#1 Beta (Ananda-Serie 01) - Rachel Cohn von Ati 06.03.2013 16:06

Der dystopisch angehauchten Jugendroman Beta von Rachel Cohn ist der Auftakt der Ananda-Serie. Wie viele Bücher es genau werden, weiß ich derzeit noch nicht, allerdings habe ich irgendwo etwas von vier Büchern gelesen. Die 1968 in Maryland geborene Rachel Cohn verfasst normalerweise zusammen mit David Levithan warmherzige Erzählungen für Jugendliche und wurde diesbezüglich etwa für Nick & Norah - Soundtrack einer Nacht für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Mit der 2012 erschienenen Originalausgabe von Beta geht sie also in eine ganz andere Richtung.

Ananda kannte ich bisher aus dem Sanskrit. Es bedeutet übersetzt etwa die Abwesenheit von Unglück. Im Umkehrschluss also Glück. Das lässt mich für Elysia hoffen. Die kommt nämlich als Teenager-Klon zur Welt, noch dazu in einer Beta-Ausführung. Glück ist also nicht unbedingt für sie vorherbestimmt. Dennoch geht es ihr anfangs auch nicht schlecht. Kurz nach ihrer Geburt wird sie, obwohl sie eine ungetestete Beta-Version ist, verkauft. Sie muss in einer traumhaften paradiesisch-perfekten Inselkulisse zwar nicht im eigentlichen Sinn arbeiten, aber als Gesellschafterin ihrer Mutter und Gespielin ihrer Geschwister dienen und gefallen.

Dass die Realität anders aussieht, merken neben Elysia auch Cohns LeserInnen schnell. Bereits der erste Satz (auf den ich normalerweise wenig gebe) - Sie will mich kaufen - zog mich in seinen Bann. Und die Autorin schaffte es durch das ganze Buch hindurch, meine dadurch erwachte Neugier aufrecht zu halten. Mit ihrem Verkauf steht Elysia über den niederen Dienstboten-, Handwerker- oder sonstigen Arbeiterklonen. Dennoch ist sie weit weniger wert als ein Mensch.

Das Ganze spielt in der Zukunft auf der Erde, die allerdings trotz einiger Ähnlichkeiten ein wenig verändert ist. Eine große Flut und Wasserkriege haben ihr Antlitz verwandelt, die Technik ist (man sieht es bereits an den Klonen) weit fortgeschritten. Die Menschen sind teils genetisch optimiert und haben Cyborg-Eigenschaften - einen Relay-Screen unter der Haut des Unterarms, der telekommunikativen Zwecken dient und Smartphones, Tablets und Konsorten ersetzt. Da die Klone sehr menschlich wirken, werden sie durch Tätowierungen an der Schläfe und fuchsiafarbene Augen gekennzeichnet, darüber hinaus wird ihnen ein Ortungs- und Datenchip eingepflanzt.

Das Cover (das von cbt zeigt ein anderes Gesicht als das amerikanische Original, ist ansonsten jedoch gleich) passt also sehr gut, deutet es doch in seiner sanft wirkenden Ausführung auf die durch Manipulation entstandenen paradiesisch-schönen Eindrücke hin, die einem im Buch erwarten, und lässt durch den direkten Blick doch anklingen, dass Elysia nicht so seelenlos ist, wie sie sein soll.

Demesne, der Haupthandlungsort im ersten Band der Ananda-Serie, ist eine Insel. Die Luft wird mit speziellen Filtern gereinigt, das Meer darum herum ist verändert und wirkt wie ein Jungbrunnen. Sogar Haie sind so modifiziert, dass man sie als Streicheltiere benutzen kann. Auch die dort lebenden Menschen sind auf den ersten Blick perfekt, immerhin sorgt das Meerwasser dafür, dass sich Alterserscheinungen oder Folgen von Fehlernährung etwas abmildern lassen. Immenser Reichtum hat dieses Inselparadies geschaffen. Es gibt noch ein paar kleinere Atolle um Demesne, bevor die raue Wirklichkeit in Form eines unberechenbaren Meeres beginnt. Doch sieht man von kleineren Abstechern auf besagte Atolle ab, wird die übrige Welt außerhalb Demesnes in Beta nur erwähnt.

Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass das Paradies zu existieren aufhört, wenn Menschen es betreten. Und das wird in Beta vollumfänglich bestätigt. Die Menschen, die nach Demesne kommen, sind reich. Alle anderen haben dort eigentlich nichts zu suchen. Die wenigen menschlichen Diener, die anfangs in das Ferienparadies mitgebracht wurden, erlagen bald der perfekten Schönheit der Insel. Das daraus entstehende Dolce-far-niente-Verlangen war den reichen Grundstücksbesitzern ein Dorn im Auge, weshalb sie auf die Erschaffung und den Erwerb von Klonen auswichen. Mit diesen können sie nach eigenem Gutdünken verfahren und sie straffrei töten, wenn es ihnen in den Sinn kommt. Defekte Klone müssen auf eine Krankenstation, wo sie vor ihrer Eliminierung noch maßlos gequält werden. Ein Defekt wäre etwa eine eigene Meinung, Aufbegehren. Das weiß Elysia allerdings noch nicht, als sie gleich eingangs ein erschreckendes Erlebnis auf der Krankenstation hat, die unmittelbar neben ihrer Geburtsabteilung liegt.

Das Paradies hat also einen hohen Preis. Unwillkürlich kommt die bedrückende Frage auf, wo das menschliche Grundmaterial für die Klone herkommt. Ob alle Verstorbenen eines natürlichen oder eines überraschenden Unfalltodes gestorben sind. Oder ob Menschen gezielt ausgesucht und ausgeschaltet wurden, weil sie vielleicht gut aussahen, jemandem im Weg waren oder als Andersdenkende gefährlich werden konnten. Oder weil sie arm sind. Manche verkaufen ihre Körper nämlich auch, damit das Überleben ihrer Familie gesichert ist.

Vordergründig geht es um das Erkennen Elysias. Dass Fehler und Schwächen von Klonen anders bewertet werden, als bei Menschen. Dass wenn zwei das Gleiche tun, es noch lange nicht dasselbe ist. Dass ständig ein tödliches Damoklesschwert über den Klonen schwebt. Aber auch, dass andere Klone und sogar Menschen an dem auf der Insel vorherrschenden Prinzip zweifeln und dagegen ankämpfen. Ausgelöst wird dies durch Erinnerungen ihrer First - also des Teenagers, der zuvor im Grunde genommen sterben musste, damit sie einen Körper hat. Etwas was es gar nicht geben dürfte also, denn Erinnerungen sind genauso wie Gefühle unmöglich. Ein Klon hat ohne nachzudenken oder zu werten das zu tun, was von ihm verlangt wird und sonst nichts.

Genau wie in Spielbergs AI - Künstliche Intelligenz aus dem Jahr 2001 wird die Geschichte aus der Sicht des Klons erzählt. Das geschieht jedoch nicht melodramatisch verkitscht. Im Buch kommt Elysia selbst zu Wort. Und so erfahren Cohns LeserInnen quasi aus erster Hand, was schief laufen kann und welche emotionalen Folgen es für einen Klon hat, der erkennt, dass er ganz offensichtlich defekt ist und trotzdem überleben möchte. Und damit noch nicht einmal alleine ist.

Die Autorin gestaltet die noch unproblematische Zeit nach Elysias Geburtinteressant und humorvoll. Das Entdecken der Insel genauso wie das Ausbauen der auf ihrem Chip vorprogrammierten aber sehr beschränkten Wissensdatenbank. Schnörkellos geht die Autorin darauf ein, dass ein Klon keine Gefühle haben darf, seinem Besitzer gegenüber jedoch solche durchaus durch Gestik, Mimik und Worte auszudrücken lernen muss. Eine klitzekleine Schwäche gibt es dabei. Der war in diversen Szenen eingangs enthalten. Da ihre Wissensdatenbank zu diesem Zeitpunkt quasi nur Grundlegendes beinhaltet hat, wirkten manche ihrer Ansichten nicht unbedingt falsch, aber auch nicht ganz richtig und irgendwie vorgegriffen. Das lässt sich nicht allein mit Elysias Andersartigkeit erklären. Und auch später gemachte Ausführungen zu hormonellen Veränderungen und ihren Folgen wirken nicht durchweg schlüssig. Allerdings hilft der leicht lesbare Schreibstil über diese kleinen Schwächen hinweg. Auch die kurz gehaltenen Kapitel sorgten dafür, dass ich förmlich durch die Seiten flog.

Nicht alle Charaktere, die mir darin begegneten, waren liebenswert. Eigentlich sympathische Figuren wurden plötzlich unberechenbar. Durch Elysia lernte ich kaltherzige und scheinbar allmächtige Herrenmenschen und verzweifelte, macht- aber nicht zwingend mutlose Klone kennen. Unerbittliche Eltern, aber auch solche, die alles für ihr Kind tun wollten und sich dafür sogar selbst betrogen. Jugendliche, die der perfekten Langeweile auf Demesne entkommen wollten. Kinder, die in ihrer Gefühlswelt keinen Unterschied zwischen Klonen und Menschen machten. Figuren also, die menschlich-authentisch wirken und mit real anmutenden Problemen kämpfen. Egoismus, Ehebruch, Missbrauch, Drogenkonsum, Notwehr und Mord, unerwiderte Gefühle, schmerzhafte Verluste und scheinbar aussichtsloser Widerstand sind nur einige davon. Dennoch spielt Gewalt, obwohl sie latent in allerlei Variationen durchschimmert, eine untergeordnete Rolle in Cohns Roman. Elysia, die anfangs in ihrer Lernphase noch zerbrechlich und naiv wirkt, lernt schnell dazu. Und noch bevor der erste Band zu Ende ist, trifft sie aus Verzweiflung eine Entscheidung, die sie in Lebensgefahr bringt.

