#1 Wir beide, irgendwann (Jay Asher/Carolyn Mackler) von his-her-books 25.06.2012 20:14

Inhalt:

1996. Emma bekommt von ihrem Vater ihren ersten Computer und denkt darüber nach, ihn auch für einen Internetzugang startklar zu machen. Der ein Jahr jüngere Nachbarsjunge Josh schenkt Emma eine AOL-CD-Rom dazu. Als sie sich Zugang zum Internet verschafft, wird sie auf eine ominöse Seite geleitet: Facebook. Dort findet sie Bilder von sich, Josh und anderen Bekannten unter "Freunde". Sie und Josh, den sie zu Rate zieht, halten es anfangs für einen Scherz. Doch wer wäre technisch dazu in der Lage, eine solche Seite zu gestalten?
Emma ist schockiert von ihrer Zukunft und will alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um diese nach ihren Wünschen zu verändern. Doch Josh ist dagegen... schließlich wird er laut Facebook mit der Schulschönheit Sydney verheiratet sein und daran will er keinesfalls etwas ändern. Oder könnte es etwas Besseres geben?

Meinung:

Ich wusste absolut nicht, was ich von der Geschichte erwarten sollte. Den spärlichen Informationen auf dem Klappentext zu urteilen, war es tendenziell ein Zeitreiseroman, zumindest hätte ich es hier am ehesten einordnen wollen.
Doch "Wir beide, irgendwann" ist anders. Ganz anders. Ich flog über die Seiten, genoss das Leben Mitte der 90er (meiner Jugend!) und schwelgte in Erinnerungen, während ich gespannt die Veränderungen zwischen Josh und Emma verfolgte.
Die Hauptprotagonistin Emma war mir sehr sympathisch. Sie ist ein stinknormaler Teenager, hat ihre Clique und ihre beste Freundin Kellan. Ihr Freund Graham will sie nur begrapschen und sie denkt darüber nach, Schluss zu machen. Die großartige Freundschaft zwischen Emma und Josh ging vor sechs Monaten in die Brüche, als Josh versucht hat, sie zu küssen. Doch Josh war immer nur ein Freund. Durch die Facebook-Sache haben die beiden wieder mehr miteinander zu tun und Emma erinnert sich oft an ihre gemeinsame Zeit. Ich fand es sehr schade, dass Emma so negativ eingestellt ist: Sie ist wütend und traurig darüber, dass sie in 15 Jahren ein solch schlechtes Leben führen soll und will daran etwas ändern. Sie provoziert Situationen, die die neu zurückgewonnene Freundschaft zu Josh auf eine harte Probe stellen.
Josh ist der nette Junge von nebenan, im wahrsten Sinne des Wortes, denn Emma und Josh wohnen Fenster an Fenster. Doch Joshs Gefühle waren nicht immer nur freundschaftlich und der Leser erfährt, wann es dazu kam und was Josh zwischenzeitlich darüber denkt.
Er hielt die Facebook-Sache lange für einen Scherz, aber als er sein zukünftiges perfektes Leben sieht, freut er sich. Er wird mit Sydney verheiratet sein, die er bisher noch nicht einmal angesprochen hat. Frohen Mutes stellt er sich dieser Zukunft. Gleichermaßen entdeckt er aber etwas anderes.

Diese besondere Geschichte lebt nicht von Spannung oder unvorhergesehenen Ereignissen. Sondern von der Nostalgie, die sie verbreitet. Sicherlich war sie größtenteils vorhersehbar, dennoch wollte ich stets weiterlesen und erfahren, wie sich die Zukunft durch Kleinigkeiten verändern kann.
Ich amüsierte mich über Fragen, was ein Blog oder ein iPad sein könnte und Überlegungen, dass Handys niemals alltagstauglich werden könnten.
Das Autorenteam Asher/Mackler hat fleißig darauf geachtet, wie unsereins damals auf die heutigen Alltäglichkeiten reagiert hätte. Sie haben ein unvergleichliches Werk darüber geschaffen, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu leben, weil man die Zukunft niemals bis ins kleinste Detail planen kann.

