#1 Die Prophezeiung der Seraphim - Mascha Vassena von his-her-books 06.10.2012 19:19

Zitat:
"Jahrtausendelang herrschten die Seraphim über die Menschen, von denen sie als Götter verehrt wurden, doch mit der Zeit veränderten sie sich und wurden den Menschen immer ähnlicher, bis nur noch ihre magischen Kräfte und ihre Unsterblichkeit sie von denen unterschieden, die sie einst als Götter angebetet hatten. Sie teilten die Welt der Menschen unter sich auf und wurden zu Königen, Heerführern, Gelehrten. Jahrtausende vergingen, und die Menschen vergaßen, wer die Seraphim waren; von nun an wirkten die Unsterblichen im Verborgenen. Nur wenn die Menschheit in Gefahr war, traten sie offen in Erscheinung und bewirkten das, was man als Wunder bezeichnet."
(S. 67)

Inhalt:
An ihrem 15. Geburtstag passiert es: Julie Lagarde gerät in einen Tumult auf dem Kirchplatz und sieht sich schon tot. Doch ihr Wunsch nach Ruhe wird anders erfüllt als gedacht: Ein blaues Licht fließt aus ihr und der Mob löst sich auf.
Kurz darauf erfährt Julie, dass sie nicht die leibliche Tochter des Uhrmachermeisters und seiner Frau ist. Sie ist ein Seraph und hat eine Bestimmung: Gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder muss sie die Welt vor der Schreckensherrschaft ihres wahren Vaters schützen.
Doch dazu muss sie ihren Bruder finden... Was, wenn er nicht auf ihrer Seite steht?
Gemeinsam mit ihrem treuen Freund Fédéric, dem undurchsichtigen Nicolas und Ruben geht Julie auf diese gefährliche Reise mit vielleicht tödlichem Ausgang.

Meinung:
Zu allererst muss ich loswerden, dass dieser im 18. Jahrhundert spielende Roman allemal historisch angehaucht ist. Würde nicht ab und an erwähnt werden, dass das Volk die Bastille gestürmt hat oder König Louis zu sehr auf seine Berater hört, hätte ich es glatt vergessen. Daher eine große Entwarnung an alle, die "Angst" vor der Zeitangabe im Klappentext haben.

Lediglich in der Einleitung und der Veranschaulichung der äußeren Umstände der Protagonisten dominiert die Zeit vor der französischen Revolution. Die teils katastrophalen Zustände sind sehr gut beschrieben, ebenso das "bessere" Leben der Hauptprotagonistin Julie.

Sie zog mich sofort in ihr Leben in einer der angeseheneren Familien in Paris. Julie unterhält sich in Gedanken mit ihrer Katze Songe und sieht die Farben der Menschen um sie herum, deren Aureolen, was ihr Spott der anderen Kinder einbrachte, als sie davon erzählte. Seitdem behält sie ihre Gabe für sich.
Neben Songe ist Fédéric ihr treuester Freund. Die zu Beginn sehr oberflächlichen Gefühle ihm gegenüber werden tiefer und verwirren Julie. Denn die Autorin hat in ihrem Roman auf die klassische Dreiecksgeschichte nicht verzichtet. Julie versucht während ihrer Reise unentwegt zu ergründen, ob sie sich mehr zu Fédéric oder zu Nicolas hingezogen fühlt, die beide unterschiedlicher nicht sein können.
Julie ist die treibende Kraft der Mission und zieht die anderen quasi mit sich. Sie hat das Sagen und bestimmt über die anderen. Sehr zum Missfallen ihres Bruders. Auch Neid ist Julie nicht fremd und wie hart es ist, sich zurückgesetzt zu fühlen, muss sie am eigenen Leib erfahren.