Fazit:

Beta
als Figur und als Roman ist nicht vollkommen perfekt. Manchmal agieren die Figuren nicht ganz nachvollziehbar, manches war vorhersehbar. Die überraschende Wende am Schluss erschwert aber die Wartezeit auf den Folgeband. Insgesamt hebt sich Cohns Auftaktband für mich eindeutig aus der Masse sonstiger Dystopien heraus. Ähnlich wie Sara Grant in ihrem Roman Neva lenkt Cohn den Blick auf kritische Probleme einer respektlosen Gesellschaft, die in ihrem Egoismus die Achtung vor Individuellem verloren hat. Ihr Roman wühlt auf, mehr als andere futuristische Dystopien, und macht nachdenklich. Dabei kommen überraschende Wendungen und auch ein dezenter Humor (der durch Elysias unschuldiges Nichtwissen entsteht) nicht zu kurz. Der Roman wird nicht durch eine reißerische, absolut entmutigende oder temporeiche Handlung getragen. Er erschüttert vielmehr durch beängstigende Andeutungen und fesselt durch eine dichte Atmosphäre. Nicht nur das jugendliche Zielpublikum, sondern auch deutlich ältere LeserInnen wie mich. Trotz kleinerer Schwächen möchte ich deshalb die volle Punktzahl dafür vergeben.

Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

Originaltitel: Ananda Series 1- Beta
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernadette Ott
cbt
ISBN-13: 9783570161647
ISBN-10: 3570161641
Jugendbuch Fantasy/Dystopie (ab 13 Jahren)
1. Auflage 02/2013
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 416 Seiten

#2 RE: Beta (Ananda-Serie 01) - Rachel Cohn von Gronik 11.03.2013 10:07

Demesme ist ein Paradies. Die Insel wurde als Lebensraum für die Superreichen geschaffen und es wurde an alle Annehmlichkeiten gedacht. Wasser und Luft wurden so verändert, dass man sich einfach nur wohlfühlen kann. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die als Dienstboten angestellten Menschen auch nach kurzer Zeit nur noch ihrem Vergnügen nachgehen und nicht mehr arbeiten wollten. Als Lösung für dieses Problem erschuf man Klone, die genauso aussehen wie Menschen, das ästhetische Empfinden auf der Insel nicht stören und ohne Gefühle und Wünsche ihre Arbeit erledigen.

Elysia ist ein besonderer Klon, die Beta-Version eines Teenager-Klons. Im Gegensatz zu den Dienst-Klonen soll sie nur ihrer Familie Freude machen und wie ein Familienmitglied mit ihnen leben - möglichst ohne die lästigen Eigenschaften, die echten Teenagern so zu eigen sind.

Doch kurz nachdem sie von ihrer Familie gekauft wurde, stellt Elysia fest, dass sie Empfindungen und Gefühle hat, die sie als Klon nicht haben dürfte. Mehr noch, sie scheint sich sogar an Dinge aus dem Leben ihrer "First", des Menschen, nach dem sie geklont wurde, zu erinnern. Aus Angst vor einer Entdeckung und der drohenden "Abschaltung" erzählt sie niemandem von diesen verwirrenden Eindrücken - bis sie sich eines Tages verliebt!

Die Geschichte klang spannend und fing auch ganz interessant an. Im Laufe der Handlung wirkte die Story dann aber leider immer unausgereifter. Die ganze Klon-Idee und die Welt, in der die Geschichte spielt, bleiben irgendwie blass und wenig greifbar.

Auch Elysia als Hauptfigur konnte mich nicht wirklich mitreißen, die langsame Entdeckung ihrer Gefühle wird zwar geschildert, aber als Leser blieb ich ziemlich unbeeindruckt davon.
Die Handlung plätschert dann lange Zeit so vor sich hin, bis auf einmal ein weiterer Charakter eingeführt wird - leider bin ich ab da dann emotional überhaupt nicht mehr mitgekommen, die Figuren haben mich kein bisschen berührt.

Gegen Ende überschlagen sich dann die Ereignisse, eine weitere Figur kommt hinzu, deren Auftauchen aber schon eine ganze Weile vorher absehbar war und nun wird noch einmal eine andere Richtung eingeschlagen, auch diese für mich nicht so recht nachvollziehbar. Mir fehlte hier irgendwie das Konzept bei diesen ganzen Wendungen.

