#1 Libellenprinzessin -Julia Golding von Morgaine 29.01.2012 11:30

Rezension:

Die junge Taoshira, kurz Tashi, lebt seit wenigen Jahren im Palast der Göttin, denn sie ist matriarchischer Abstammung und daher als Repräsentatin auserwählt worden.
Sie ist die Libellenprinzes sin, eine der 4 Kronprinzessinn en, von den Inseln der Blauen Sichel, die fernab der östlichen Länder, im Saphirmeer liegen. Zu ihren Pflichten gehört, dass sie eine Ausbildung zur Diplomatin absolviert und täglich den vorgeschriebenen Ritualen und Gebeten nachkommt, um die Mutter Göttin zu huldigen. Bei Entscheidungen das Volk der Blauen Sichel betreffend, vertritt sie mit ihrer Stimme ihre kleine Heimatinsel Kai.

In Gerfalien, einem der Ostländer, herrscht König Lagan ac Burinholt, der einen jungen, eigensinnigen Sohn,
den Prinzen Ramil ac Burinholt hat. Das Land ist von Krieg und Unterwerfung bedroht. Nur mit seiner eigenen, gerfalischen Streitmacht würde das Land dem Übergriff, des barbarischen Kriegsherrn Fergox Speerwerfer, nicht standhalten können. Eine Allianz mit einem anderen Land wäre die beste Lösung. Hinter dem Rücken seines Sohnes arrangiert er eine eheliche Verbindung zum Hof der Blauen Sichel. Eine der jüngeren Kronprinzessinn en soll Prinz Ramil heiraten, denn nur mit der Hilfe der gut aufgestellten Flotte und der Allianz, würde man die Invasion des Kriegstreibers Fergox mit vereinten Kräften verhindern können.

Tashi wird bei der Abstimmung von den anderen 3 Prinzessinnen einstimmig auserkoren, diese Ehe mit Ramil einzugehen. Als Begründung wird ihre Jugend und Abkömmlichkeit am Hof genannt, aber Tashi kann nicht glauben, dass es wirklich ernst gemeint ist, denn Hochzeiten sind am Hof normalerweise Privatangelegen heiten. Außerdem sind über den Prinzen üble Gerüchte im Umlauf und sie kann sich nicht vorstellen mit ihm glücklich zu werden.

Als Lagan seinem Sohn die Nachricht der geplanten Verbindung überbringt, reagiert auch dieser trotzig und ablehnend, denn Ramil lässt sich nicht gern als diplomatischer Spielball benutzen. Die Sache geht ihm eindeutig gegen den Strich und fortan meidet er seinen Vater. Doch Lagan spricht ein Machtwort und schickt eine Nachricht an den Hof, dass die Kronprinzessin baldmöglichst zur Vermählung erwartet wird.
Kurze Zeit später tritt Tashi ihre weite Reise nach Gerfalien an. Als sie dort ankommt, begegnen ihr die Menschen nicht mit der Würde und dem Respekt, den sie mit ihrem königlichen Titel gewohnt ist und auch Ramil tritt unwissentlich von einem Fettnäpfchen in's Nächste. Beide haben keinerlei Interesse an Gegenüber und es kommt zum Eklat.
Daraufhin zersteitet sich Ramil gänzlich mit seinem Vater, vom dem er sich erpresst fühlt dieses steife, weiß angemalte und unreife Mädchen zu seiner Frau zu nehmen. Auch Tashi leidet im Schloß und fühlt sich ungeliebt, ausgegrenzt und einfach fehl am Platz. Sie möchte zurück in ihre Heimat und erst nach einem einfühlsamen Gespräch mit Ramil's Vater, gibt sie seinem Sohn bei einem Ausritt eine letzte Chance etwas gut zumachen und sich zu entschuldigen, nach all den Beleidigungen der letzten Tage.

Während des Ausflugs verstreiten sich die beiden erneut und Ramil widerruft das Verlobungsverhältnis endgültig. Daraufhin lässt sie ihn stehen und bricht allein zum Schloß auf. Aber weder sie noch Ramil werden dort ankommen! Sie konnten auch nichts von den perfiden Plänen des Kriegsherrn ahnen…

Mein Fazit:

Die Libellenprinzessin hat mich mit dem sinnlich, dezenten Cover sofort verzaubert und gedanklich in eine märchenhafte Welt entführt. In Japan ist die Libelle ein Symbol von Mut, Stärke und Intuition und diese Eigenschaften treffen auch auf die weibliche Hauptfigur zu.