Ruben ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, hatte eine schreckliche Kindheit. In seiner schlimmsten Zeit entdeckt er seine Gabe. Sie verleiht ihm Macht und Selbstvertrauen. Als dann noch die Comtesse persönlich an ihm interessiert ist, gibt es für ihn kein Halten mehr. Nur in ihrer Nähe fühlt er sich gut. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich an der Seite seines Vaters zu sein.
Mit Argwohn lässt er sich von seiner Schwester und Nicolas "retten" und zur Teilnahme an der Mission überreden. Die Zweifel und der Hass auf seine Schwester und ihre "Verehrer" wächst stetig, seine Loyalität gilt immer noch der Comtesse und seinem Vater. Wird er die richtige Entscheidung treffen?

Auch die Nebencharaktere sind tiefgründig und gut beschrieben. Mein Liebling darunter war definitiv Julies treuer Freund Fédéric, der der Geschichte mit seinen Sprüchen und seinem Humor eine wundervolle Note verleiht. Auch die Kabbeleien mit Nicolas waren sehr amüsant.
Nicolas Charakter hat mich ein ums andere Mal überrascht. Zu Beginn war er so undurchsichtig. Als sich das Bild von ihm zu klären scheint, treten immer wieder Charakterzüge ans Licht, die die Einschätzung weiterhin erschweren.

Die Protagonisten waren allesamt tiefgründig und gut durchdacht. Die Handlungen sind größtenteils schlüssig und nachvollziehbar.

Die Idee von Frau Vassena hat mir sehr gut gefallen. Die Verknüpfung der "alten Götter" mit dem, was die Menschen als Engel bezeichnen. Auch die ansteigende Bedrohung parallel zur Zeit vor der französischen Revolution ist gut definiert.

Der Einstieg in die Geschichte war interessant und machte Lust auf mehr. Im personalen Erzählstil wechselt die Perspektive zwischen Julie und Ruben, wodurch anfänglich viel Spannung aufgebaut wurde, die sich dann leider kaum steigern konnte. Die Bedrohung durch die Seraphim und die Cherubs war für mich die meiste Zeit einfach nicht greifbar genug und "Probleme" lösten sich meist wie von selbst. Nichtsdestotrotz flog ich über die Seiten und wurde mitgerissen. Frau Vassenas Schreibstil ist flüssig und leicht, abgesehen von ein paar Details nicht allzu "historisch" und ließ sich daher sehr angenehm lesen.

Der Showdown war neben den interessanten Protagonisten das Highlight des Buches und hat mir sehr gut gefallen. "Die Prophezeiung der Seraphim" ist in sich geschlossen, bietet aber durchaus die Möglichkeit einer interessanten Fortsetzung.

Urteil:
In "Die Prophezeiung der Seraphim" hat Frau Vassena "Engeln" eine neue Vergangenheit verpasst. Interessante Gaben und tiefgründige Protagonisten machen die nicht allzu dominante Spannung wieder wett. Meinen Lesegenuss belohne ich mit 4 Büchern.

Ich empfehle das Buch allen Fantasy-Fans, die Lust auf tolle Charaktere und eine mitreißende Geschichte haben. Auf das "historisch" muss ich nicht hinweisen, da es kaum spürbar ist.

#2 RE: Die Prophezeiung der Seraphim - Mascha Vassena von Kate88 16.12.2012 15:42

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Julies Leben ändert sich auf einen Schlag mit ihrem 15. Geburtstag. Alles woran sie geglaubt hat, stellt sich als eine Lüge heraus. Ihre Eltern sind nicht ihre leiblichen Eltern. Sie ist ein Seraph und Teil einer Prophezeiung. Zusammen mit ihrem ihr unbekannten Zwillingsbruder ist es ihr bestimmt ihren wahren Vater zu stürzen.

Auf ihrem Weg wird sie begleitet von ihrem Jugendfreund Frederic und dem charmanten Nicolas, die Beide bei Julie Herzklopfen verursachen. Doch der Weg dahin ist steinig und voller Gefahren. Gefahren, die für alle den Tod bedeuten können.