Zum Schluss endet das Ganze dann auch noch mit einem unerwarteten Cliffhanger, der mich das Buch doch ein wenig entnervt zuklappen ließ.

Fazit: nette Geschichte, interessanter Ansatz, aber in der Umsetzung für mich leider nicht überzeugend!

#3 RE: Beta (Ananda-Serie 01) - Rachel Cohn von Riinaa 12.03.2013 19:53

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Elysia ist eine weibliche Beta, eine Testversion eines geklonten Teenagers, geschaffen um den Reichen und Schönen der Insel Demesne zu gefallen und ihnen zu dienen. Den Dienstbereich legen die Besitzer, durch ein Tattoo auf der Schläfe des Klones fest. Allerdings ist das nicht der einzige Unterschied, der sie von den restlichen Menschen abgrenzt. Da wären zum Beispiel die fuchsiafarbenen Augen, die jeder Klon besitzt. Desweiteren haben sie keine Seele und keinen eigenen Willen, sondern einen Chip, der ihnen sagt, was sie wissen und sagen müssen.
Und so dauert es nicht lange, bis Elysia von einer Familie gekauft wird. Fortan soll sie als Ersatz für deren Tochter Astrid, die inzwischen auf der Uni ist, als Spielgefährtin für die Geschwister und zur Unterhaltung der Mutter fungieren. Soweit scheint alles ganz einfach… Doch Elysia muss bald darauf feststellen, dass die heile Welt, die die Bewohner Demesne vorzuspielen versuchen, ganz und gar nicht so perfekt ist. Der Frieden wird von Klonen gestört, die Gefühle und eine eigene Meinung haben. Und auch bei ihr scheint es anders zu sein. Von Zeit zu Zeit holen sie Erinnerungen aus dem Leben ihrer First ein. Darüber hinaus kann sie schmecken und ihre eigenen Gefühle entwickeln. Ist sie etwa auch defekt? Dies würde ihren sicheren Tod bedeuten. Den das oberste Ziel für Klone lautet: Mach deine Besitzer glücklich…

Meine Meinung

Vom ersten Moment taucht man in Elysias Leben ein. In das Leben einer künstlich erschaffenen Person, die nur zu dem Zweck geschaffen wurde, um zu dienen und zu gehorchen. Zu Beginn erhält man als Leser einen kurzen Rückblick in die Zeit nach Elysias „Erschaffung“ und die Schulung, der anfangs komplett „leeren“ Klone. Man erfährt dabei auch einige Details über die herrschende Weltordnung und ihrer Entstehung: Nach den Water Wars schlossen sich sämtliche Länder des Kontinents zum Mainland zusammen. Die heutige vorherrschenden Welt hat sich dramatisch verändert. Die "Alten Städte" sind überflutet, als Ersatz wurden, dank Bioengeneering, neue gigantische Städte in den früheren Wüsten aufgebaut. Mitten in der Südsee, tausende Meilen von der Küste des Mainland entfernt entstand auf einer kleinen Insel eine neuen Archipels, Demesne. Demesne ist das Zuhause der Reichen und Schönen, aufgebaut nach deren Wünschen und Vorstellungen des Paradieses, umgeben vom künstlich erschaffenen Meer von Ion, das mit seinen blauvioletten Wellen entspannt. Wer darin schwimmt, verwandelt sich in ein besseres Wesen. Und auch die Luft ist etwas ganz Besonders, da sie mit zusätzlichem Sauerstoff angereichert wurde. Der ultrareichen Bevölkerung fehlt es an nichts. Viele Klone stehen zu Verfügung… Das Leben ist PERFEKT!!
Eigentlich eine ganze Menge die man erfährt, jedoch bleiben hierbei noch viele Fragen offen, die bis zum Buchende nicht vollständig zufriedenstellend beantwortet werden. Ich weiß nicht mir haben allgemein ein bisschen die Hintergrundinformationen gefehlt. Es ist wird ganz kurz angedeutet dass es in der nahen Vergangenheit Krieg gab, aber warum dieser stattfand, verrät die Autorin nicht. Meine Vermutung ist, dass sie sich hier wahrscheinlich Material für die Fortsetzung lässt.