Die Geschichte von Julia Golding nimmt uns mit eine Welt um Krieg, Liebe, Intrigen, Flucht und Befreiung. Wir tauchen ein in das Schicksal einer Zweckgemeinschaft zum Wohle zweier Länder, das in den Händen von Tashi und Ramil liegt.
Wir bereisen mit ihnen edle Königshäuser, umgeben von prächtigen Ländereien, die mich sofort in's frühe Mittelalter versetzt haben. Für die Handlungsorte und landschaftlichen Besonderheiten findet man am Anfang des Buches eine Karte und ich habe sie ein paar Mal genutzt um mich im Verlauf der Reise zu orientieren.

Der Anfang des Buches hat mir kurz Schwierigkeiten bereitet, da ich mich mit den vielen Ritualen und Betitelungen am Hof, als auch in Gerfalien, überhäuft fühlte und Probleme hatte, diese zu verinnerlichen. Die Personen sind gut ausgearbeitet, haben ihre typischen charakteristisc hen/körperlichen Merkmale und wirken im Gesamtbild der Erzählung harmonisch. Im Laufe der Geschichte durchstreifen wir die Weiten verschiedener Vegetationszone n mit ihren klimatischen Herausforderung en und erfahren hier sehr detailliert über deren Gebräuche, Sitten, Gewänder und regionale Unterschiede. Die Hauptpersonen bekommen im Verlauf immer wieder neue Gefährten und Verbündete an die Seite gestellt, aber das empfand ich als gelungene und interessante Bereicherung.

In der ersten Hälfte des Buches erdrückten mich die vielen blutigen und brutalen Szenen, die Folter, Verstümmelung und Morde beinhalteten. Auch das Thema der Missionierung anderer Religionen war in diesem Roman für meinen Geschmack zu übertrieben und dominant in Szene gesetzt, sodass ich davon enttäuscht war. Ab der zweiten Hälfte entwickelte sich das Buch dann aber doch noch in die Richtung, die ich mir nach der Leseprobe erwartet/erhofft hatte. Es war sehr schön mit der eingeschworenen Gruppe zu flüchten, zu hoffen und erleichtert aufzuatmen, wenn eine heikle Situation glimpflich ausging.

Was mich immer wieder aus meiner Konzentration beim lesen gerissen hat, waren die nicht zeitgemäßen Elemente die ich als befremdlich empfunden habe. So stelle man sich vor, im Mittelalter wurden "Leggings" unter das rauschende königliche Gewand gezogen. Auch hochkompliziert e Sprengsätze wurden genutzt um Brücken, die ja nur aus Holz waren, aufwendig in die Luft zu jagen.Das war für mich ein klarer Stilbruch mit der Zeit und hat die romantische Stimmung teilweise gestört. Ein fortführendes Buch würde sich hier an das Ende gut anknüpfen lassen, auch wenn bislang wohl keine Fortsetzung angedacht ist.

Abschliessend kann ich sagen, dass mir das Buch, trotz der Schwachstellen, gut gefallen hat. Es ist ein historisches Märchen, das viele Facetten bedient und daher konnte es mich immer wieder in seinen Bann ziehen. Wer z. Bsp. die Geschichten um Avalon mag, wird hier Parallelen finden und deshalb auch dieses Buch mögen.

