr schade.

#4 RE: Seite 162 - 238 von Rebecca 01.05.2013 13:40

Das die gesamte Familie in Sippenhaft genommen wurde finde und fand ich ungeheuerlich. So ähnlich habe ich das auch schon in dem Buch ihrer Schwägerin gelesen die ja mit dem Attentäter verheiratet war.

Nur der Absturz wird sich wohl nie aufklären lassen was da wirklich passiert ist oder ob es vielleicht doch Absicht war.
Jedenfalls ist die Stauffenberg Familie schon was besonderes wenn ich nur an die Cousine denke die damals KZ-Häftlingen essen zugesteckt hat, also die Familie imporniert mir wirklich. Das Buch muss ich auch mal wieder raussuchen und lesen.

Schade ist nur das nicht mehr alle Unterlagen auffindbar zu machen sind. Denn als Person hat mich diese Frau schon fasziniert, nur irgendwie kam ich wirklich mit dem Schreibstil des Autoren nicht klar, aber das soll es ja geben. Jedenfalls habe ich viel neues gelernt und einiges wusste ich auch nicht oder es wurde in der Familie nicht erzählt.

#5 RE: Seite 162 - 238 von eleasy 01.05.2013 15:44

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Zitat von Adaneth im Beitrag #3

Aber an dieser Stelle bin ich nicht mit Bracke einverstanden. Plausibel ist der Feindabschuss für mich nicht, aber so wie Bracke es schildert wahrscheinlich. Er schreibt auf Seite 234 "... musste derselbe Pilot, der am... Gräfin S .. abgeschossen hatte......" Das kann er nicht beweisen. Und damit zieht er für mich einen Schluss, der nicht zulässig ist..

Da hast Du allerdings recht, er kommt zu einer vorschnellen Schlußfolgerung, auch weil sie die Plausibelste ist.
Es gibt aber absolut keine Beweise dafür, und dies sollte man eigentlich auch so formulieren.
Aufgefallen ist mir, dass im Buch gleich zweimal ein Photo der notgelandeten P-51 (eine Mustang) des Piloten N.A. Thomas zu finden ist - dem Piloten, der für den mutmaßlichen Abschuss in Frage kommt. Das ist für mich nun wirklich kein "Beweis" für die aufgestellte Hypothese.

Zitat von Adaneth im Beitrag #3

Ich hab mal nachgefragt und mich an die Berichte von Familienangehörigen erinnert. Damals kannte jeder die eigenen und auch die Flugzeuge der Feinde. Schon am Geräusch, das die Flugzeuge machten, konnten die allermeisten die Maschinen unterscheiden. Dass da eine Me 109 mit einer Mustang verwechselt wird, kann ich mir nicht vorstellen und diejenigen, die ich dazu befragt hab auch nicht. Und zwar ganz einfach deshalb, weil es überlebenswichtig war, dass man die auseinander halten konnte. Bracke macht sich da angreifbar und das finde ich sehr schade.


Mir hat sich letztlich auch die Frage gestellt, warum den vielfältigen Hinweisen, dass es eine Messerschmidt war, also ein deutsches Jagdflugzeug, nicht nachgegangen wurde.
Es hätte ja einfach auch ein versehentlicher Abschuss/Beschuss eines nicht gemeldeten Flugzeugs sein können! Und der Versuch dies zu vertuschen???
Merkwürdig fand ich auch das Verhalten des Bergungstrupps an der Absturzstelle und ihre Krankenhauseinlieferung 2 h nach dem Absturz!
Erfahren werden wir dies alles nun nicht mehr . . .

Was mich noch interessieren würde:
Wie hat Medicus dies alles gedeutet?
Hat er sich der Einschätzung Brackes angeschlossen, dass sie (nur einen Monat vor Kriegsende!) von einem US-Flieger abgeschossen wurde und später starb?