Der Schreibstil von Rachel Cohn ist gut und flüssig zu lesen, was einem den Einstieg in das Buch erleichtert. Außerdem scheint die Autorin sehr viel Wert darauf zu legen, dem Leser die Umgebung nahe bringen zu wollen, denn an Beschreibungen fehlt es in dem Buch wirklich nicht. Genau genommen besteht das erste Buchdrittel fast vollkommen davon. Erst ab Buchmitte nimmt der Spannungsbogen stetig zu, bis man am Schluss fast nur noch mit fiebert. Passend dafür wurde die Ich-Perspektive gewählt. Wir bekommen die Geschichte ausschließlich aus Elysias Blickwinkel zu sehen. Man begleitet sich vom Tag ihrer Erschaffung, erlebt mit ihr Abenteuer, verfolgt ihr Handeln und erlebt ihre Gedanken und Gefühle hautnah mit.

Auf den ersten Blick erscheint dieses „Demesne“ absolut perfekt, ja geradezu makellos, um dessen Besuch sich die Leute nur so reißen. Dauerhafte Gäste oder auch Jugendliche gibt es allerdings nur wenige. Das ist auch der Grund warum Elysia von der Frau des Governors gekauft wird. Sie dient als „Kindersatz bzw. Ersatzschwester“, wodurch sie sich in ihrer neuen Familie auch erst wohl fühlt. Sie spielt mit der kleinen Tochter und trainiert mit dem großen Bruder. Außerdem entdeckt sich schnell das Element Wasser für sich, was alle vermuten lässt, dass ihre First eine Schwimmerin war. Doch im es wartet noch eine andere Überraschung auf sie: Immer wenn unter Wasser ist, sieht sie diesen jungen Mann, der zu ihr spricht. Dieses Erlebnis weckt in ihr ungeahnte Gefühle.
Elysia macht während der Geschichte eine große Entwicklung durch. Zu Beginn ist sie der „intakte“ Klon, der uns zeigt, wie ein in so einem Wesen aussieht. Eigene Bedürfnisse kommen nicht infrage. Auch im Umgang mit Menschen merkt man, dass Elysia noch eine Beta-Version ist. Ihr Verhalten ist sehr zurückhaltet und distanziert, da ihr alles fremd vorkommt. Diese Unsicherheit zeigt sich aus, als sich nach und nach herausstellt, dass sie ein eigenständiges Wesen ist, dass sehr wohl über Gefühle und eine eigenen Meinung verfügt. Aber meiner Meinung nach auch verständlich. Wer wäre nicht verwirrt, vor allem wenn man bedenkt, dass sie vorher schon einiges über defekte Klone und dessen Eliminierung gehört hat. Ich kann total nachvollziehen, dass sie da ihre Entdeckung erst einmal für sich behält.

Insgesamt hat mir Elysia, außer in der ein oder anderen Handlung, in der ich ihr Verhalten nicht ganz so nachvollziehen konnte, doch sehr gut gefallen. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass man natürlich hauptsächlich ihre Sicht der Geschichte erfährt. Andere Charaktere sind weit weniger tiefgründig als sie, sodass als Leser nicht ganz das Gefühl für die Empfindungen usw. bekommt.

Kleiner Minuspunkt: Das Ende
Hier war ich für einen kurzen Moment echt richtig sauer auf die Autorin. So einen miesen Cliff-Hanger, und dann noch so ein unerwarteter, an die Stelle zu schmuggeln… Richtig gemein. Ich hasse es wirklich über alles, wenn Bücher dann enden wenn’s noch einaml spannend wird. Jetzt bin ich natürlich total neugierig wie es mit Elysia weitergeht. Ich freue mich also riesig auf die Fortsetzung :)

Mein Fazit

Ich bin im Moment der totale Dystopie-Fan, weshalb Beta für mich ein absoluter Must-Read war. Und ich wurde nicht enttäuscht. Mit dem Leben in Demesne hat Rachel Cohn eine rosarote Welt geschaffen, die auf den ersten Blick makellos erscheint. Doch nimmt der Leser seine rosarote Brille ab und schaut hinter die Kulissen sieht es ganz anders aus. Es wird viel Wert auf die unterschiedlichsten Gefühle und Emotionen, wie die emotionslose Art, die alle seelenlosen Klone mit sich tragen innehaben gelegt. An manchen Stellen haben sich die Beschreibungen jedoch etwas langgezogen und Beta kam mir eher wie eine lange Einführung in die eigentliche Geschichte vor. Im Gesamten gesehen war ich jedoch von der Spannung gepackt und mit großer Begeisterung Elysias Entwicklung verfolgt. Im Verlauf der Geschichte fielen mir mehrmals kleinere Logikfehler auf, die ich aber nicht als weiter störend empfand.

#4 RE: Beta (Ananda-Serie 01) - Rachel Cohn von Chianti 17.03.2013 18:16

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Rezension:
Elysia ist 16 Jahre alt, doch sie lebt erst seit wenigen Wochen. Denn sie wurde geklont. Nun hat ihr Leben ein einziges Ziel: Sie soll einer Familie auf Demesne, einer paradiesischen Insel dienen. Doch Elysia entdeckt bald, dass sie nicht so ist wie die anderen Klone, sondern dass sie Geschmack hat und sogar fühlen kann.