#2 RE: Libellenprinzessin von kaeferchen 29.01.2012 22:25

avatar

Prinzessin Taoshira, genannt Tashi, ist eine der vier Kronprinzessinnen der Inseln der Blauen Sichel. Ihr Tagesablauf ist von strengen Ritualen und Gebeten geprägt. Sie trägt feine Gewänder (ihr liebstes Kleid ist mit einem Libellenmuster verziert) und ihr Gesicht ist weiß geschminkt, sodass die ohnehin untersagten Gefühlsäußerungen noch schwerer zu erahnen sind.
Prinz Ramil ac Burinholt lebt am anderen Ede der Bekannten Welt in Gerfalien und führt ein völlig anderes Lebens. Spaß und Freiheit stehen bei ihm im Vordergrund, er liebt es zu Reiten und sich in der Natur aufzuhalten.
Ein tyrannischer Herrscher, welcher droht, ihre beiden Länder anzugreifen, zwingt die Oberhäupter dazu, eine königliche Allianz zu schließen: Tashi und Ramil sollen heiraten. Die beiden jungen Leute sind davon überhaupt nicht begeistert und aufgrund der Unkenntnis der gegenseitigen Sitten und Gebräuche endet ihr erstes Kennenlernen nach einer Reihe von Missverständnissen in einer Katastrophe, die letztlich dazu führt, dass der Feind sie gefangen nimmt. Für die beiden beginnt ein großes Abenteuer, in dem ihnen Freunde zur Seite stehen und sich Feinde in den Weg stellen.

Der Klappentext verrät bereits, dass Ramil und Tashi im Laufe der Ereignisse Gefühle füreinander entwickeln werden und da es für ein Jugendbuch untypisch wäre, ging ich auch nicht davon aus, dass eine der Hauptfiguren stirbt. Die Frage war daher nie, OB sie sich ineinander verlieben oder ob sie das Abenteuer bestehen, sondern WIE sie zueinander finden und den Gefahren entgegentreten werden.
Und dieses WIE hat mich absolut verzaubert. Die Geschichte liest sich unglaublich leicht und flüssig. Schon nach wenigen Seiten erlauben es die detailgenauen Beschreibungen von Orten und Kleidung, in diese fremde Welt einzutauchen und zusammen mit Ramil und Tashi auf die Reise zu gehen. Die beiden (wie auch die anderen Figuren, besonders Gordoc gefiel mir) werden sehr liebevoll beschrieben, sodass sie einem sofort sympathisch sind. Der Schreibstil erlaubt es, all ihre Gefühle und ihre inneren Wandlungen, die Abkehr von Vorurteilen, die Zweifel an ihrem Glauben oder ihren Gefühlen, mitzuerleben.
Fern ab von ihren Ländern und ihrem Zuhause lernen beide die Welt des Anderen kennen und verstehen. Besonders für Tashi sind viele Dinge neu. Freundschaftliche Berührungen oder offene Gefühlsausbrüche sind ihr unbekannt, sodass sie bei dem Versuch, die fremde Welt zu verstehen und sich anzupassen im Laufe der Geschichte eine große Veränderungen durchläuft, die sie nur umso sympathischer macht und für das ein oder andere Schmunzeln sorgt, wenn sie die "westlichen Sitten" falsch interpretiert.

Neben einer gewissen Spannung, die sich durch das ganze Buch zieht, gibt es auch immer wieder traurige aber auch lustige oder gefühlvolle Momente, die der Geschichte ihren Zauber und ihre Lebendigkeit verleihen und es mir schwer machten, das Buch wieder aus der Hand zu legen.
Dank einer Karte der Bekannten Welt auf den ersten Seiten des Buches, ist es immer gut nachvollziehbar, wo sich die Reisenden gerade befinden. Dabei wird die Erzählung an keinem Punkt zu langatmig.

Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann, dass mir das Buch zu kurz war. Sehr gern hätte ich noch viel länger von ihren Abenteuern und der Zukunft gelesen. Das Ende - ohne hier genau auf dieses einzugehen - gefiel mir allerdings sehr gut und passte zu der ganzen Geschichte, nur dass es mir am Ende tatsächlich ein klein wenig zu schnell ging, obwohl sich auch dies wunderbar in die Ereignisse fügte.

Für Fans des Genres absolut zu empfehlen. Und auch für alle anderen, die sich auf fremde Länder und fremdartige Bräuche einlassen können und in die Welt von Tashi und Ramil eintauchen wollen.

#3 RE: Libellenprinzessin von kaeferchen 29.01.2012 22:27

avatar

Ah, ich nehm mal meinen Kommentar bei Amazon wieder weg, hier passt das viel besser hin ;)

Zitat von Morgaine


Was mich immer wieder aus meiner Konzentration beim lesen gerissen hat, waren die nicht zeitgemäßen Elemente die ich als befremdlich empfunden habe. So stelle man sich vor, im Mittelalter wurden "Leggings" unter das rauschende königliche Gewand gezogen. Auch hochkompliziert e Sprengsätze wurden genutzt um Brücken, die ja nur aus Holz waren, aufwendig in die Luft zu jagen.Das war für mich ein klarer Stilbruch mit der Zeit und hat die romantische Stimmung teilweise gestört.