#6 RE: Seite 162 - 238 von eleasy 01.05.2013 16:00

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Zitat von Rebecca im Beitrag #4

Schade ist nur das nicht mehr alle Unterlagen auffindbar zu machen sind.


Das habe ich mir beim Lesen auch mehrfach gedacht. Wieso sind nur noch aus der letzten Zeit ihres Lebens Briefe und Aufzeichnungen zu finden gewesen - es wäre so interessant gewesen, über ihre Einschätzungen zum Regime und ihre Lage zu erfahren.

Zitat
Denn als Person hat mich diese Frau schon fasziniert, nur irgendwie kam ich wirklich mit dem Schreibstil des Autoren nicht klar, aber das soll es ja geben.



Da eben nicht das persönlichen Umfeld Melitta Stauffenbergs im Mittelpunkt stand, war das Buch durch die präsentierten Fakten und vielen eher flugtechnischen Details oft schwierig zu lesen.
Das ging mir auch so.
Dennoch fand ich es spannend, hierüber eine Vorstellung über ihre unglaublichen fliegerischen Fähigkeiten und ihr wissenschaftliches Können zu bekommen - ein Aspekt, der eben eine tragende Rolle in ihrem Leben gespielt hat und den ich noch heute sehr bewundern kann!

#7 RE: Seite 162 - 238 von Adaneth 02.05.2013 13:29

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Hi eleasy

Zitat
Mir hat sich letztlich auch die Frage gestellt, warum den vielfältigen Hinweisen, dass es eine Messerschmidt war, also ein deutsches Jagdflugzeug, nicht nachgegangen wurde.
Es hätte ja einfach auch ein versehentlicher Abschuss/Beschuss eines nicht gemeldeten Flugzeugs sein können! Und der Versuch dies zu vertuschen???




Den Gedanken hatte ich auch. Wer weiß, wer da die Me 109 geflogen ist? Beweisen lässt sich dieser Verdacht wohl genausowenig, wie der Feindabschuss. Aber versuchen hätte mans ja mal können. Oder es zumindest als Möglichkeit erwähnen.
Ich vermute, dass Bracke der Sabotage-Legende die Grundlagen entziehen wollte und deshalb auf die Me 109 nicht weiter eingegangen ist.

Zitat
Wie hat Medicus dies alles gedeutet?
Hat er sich der Einschätzung Brackes angeschlossen, dass sie (nur einen Monat vor Kriegsende!) von einem US-Flieger abgeschossen wurde und später starb?



Die Sabotage hat er auch abgelehnt. Wie er den Feindabschuss sah muss ich nachsehen.

#8 RE: Seite 162 - 238 von Adaneth 02.05.2013 13:36

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Hi Rebecca

Zitat
......nur irgendwie kam ich wirklich mit dem Schreibstil des Autoren nicht klar,



So schlimm fand ich den Schreibstil nicht, aber, da stimme ich dir zu, wenn man von der Technik der Flugzeuge und so kaum Ahnung hat, dann ist das Buch schwer zu lesen. Mich haben diese Kapitel auch ermüdet.
Außerdem neigen deutsche Historiker (im Gegensatz zu den angelsächsichen) dazu einen sehr sachlichen und distanzierten Stil zu bevorzugen. In dem Sinne ist Bracke, im Gegensatz zu anderen, richtig gut zu lesen.

Zitat
Das Buch muss ich auch mal wieder raussuchen und lesen.


Welches Buch meinst du?

#9 RE: Seite 162 - 238 von Rebecca 02.05.2013 15:25

Zitat von Adaneth im Beitrag #8
Hi Rebecca


Zitat
Das Buch muss ich auch mal wieder raussuchen und lesen.

Welches Buch meinst du?



Das von der Cousine heißt "Nacht über dem Tal" von Wendelgard von Staden.