"Beta" wird aus Elyias Ich-Perspektive erzählt. Sie ist eine Teen-Beta, eine Form von Klonen, die noch nicht völlig ausgereift ist. Elyisa lebt auf der Insel Demesne, auf der viele reiche Familien leben, um dort Entspannung oder Ataraxia zu finden. Zuerst ist Elysia das liebe und gute Mädchen, das sie sein soll, aber nach und nach entdeckt sie ihre Gefühle und fängt an sich gegen die Welt in der die Klone wie Sklaven gehalten werden aufzulehnen. Diese Entwicklung hat mir wirklich sehr gut gefallen.

Mit dem Schreibstil konnte ich nicht wirklich warm werden. Wenn eine Geschichte aus einer Ich-Perspektive erzählt wird, dann kann man normalerweise davon ausgehen, dass man die Protagonistin besser versteht, weil man ja die Gefühle und Gedanken kennt. Bei "Beta" kam dieses Verstehen für mich nicht auf. Elysia kam mir immer sehr kalt und unnahbar rüber, obwohl sie ja eigentlich der Klon ist, der fühlen kann.

Die Autorin hat zwar die Insel und ihre Welt sehr gut beschrieben, aber die Personen waren mir zu farblos. Man lernt mit Elysia viele Nebencharaktere wie ihren "Bruder" Ivan und dessen Freunde Farzad, Demezia, Greer und Tahir kennen. Diese sind zwar alle sehr unterschiedlich, aber sie haben keine große Rolle im Buch eingenommen und dementsprechend wenig Raum gehabt um sie besser kennen zu lernen.
Der einzige Charakter auf den ein wenig näher eingegangen wurde war Tahir, der nach einem schweren Unfall erstmals wieder auf der Insel ist und zu dem Elysia sich hingezogen fühlt.

In "Beta" hat mir ein wenig die Spannung gefehlt. Es kamen zwar immer mal wieder spannende Szenen, wo man von der Handlung überrascht war oder auch mal mitgefiebert hat, aber diese Szenen waren mit eindeutig zu selten. Die meiste Zeit ist die Geschichte leicht dahingeplätschert, was ich wirklich schade fand, da die eigentliche Handlung sehr interessant war, nur an der Umsetzung hat es ein wenig gehabert.

Fazit:
"Beta" ist ein sehr interessanter Auftakt! Nach vielen Umweltkatastrophen wie das Abschmelzen der Polkappen gibt es die alte Welt nicht mehr und die Menschen haben sich neue Lebensräume geschaffen. Um dort wirklich entspannen zu können, nutzen sie ihren Reichtum um Klone zu schaffen, die für sie arbeiten sollen. "Beta" behandelt aktuelle Themen wie den Klimawandel und das Klonen was mir sehr gut gefallen hat. Die Umsetzung fand ich allerdings weniger gut, da mir die Charaktere zu flach waren und die Handlung mich nicht wirklich fesseln konnte.

#5 RE: Beta (Ananda-Serie 01) - Rachel Cohn von Jacquy 18.03.2013 17:16

Inhalt:
Die Insel Demesne ist ein Paradies. Nur die reichsten der reichsten leben dort und damit keiner von ihnen arbeiten muss, erledigen Klone die Arbeit. Klone haben keine Gefühle und keine Wünsche; sie existieren nur um zu dienen.
Elysia ist eine Teen-Beta. Sie gehört zu den ersten geklonten Teenagern und ist noch in der Testphase. Sie scheint perfekt zu sein und ihre Besitzer, die sie zur Unterhaltung gekauft haben, sind überglücklich mit ihr. Doch dann stellt Elysia fest, dass sie sehr wohl Gefühle und Wünsche hat: Sie möchte frei sein.

Meinung:
Elysias Aufgabe ist es, die Kinder der Familie zu unterhalten und die Tochter auf dem College zu „ersetzen“. Obwohl sie jede Menge Zeit mit ihnen verbringt und mit dem Sohn der Familie hart trainiert, damit er zum Militär kann, merkt niemand von ihnen, dass sie anders ist; dass sie „defekt“ ist. Klone, die entgegen der Planung Gefühle haben, gelten als defekt und werden sofort ausgeschaltet. Nach und nach hat Elysia immer mehr das Bedürfnis, eine eigenständige Person zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen und ihr eigenes Leben zu leben. Doch wie soll das gehen? Erfährt jemand davon, wird sie sofort getötet.

In den ersten 200 Seiten des Buches geschieht relativ wenig. Größtenteils wird der Alltag Elysias geschildert. Obwohl das nicht uninteressant ist, kommt erst nach etwa der Hälfte des Buches langsam Schwung in die Geschichte, auch wenn sie zu nahezu keinem Zeitpunkt wirklich spannend war.