Ich muss leider sagen, dass dieses Buch zwar interessant und auch recht unterhaltsam war, aber dennoch einige Längen aufzuweisen hatte, die mein Lesevergnügen doch ein wenig schmälerten.

Die beiden Hauptprotagonisten Julie und Ruben waren, obwohl Zwillinge, doch recht unterschiedlich in ihren Charakteneigenschaften. Und leider war mir Ruben recht unsympathisch. Ich konnte im ganzen Verlauf des Buches keine Sympathie für ihn aufbauen. Eher im Gegenteil, stellenweise war ich regelrecht von ihm genervt und habe daher die Passagen, die aus seiner Sicht geschildert wurden, nur schwer genießen können.
Julie hat mich da doch eher angesprochen, auch wenn ihre Handlungsweise auch nicht immer nachzuvollziehen war. Ihre Entscheidungen waren doch recht sprunghaft.

Meine bevorzugte Figur war da Frederic. Nicht unbedingt auffallend und eher eine Nebenfigur, aber durch seine Art hat er der ganzen Geschichte einen besonderen Touch verliehen. Ich glaube ohne ihn, hätte mir das Buch noch um einiges weniger gefallen.

Die Geschichte ansich war zwar recht unterhaltsam, aber meiner Meinung nach ist doch recht wenig geschehen, obwohl stellenweise viel passiert ist. Dadurch hat sich für mich das Lesevergnügen geschmälert, da das Buch somit, und besonders im Mittelteil, Längen hatte. Auch war für mich leider stellenweise wenig Spannung vorhanden.

Aber der Schreibstil der Autorin hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ein Jugendbuch und einen historischen Roman zu vereinen und dabei eines der Beiden nicht zu vernachlässigen, ist nicht einfach. Meiner Meinung nach hat es Mascha Vassena recht gut gemeistert.

Die Geschichte um Julie und Ruben könnte nach dem Lesen der letzten Seite eigentlich enden. Alle Fragen wurden befriedigend beantwortet. Dennoch ist noch einiges an Material vorhanden, was für eine Fortsetzung genutzt werden könnte.

Fazit:

Eine interessantes Geschichte, die mich persönlich aufgrund von einigen Längen und Figuren, die mich nicht angesprochen haben, nicht ganz überzeugen konnte.

#3 RE: Die Prophezeiung der Seraphim - Mascha Vassena von lexxi2k 30.12.2012 08:58

Der Inhalt:

Julie, gerade 15 Jahre alt geworden, gerät auf einem Markt in einen Tumult. Sich selbst sieht sie schon niedergetrammpelt auf dem Boden, doch sie zwingt sich zur Ruhe. Allerdings wirkt sich ihre Ruhe auch übernatürlich auf die in der Nähe stehenden Menschen aus und Julie kommt ohne einen Kratzer davon. Zuhause erfährt sie dann durch Zufall das sie nicht die leibliche Tochter des Uhrmachers und seiner Frau ist, sondern etwas übernatürliches das die Welt verändern kann. Wenig später taucht auch schon die Comtesse bei ihnen zu hause auf und möchte Julie mitnehmen. Julie gelingt allerdings die Flucht, zusammen mit Nicolas und ihrem besten Freund Fédéric. Zusammen machen sie sich auf die Suche nach Julies Zwillingsbruder Ruben um gemeinsam gegen ihren leiblichen Vater Cal anzutreten.

Meine Meinung:

Julie ist die Tochter des Uhrmachers und lebt ein annehmbares Leben. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Fédéric unternimmt sie sehr viel. Als sie eines Tages ihre Gabe entdeckt, überschlagen sich danach die Ereignisse. Die Comtesse taucht auf und will Julie mitnehmen. Mit Hilfe von Nicolas gelingt ihr allerdings die Flucht und auch bald schon schließt sich Fédéric den beiden an. Nun müssen sie nur noch Ruben, Julies Zwillingsbruder finden, um gegen Cal, ihren leiblichen Vater anzutreten.