Dies ist eine Cousine von den Stauffenbergs in welchem Grad keine Ahnung, jedenfalls hat er da immer im Gasthaus meiner Urgroßeltern übernachtet wenn er die Familie besucht hat. Daher interessiere ich mich auch für die Stauffenbergs da meine Oma immer erzählt hat wie er auf der Durchreise halt machte auch noch kurz bevor er dann das Attentat begangen hatte.

Viele Grüße
Rebeca

#10 RE: Seite 162 - 238 von Adaneth 02.05.2013 16:22

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Hi Rebecca

Jetzt verstehe ich auch, weshalb du so enttäuscht warst, dass so wenig Privates über die Stauffenbergs in dem Buch steht. :-)


LG Adaneth

#11 RE: Seite 162 - 238 von Adaneth 02.05.2013 16:32

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Hi eleasy

Ich hab bei Medicus nachgeschaut:
Er widmet ihrem Tod ca eine Buchseite und für ihn ist der Feindabschuss ein Tatbestand, den er nicht in Zweifel zieht. Allerdings auch jeglichen Beweis dafür schuldig bleibt.
Die ganzen Aussagen der Zeitzeugen, die Bracke zitiert, findet man bei ihm überhaupt nicht und auch keinen Hinweis auf ein deutsches Flugzeug.

Auch wenn sich Bracke in seinem Buch festlegt - immerhin kann man sich eine eigene Meinung anhand der Dokumente bilden. Bei Medicus ist der Feindabschuss eine unumstößliche Tatsache. Das macht ihn mir noch unsympathischer.

#12 RE: Seite 162 - 238 von eleasy 02.05.2013 18:59

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Hi Adaneth,

vielen Dank fürs Nachschauen!
Das hätte man sich ja irgendwie fast denken können, dass er bei dieser Sache keine eigenen Recherchen angestellt hat, sondern Brackes Fazit übernommen hat!

Zitat
Er widmet ihrem Tod ca eine Buchseite und für ihn ist der Feindabschuss ein Tatbestand, den er nicht in Zweifel zieht. Allerdings auch jeglichen Beweis dafür schuldig bleibt.


Habe ich das richtig verstanden, dass er die Quelle für diese Aussage nicht einmal zitiert hat?

Da fällt mir noch etwas anders ein:
In einer Nebenbemerkung wurde erwähnt, dass sich Melitta möglicherweise mit ihrem Mann in die Schweiz absetzen wollte.
Gibt es hierzu eigentlich Konkreteres? Stammt die Vermutung aus einer anderen Biographie?

#13 RE: Seite 162 - 238 von Adaneth 02.05.2013 20:55

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Hi eleasy

Zitat

Habe ich das richtig verstanden, dass er die Quelle für diese Aussage nicht einmal zitiert hat?


Genau - ich hab extra nachgesehen ob es eine Fußnote gibt für den Anhang; aber nix niente. So isser halt der Herr Medicus. Und wenn ich ehrlich sein soll, wundert mich das shcon, dass er da Bracke einfach übernimmt und keine Breitseite gegen ihn abschießt; das versäumt er doch sonst nicht, weil es sein Ziel ist Bracke Unkorrektheiten nachzuweisen.

Zitat
In einer Nebenbemerkung wurde erwähnt, dass sich Melitta möglicherweise mit ihrem Mann in die Schweiz absetzen wollte.
Gibt es hierzu eigentlich Konkreteres? Stammt die Vermutung aus einer anderen Biographie?



Also, ich denke, dass das so ein Gerücht ist, das aus der Zeit stammt und nicht beweisbar ist. Und ich kanns mir auch nicht vorstellen. Wie hätte sie alleine ihn aus einem KZ rausholen sollen; und die anderen Häftlinge dadurch noch mehr in Gefahr zu bringen war sicher nicht das was zu ihr passt. Ihr Tod erscheint so sinnlos, da wünscht man sich einen Sinn und eine misslungene Flucht erscheint da genauso plausibel wie ein Sabotageakt durch das Regime.

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