Elysia ist charakterlich anfangs „perfekt“. Sie ist höflich und handelt nur so, wie es in den Situationen angemessen ist. Mit der Entdeckung ihrer Gefühle verändert sie sich immer mehr. Äußerlich ist sie weiterhin unauffällig, freundlich und zuvorkommend, aber in Wirklichkeit denkt sie über Dinge nach, an die sie, nach Sicht der Menschen, keinesfalls denken sollte.
Auch ihr Verhalten wird dadurch beeinflusst. Als Leser ist man es gewöhnt, schon zu erwarten, was Elysia als nächstes tun wird, da sie nur so handelt, wie es ihr einprogrammiert wurde. Später ändert sich das, wodurch das Buch abwechslungsreicher wird.

Trotz der „fehlenden“ Spannung, hat mir das Buch gut gefallen. Obwohl bspw. Klone in der heutigen Zeit ziemlich undenkbar sind, fiel es mir nicht schwer, mich in die Geschichte hineinzuversetzen. Der Schreibstil ist relativ schlicht und lässt sich leicht lesen, wodurch die Seiten nur so dahinfliegen.

Ich hatte die ganze Zeit über Probleme, mir die Klone vorzustellen, wie Menschen. Dauernd hatte ich solche roboterähnlichen Wesen im Kopf. Das Einzige was die Klone äußerlich von den Menschen unterscheidet sind (wie schon auf dem Cover zu sehen) die fuchsiaroten Augen und die Tattoos. Jeder Klon hat ein Tattoo einer Schwertlilie an einer Schläfe und das einer anderen Blume – je nach Tätigkeit – an der anderen Schläfe. So kann man die Klone leicht von den Menschen unterscheiden.
Die Klone werden erschaffen, indem die Körper von gerade gestorbenen Menschen „nachgebaut“ werden, die Seele geht dabei aber verloren, weshalb die Klone keine Gefühle haben.

Fazit:
Eine Geschichte, die zwar nicht spannend ist, bei der diese Spannung aber auch nicht wirklich fehlt. Das Buch lässt sich leicht lesen und ich merkte gar nicht, wie die Zeit verflog.
4/5 Punkten

#6 RE: Beta (Ananda-Serie 01) - Rachel Cohn von buchleserin 09.09.2013 11:32

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Inhalt:

Die paradisische Insel Demesne gehört zu einer Inselgruppe, die nach einem gigantischen Vulkanausbruch unter dem Ozean entstanden ist, Tausende von Meilen von der Küste des Mainlands entfernt. Der Ozean, der diese Insel umspült, wurde von Ingenieuren zu luxoriosen Meerespool umgewandelt, das Meer Ion. Die Luft wurde auch gleich noch verbessert.
Auf der Insel leben nur die super reichen Menschen. Klone wurde geschaffen um den Menschen hier zu dienen. Diese Klone sehen aus wie die Menschen, denen sie nachgebildet wurden, sie haben jedoch keine Seele und keine Gefühle, sie sollen nur ihre Arbeit verrichten und den Menschen dienen. Alle Klone haben auf der rechten Gesichtshälfte das violette Schwertlilientattoo und links bekommen sie später noch ein Tattoo, jeder ein anderes, das eine weitere Blume zeigt. Über einen Chip bekommen die Klone Informationen, wie sie sich zu verhalten haben.
Die Klone haben auch keinen Geschmack und benötigen zur Ernährung nur Erdbeershakes.
In einer Boutique, die nicht nur Kleidung verkauft, sondern auch Klone, kauft Mrs Bratton Elysia. Elysia ist Dr. Lusardis Teenager-BETA-Version.
Sie wir Mrs Brattons Gesellschafterin und erhält ihr zweites Tattoo „das Ranking“, es teilt allen mit, für welche Aufgaben der Klon eingesetzt wird.
Die heile Welt auf der paradiesischen Insel Desmesne wird gestört, als einige Klone defekt sind. Sie zeigen Gefühle und haben eine eigene Meinung. Elysia entdeckt, dass sie auch Gefühle hat und sie liebt Makkaroni mit Käse und Schokolade. Sie hat Erinnerungen an ihre First und sie verliebt sich…

Meinung:

Das Cover sieht toll aus mit dem Mädchen und dem Gesichtstattoo.