Ich finde, das wird dem Buch nicht gerecht. Es spielt halt nicht im Mittelalter. Wir befinden uns zu irgendeiner Zeit an irgendeinem Ort, an dem es komische Sitten gibt und wo man eben Leggins trägt und Kinder in der Schule lernen, wie viel Sprengstoff man benötigt, um eine Brücke in die Luft zu jagen.
Ich würde aber in den Punkt zustimmen, dass ich mir hier und dort auch etwas ausführlichere Beschreibungen der Lebensumstände gewünscht hätte oder ein Vergleich, mit welche Epoche man es gleichsetzen könnte. Mittelalter geht mir aber definitiv zu weit zurück.
Mich hat in diesem Zusammenhang z.b. zunächst irritiert, dass ich mir Tashi als dunkelhaarige asiatische Schönheit vorstellte – vermutlich aufgrund der weißen Schminke und der Gewänder. Aber sie ist blond und ein Asien gibt es in der bekannten Welt nicht.
Wenn man sich darauf einlassen kann, es nicht mit unserer Welt zu vergleichen und die teilweise eigenwilligen Bräuche für sich annimmt, passen - für mich zumindest - auch Leggings und komplizierte Sprengsätze in das geschaffene Bild.

#4 RE: Libellenprinzessin von Morgaine 29.01.2012 22:44

Hallo Anja,

naja, ich möchte Dir nicht deine Meinung absprechen, aber ich habe es beim lesen eben rein vom Gefühl in's Mittelalter "gesteckt" (auch wenn es keine Zeitangabe der Autorin gab) und das ist ja meine subjektive Empfindung. Du kannst und wirst das Buch ja ganz anders wahrnehmen, was auch gut so ist. :)

Was z.B. die Leggins angeht, hat mich eigentlich mehr das WORT als solches gestört, da es eine Betitelung für ein Wäschestück aus der heutugen Zeit ist. Die Autorin hat ja auch für die meisten anderen Sachen "neue" tolle Worte kreiert (wie z.B. die Währung Heralt oder die Gemeinsprach) und da hatte ich so das Gefühl bei manchen Sachen ist ihr die Fantasie kurzzeitig ausgegangen. Ich denke, dass man auch für die "Leggins" noch ein tolles Wort zaubern hätte können.
Auch für "Meilen" als Entfernungsangabe hätte ich mir ein bisschen mehr Kreativität gewünscht, da es mich immer so ein bisschen in's Heute und auf die langen Highways zurückgeholt hat.
Aber wie schon erwähnt, das ist meine Meinung zum Buch ....Du kannst das ja total anders sehen.
Deshalb hat mir ja das Buch trotzdem gefallen und was wäre, wenn es nur perfekte Bücher gäbe?!

LG Morgaine

#5 RE: Libellenprinzessin von kaeferchen 30.01.2012 00:04

avatar

Hi,

bitte nicht falsch verstehen, es sollte auch gar keine Kritik an deiner Meinung sein.
Ich finde es halt nur "ungerecht" zu bemängeln, dass Leggins nicht ins Mittelalter passen, weil eben von Mttelalter keine Rede ist. Und gleichzeitig finde ich es spannend, dass dus automatisch in diese Zeit eingeordnet hast.
Den Einwand, dass das Wort an sich nicht so recht passen will, finde ich hingegen absolut berechtigt. Ich stolperte über das Wort "Gangway" und fand diesen englischen Begriff zwischen - wie du schon sagst - den eigenen ausgedachten Wörtern irgendwie blöd, aber nachdem mir auch nichts vernünftiges einfallen wollte, hab ichs dann so akzeptiert und da es das einzige Wort auf meiner "will sich nicht ins Sprachbild fügen"-Liste war, fand es auch gar keinen Platz mehr in der Rezension.

Leider bleibt bei solchen Sachen ja immer die Frage, inwiefern dies am Ende ein Problem der Übersetzung ist. Wer weiß, was die Leggins eigentlich waren

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de
Datenschutz