Während Julie ein einigermaßen gutes Leben führte, hatte Ruben es nicht so leicht. Erst war er einige Jahre wohnhaft bei einem Mönch, als dieser dann aber starb, kam er in eine Pflegefamilie, die ihn als billige Arbeitskraft benutzt haben. Eines Tages sieht Ruben seine Chance und flieht mit einigen anderen Jungs um in Paris als Kaminkehrerlehrling verkauft zu werden. Dort hat er den ersten Kontakt mit der Comtesse, die ihn auch sogleich ein Heim bietet. Plötzlich wird aber alles anders, den Julie taucht auf und er muss mit den anderen vor der Comtesse fliehen.

Ehrlich gesagt muss ich zugeben das dies das erste Buch war, bei dem mir beide Hauptprotagonisten völlig unsympathisch waren. Julie ist herrisch und lässt sich kaum etwas sagen. Das spürt zum großen Teil auch ihr Bruder, da sie ihn in ihre Entscheidungen gar nicht mit einbezieht. Und dann wären da noch die beiden Jungen Fédéric und Nicolas. Julie fühlt sich zu beiden hingezogen, kann, oder will sich aber nicht entscheiden. In meinen Augen einfach nur rücksichtslos und sie tut damit den beiden Jungen ja weh. Ruben ist ein verwirrter Junge, der von einem auf den anderen Moment nicht mehr weiß wie ihm geschieht. Anders als Julie setzt Ruben seine Kräfte auf öffentlich ein und bringt damit die Comtesse auf ihre Fährte. Auch Dank seines ziemlich ausgeprägten Beschützerinstinktes schafft es Ruben immer wieder in Schwierigkeiten zu gelangen.

Dafür haben es mir aber zwei der Nebencharaktere besonders angetan. Fédéric, der beste Freund von Julie, tut alles für Julie und versucht sie immer wieder zu beeindrucken. Er setzt sein Leben aufs Spiel und kämpft gegen übernatürliche Wesen. Auch sehr toll gefallen haben mir seine Streitereien mit Nicolas, die die immer sehr lustig waren und die Geschichte aufgelockert haben. Und dann hätten wir noch Nicolas, der Sohn der Comtesse, der den anderen nur hilft da er seiner Mutter schaden will, da sie ihn die letzte Jahre hat spüren lassen, wie minderwertig und nutzlos sie ihn findet.

Das Buch ist in sich abgeschlossen. lässt aber Raum für weitere Spekulationen oder einen Folgeband. Allerdings hat mir das Ende nicht besonders gut gefallen und ich habe es mir anders vorgestellt und gewünscht. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Sicht von Julie oder Ruben erzählt sodass man die Handlungen der jeweiligen Personen besser nachvollziehen konnte. Das Buch selbst ließ sich flüssig lesen, das zum einen dem lockeren Schreibstil und den witzigen Passagen zwischen Fédéric und Nicolas zu verdanken war. Die Story ist interessant, spannend und vielversprechend, allerdings gibt es während des Lesens immer mal wieder ein paar langwierige Passagen, die sich nur dahin ziehen. Allerdings sollte man sich dadurch nicht abschrecken lassen, da die Spannung im Buch doch dominiert hat.

Mein Fazit:

Die Prophezeiung der Seraphim ist eine interessante, spannende und unterhaltsame Geschichte. Wenn ich mich mit den beiden Hauptcharaktere nun nicht anfreunden konnte, haben es mir die Nebencharaktere umso mehr angetan. Trotz einiger langwieriger Passagen wird der Lesefluss nicht unterbrochen und ich konnte das Buch in einem Rutsch durchlesen. Auch wenn das Ende in sich geschlossen ist, lässt es trotzdem Raum für weitere Spekulationen und eventuell einen Folgeband.

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