Ich bin von dem Buch sehr begeistert. Es liest sich angenehm flüssig und fängt sehr interessant und auch spannend an. Ich war von Anfang an gefesselt. Was ist das für eine unglaubliche Insel mit dem Meer Ion? Eine ungewöhnlich Welt wird uns da vorgestellt. Klone, die Gefühle haben, gelten als defekte Klone. Elysia entdeckt, dass sie ebenfalls Gefühle hat und hält sich für defekt. Sie mag Makkaroni mit Käse und sie liebt Schokolade. Immer wieder hat sie Erinnerungen an ihre First und an deren geheimnisvollen Freund. Oder hat Elysia doch eine eigene Seele? Sie merkt auch, dass auf Desmesne das Leben nicht so paradiesisch ist, wie es scheint. Die Kids und auch die Klone nehmen Drogen, um sich besser zu fühlen.
Sie lernt eines Tages Tahir kennen und verliebt sich in ihn. Tahir hatte einen Unfall und hat sich danach sehr verändert behaupten seine Freunde.
Elysia hat so eine Vermutung. Sie hat Erinnerungen an ihre First und auch an einen Schwimmer, wenn sie im Wasser ist. Was hat das wohl zu bedeuten?
Mir hat das Buch gefallen, es ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Die Idee der Story gefällt mir auch sehr gut. Diese Insel Demesne und die Klone, die auch Gefühle haben und nicht nur dienen wollen. Die Sklaverei der Klone ist natürlich beängstigent. Das Buch ist aber spannend geschrieben. Einiges war für mich jedoch vorhersehbar. Das Ende war dann wieder etwas überraschend, obwohl ich es insgeheim doch vermutet hatte. Trotzdem bin ich sehr begeistert von dem Buch und bin gespannt auf die Fortsetztung.

Fazit:

Eine klare Leseempfehlung!

#7 RE: Beta (Ananda-Serie 01) - Rachel Cohn von AhabsDaughter 23.09.2013 22:01

Die Erde, irgendwann in der Zukunft: Nach den Water Wars hat sich die Menschheit durch technischen Fortschritt zum vermeintlich Guten weiterentwickelt. Im künstlich verbesserten Inselparadies Demesne leben die Reichen (und Schönen). Da die Menschen auf Demesne niedere Arbeiten nicht selbst verrichten möchten, werden aus verstorbenen Menschen (den Firsts) Klone geschaffen. Die Klone werden in verschiedene Tätigkeitsbereiche eingeteilt, welche durch Tattoos im Gesicht gekennzeichnet sind und allgemein wie Sklaven behandelt und ausgenutzt. Damit sie nicht gegen diese Behandlung aufmucken, werden sie durch Chips gesteuert und sind so programmiert, dass sie keine Gefühle, Wünsche oder eigene Bedürfnisse haben.
Der Leser erlebt die Handlung aus der Sicht des Klons Elysia. Sie ist eine Teen-Beta, der Prototyp eines neu entwickelten Teenager-Klons. Schon kurze Zeit nachdem sie von ihrer neuen Familien gekauft wurde, bemerkt Elysia, dass sie normales Essen schmecken kann und dass sie das auch genießt. Sie entwickelt Gefühle und Wünsche. Elysia ist ein „defekter“ Klon, doch dieses Geheimnis darf sie niemandem anvertrauen. Die defekten Klone werden gefoltert und getötet, im Namen der „Wissenschaft“. Im Laufe der Zeit erlebt Elysia immer deutlicher, wie die Menschen mit den Klonen umspringen und in ihr wächst Widerstand. Von ihren jugendlichen Menschenfreunden kann sie wenig Unterstützung erwarten, diese langweilen sich auf der Insel und sind nur auf den nächsten Trip mit der Modedroge „Raxia“ aus. Doch dann verliebt sie sich in Tahir….
So paradiesisch das Leben für die Menschen auf Demesne auch ist, am Horizont ziehen bereits dunkle Wolken auf: Gerüchte von einer Rebellion defekter Klone machen die Runde, eine Bombe explodiert und auch einige Menschen haben die Unterdrückung der Klone als ungerecht erkannt...
Fazit: Eine solide aufgebaute Dystopie für jugendliche Leser von Rachel Cohn. Beta ist der erste Band einer Quadrilogie. Die Idee, eine Zwei-Klassen-Welt aus Menschen und Klonen zu erschaffen und die Handlung aus Sicht eines Klons zu erzählen, ist gut gelungen. Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches sind einige überraschende Wendungen vorhanden. Dennoch hat die Geschichte in mir nicht die Begeisterung entfacht, immer weiter lesen zu müssen. Sei es, weil die Handlung oft mehr oder weniger dahinplätschert, weil die Charaktere flach bleiben oder weil mir am Ende einiges an der Entwicklung der Geschichte missfiel. Da dies jedoch nur der Auftaktband war, hoffe und erwarte ich, dass die Geschichte noch mehr Spannung aufbauen wird und einige der Ungereimtheiten erklärt werden.

3 von 5 Sternen

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