Urteil:

"Wir beide, irgendwann" ist kein Buch für diejenigen, die eine fesselnde, spannende oder actionreiche Story erwarten und vermutlich auch nicht für Leser unter 30 interessant.
Wer sich aber noch daran erinnern kann, wie sich ein einwählendes 56-K-Modem anhört oder wie ein Leben ohne Internet und Handy möglich war, liegt mit diesem Buch richtig.
Da ich scheinbar genau dem Zielpublikum angehöre, vergebe ich für diese besondere Geschichte 4/5 Bücher. Es ist aber nur ganz knapp an den 5 Büchern vorbei geschrammt.
Es ist ein Must-Read für alle, die ein paar nostalgische Momente in ihrer Jugend verbringen und somit eine persönliche Zeitreise unternehmen wollen.

#2 RE: Wir beide, irgendwann (Jay Asher/Carolyn Mackler) von Riinaa 12.03.2013 19:24

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Mai 1996. Die 16-jährige Emma bekommt von ihrem Vater (der wieder einmal sein schlechtes Gewissen beruhigen möchte) ihren ersten eigenen Computer geschenkt. Ihr Freund Josh überlässt ihr außerdem noch eine CD-Rom von Aol, durch die sie bei Vetragsabschluss 100 Freistunden im Internet zu Verfügung gestellt werden. Natürlich lässt sie sich dieses Angebot nicht entgehen und installiert das Programm sofort. Schließlich, nach einer Downloadzeit von geschlagenen 97 Minuten, kann sie sich endlich einloggen und gelangt zufällig auf einer Website namens facebook. Nichts ahnend gibt sie loggt sie sich auch hier ein und findet sich auf dem Profil einer Emma Nelson Jones wieder, die ihr seltsam ähnlich sieht und am selben Tag Geburtstag hat wie sie. Neugierig wirft sie einen Blick weiter und stellt geschockt fest, dass sie mit 31 Jahren arbeitslos und unglücklich verheiratet sein wird. Josh hingegen, bislang alles andere als ein Frauenschwarm, wird das hübscheste und beliebteste Mädchen der ganzen Schule heiraten und zudem seinen Traumjob ergattern. Jedoch ist Emma nicht gewillt, tatenlos zuzusehen, wie sie in ihr eigenes Unglück läuft. Darum beschließt sie ihre Zukunft zu ändern und das Zusammentreffen mit dem Jungen zu verhindern, der sie später einmal unglücklich machen wird. Sie beginnt ganz bewusste Änderungen in der Gegenwart herbeizuführen. Doch der Versuch, in ihr Schicksal einzugreifen und dadurch ihr künftiges Facebook-Profil zu verändern, setzt eine nicht bedachte Kettenreaktion in Gang...

Meine Meinung

Was waren das noch für Zeiten in denen Downloads Stunden in Anspruch genommen haben und nicht gleichzeitig telefoniert werden konnte, wenn eine Internetverbindung bestand… Zeiten in denen das Internet plötzlich zum Modewort wurde. Vergleicht man das einmal mit unserem Umgang im Jahr 2013… Für viele Menschen weltweit sind das Internet und Soziale Netzwerke, wie Facebook, ein natürlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. Unvorstellbar, dass vor knapp 17 Jahren kein einziger mit Smartphones, Ipads etc. unterwegs war. Wie wurde damals denn miteinander kommuniziert?

Genau, dass erlebt man in diesem Buch. Wir machen sozusagen eine kleine nostalgische Zeitreise :) Jay Asher und Carolyn Mackler zeigen, wie es „damals“ war, als der Besitz eines Handys oder im Worldwide Web unterwegs zu sein, noch besonders war.

Als ich das Buch aufgeschlagen und begonnen habe zu lesen, war ich von Beginn an gefesselt. Der Schreibstil ist sehr schön flüssig, sodass sich die Seiten durchgängig und leicht lesen lassen und nur so dahin fliegen. Die Geschichte wird abwechselnd aus zwei Perspektiven, einmal aus der Sicht von Emma und einmal aus der Sicht von Josh erzählt. Die Kapitel sind kurz, wodurch das Lesen noch einmal erleichtert wird. Die handelnden Charaktere werden nicht bis ins letzte kleinste Detail beschrieben, Gefühle und Gedanken lassen sich dennoch gut nachvollziehen. Man ist von Anfang an in der Geschichte drin.

Emma Nelson ist ein typisch 16-jähriger Teenager, der mit seiner Mutter und dessen neuem Mann Martin in Pennsylvania lebt. Ihr Vater hingegen lebt mit seiner neuen Familie im weit entfernten Florida.
Von ihrem Verhalten her hat Emma mir anfangs nicht sonderlich sympathisch, da sie oft sehr egoistisch, selbstgefällig und rechthaberisch herüberkam. Außerdem hat mich gestört, dass sie nicht so richtig wusste, was genau sie eigentlich will, z.B. die Beziehung zu ihrem Freund Graham Wilde. In Wirklichkeit war er für sie nur noch eine lästige Klette, die sie bei jeder Gelegenheit befummeln wollte. Aber obwohl sie sich dauernd vorgenommen hat mit ihm Schluss zu machen, hat sie’s immer weiter vor sich hingeschoben. Im Laufe der Geschichte macht sie jedoch eine gewisse Entwicklung durch, sodass ich sie einfach in mein Herz schließen musste.

Josh Templeton wohnt mit seinen Eltern gleich neben Emma, sodass sich die beide sich von Kind an kennen und bis vor kurzem die beste Freunde waren. Doch vor einem halben Jahr gab es einen Bruch zwischen Emma und Josh, seitdem herrscht Funkstille. Erst durch die AOL CD-Rom, die bei den Templetons im Briefkasten lag, kommen er und Emma wieder in Kontakt miteinander. Josh war mir dagegen von Anfang an sympathisch. Irgendwie tat er mir auch ein wenig leid, dass das mit Emma und ihm ein wenig schiefgelaufen ist und nun die Freundschaft darunter leidet. Ich glaube, wenn ich mir einen guten Freund wünschen dürfte, wäre Josh garantiert die richtige Wahl. Er ist absolut zuverlässig, jedoch eher der schüchterne Typ.

Deshalb glaubt Emma im ersten Moment auch an einen Scherz von Josh. Warum sollte sich z.B. dass hübscheste Mädchen an der ganze Schule für Josh interessieren. Das kann sich dieser doch nur ausgedacht haben. Als sie allerdings Josh die Internetseite zeigt, will dieser von nichts wissen, genauso überrascht wie Emma, glaubhaft- sprich unschuldig, denkt stattdessen, dass Emma ihn auf den Arm nehmen will. Der nächste Log-in beweist aber den beiden, dass da etwas Seltsames vor sich geht. Denn nicht nur Emmas Profil auf Facebook hat sich wieder verändert, auch Josh sieht sich als 30-jährigen Mann. Die Neugierde ist geweckt. Und verbringen die beiden wieder häufiger Zeit miteinander, um nach und nach die Geheimnisse von facebook zu erkunden. Da Emma im Gegensatz zu Josh überhaupt nicht mit ihren späteren Entscheidungen, insbesondere ihrer Partnerwahl zufrieden ist, versucht sie ganz bewusst ihre Zukunft zu ändern. Bei jedem Login, hat sich dadurch irgendetwas verändern. Allerdings nicht nur bei ihr. Ihre Eskapaden haben auch Einfluss auf Joshs Zukunft, was diesem nicht unbedenklich erscheint und verhindern möchte. (Ein weiterer Grund, weshalb ich mochte ihn sehr gerne mochte. Er geht an die Sache um einiges besonnener ran als Emma)

Insgesamt hat mir die Idee hinter der Geschichte sehr gefallen und sofort angesprochen. Mir wurde nie langweilig und ich war immer voll in der Geschichte drin. Die Entwicklung von Josh und Emma zuzusehen, wie mit dem Wissen über ihre Zukunft umgehen, war einfach toll und gleichzeitig unterhaltsam. Das Ende, muss ich sagen, war für mich persönlich ein wenig absehbar, hat meinen Lesegenuss jedoch nicht geschmälert.

Mein Fazit

Das Autorenduo Asher/Mackler hat mit „Wir beide irgendwann“ eine wunderbare Geschichte geschaffen, in der es um wahre Freundschaft, Liebe und Zukunftsängste geht. Ich war von Beginn an völlig gefesselt und habe das Buch in einem Schwung durchgelesen. Außerdem macht man sich ganz unbewusst selbst Gedanken, wie man an Emmas und Joshs Stelle reagieren würde. Würde man auch alles tun, um seine Zukunft positiv zu beeinflussen, oder würde man sich seinem Schicksal fügen? Für mich der absolute "Must-Read"! Zum Schluss bleibt deshalb nur noch eine Frage: Wo ist der Like-Button?

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