#1 Ein Sommer aus Stahl - Silvia Avallone von Gronik 25.06.2011 09:55

Zum Inhalt:

Francesca und Anna sind 13. Sie leben in einer kleinen Stadt in Süditalien, in der es außer dem Strand und dem Stahlwerk, in dem fast alle Männer arbeiten, nicht viel gibt. Aber das ist den Mädchen egal, sie haben einander, sie sind jeden Tag am Meer und sie spielen mit ihren Reizen, denn beide sind wunderhübsch und die Männer bewundern sie.

Doch ihr Leben ist nicht nur voller Freundschaft und Spaß. Francescas Vater ist gewalttätig und verprügelt sie beim kleinsten Anlass, er überwacht sie am Strand mit einem Fernglas. Ihre Mutter ist erst 33 und wirkt schon wie eine alte Frau, sie hat sich aufgegeben. Annas Mutter Sandra denkt zwar an Scheidung von ihrem kriminellen Mann, aber sie ist nicht konsequent genug, um es durchzuziehen. Alessio, Annas Bruder, arbeitet im Stahlwerk und hat keine Ambitionen, mehr aus sich zu machen, während Anna von einem Leben weit weg von Piombino träumt.



Meine Meinung:

Was vom Cover her einen leichten Sommerroman verspricht, entpuppt sich schnell als literarisch schön verpackte Sozialkritik. Die Kinder wachsen in einem Milieu auf, das ihnen wenig Hoffnung auf ein anderes Leben als das der Eltern macht. Ihr Leben ist eigentlich von vornherein vorgezeichnet und nur wenige schaffen einen Ausbruch.

Sex ist einer der Pfeiler ihres Alltags und der Autorin gelingt es, dies auch rüberzubringen, ohne dabei in den teilweise sehr unverblümten Schilderungen abstoßend zu wirken. Die einzelnen Charaktere sind größtenteils nicht wirklich sympathisch, aber so lebensecht dargestellt, dass man trotzdem mit ihnen mitfühlen kann.

Das Buch hat keinen richtigen roten Faden, trotzdem fand ich es sehr gut zu lesen. Anhand der Geschichte der Freundschaft der beiden Mädchen wird das ganze Umfeld beschrieben, und man taucht in diese Welt ein, obwohl es eigentlich keine schöne ist.

#2 RE: Ein Sommer aus Stahl - Silvia Avallone von Steffi153 08.12.2011 14:51

Um meine Meinung zum Buch zu sagen, kopiere ich einfach mal meine "offizielle" Rezension hier rein ;)

Rezension

Die Geschichte spielt in Italien, in einem, wie es scheint, recht heruntergekommenen Viertel Namens Via Stalingrado. Dort leben auch die 13jährigen Freundinnen Anna und Francesca, die mehr oder weniger versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Trotzdem träumen sie davon, einmal nach Elba zu gehen, der bessergestellten Insel in der Nähe. Es geht um Streit und seine Folgen, Versöhnung, Liebe und Gewalt, das alles gepackt in das Leben der Mädchen nahe des Stahlwerkes. Mal betrifft es sie hierbei mehr, mal weniger.

Die Autorin schreibt die ganze Geschichte in einem recht sachlichen Schreibstil. Für mich kommen beim Lesen die Emotionen nur sehr schwer rüber. Die Handlung an sich ist gut, aber ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mich "eingelesen" hatte. Die Mädchen sind für meinen Geschmack etwas sehr frühreif, das Wohnviertel will ich mir garnicht erst vorstellen - es kommt mir alles etwas sehr derb vor, auch die Familien und die Stahlfabrik. Auch, wie sich Francesca entwickelt finde ich schwer nachzuvollziehen, auch wenn man ihren Familienhintergrund näher kennenlernt. Genauergenommen lernt man sehr viele Hintergründe (hauptsächlich über Freunde und Familie der Protagonistinnen) kennen, teilweise etwas zu viel. Anna bleibt vergleichsweise "normal", was ich deutlich sympathischer finde.

Die Perspektive stellt meistens die Freundinnen in den Mittelpunkt, aber auch die Mütter oder Annas Bruder und ihr Freund tauchen des öfteren auf. Man ist also in allen Zusammenhängen ganz gut informiert.

Insgesamt war die Geschichte schon gut, aber nocheinmal lesen muss ich sie nicht. Sie hat mich einfach nicht begeistert, sondern eher etwas enttäuscht.

#3 RE: Ein Sommer aus Stahl - Silvia Avallone von LeseLaura 04.08.2012 23:17

"Ein Sommer aus Stahl" von Silvia Avallone
Inhalt
Es ist Sommer und Francesca und ihre Busenfreundin Anna tun eigentlich nichts anderes, als am Strand liegen, im Meer schwimmen und mit den Jungs rumzualbern. Die kleine Stadt Via Stalingrado ist geprägt von dem Stahlwerk, in dem jeder für einen Hungerlohn arbeitet. Die Arbeiterwohnungen sind bloß riesige graue Betonklötze. Anna und Francesca sind 13, werden bald 14. Ihr Körper wird erwachsen und in ihrem Viertel sind sie die hübschesten und am meist beneidesten Mädchen. Alle Jungs finden sie toll und sie wissen das. Nur Francesca interessiert es weniger, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sie nicht damit zurechtkommt, als Anna ihren ersten Freund hat.
Meinung
Kurz gesagt handelt dieses Buch von den Lebensumständen in Piombino und den Einzelschicksalen der dort lebenden Menschen.
Besonders die Mütter der beiden, im Mittelpunkt stehenden, Freundinnen, haben es mit ihren Männern eher schlecht getroffen. Klar, dass auch die Kinder darunter leiden. Annas Bruder, Alessio, ist von seinem Aussehen her sehr beliebt und hat viele Freunde, obwohl er eigentlich ein eher stiller und nachdenklicher Typ ist. Vor allen Dingen an eines denkt er: An Elena, seine Liebe seit der Mittelstufe, die ihn aber verlassen hat.
Die Autorin Silvia Avallone hat ein gutes Gespür für die Härte des Lebens, dass die Menschen dort führen, diese scheinbare Perspektivlosigkeit, zu schildern. Die Emotionen kommen meiner Meinung nach gut rüber, doch im krassen Gegensatz steht dazu diese immer gegenwärtige Oberflächlichkeit aller Charaktere: Der/Die sieht einfach sexy/süß/abgrundtief häßlich aus. Es wird sehr viel über die heranwachsenden Körper der pubertierenden Protagonistinnen erzählt -meines Erachtens schon ein bisschen zu viel. Dabei sind es nicht die ordinären Ausdrücke wie "Titten" und "f*cken", sondern das Thema an sich, dass immer wieder aufgegeriffen wird. Das Aussehen und die Mode und der Sex scheinen so wichtig zu sein, was vielleicht die Realität der Charaktere widerspiegeln soll, auf mich als Leser aber irgendwann eher nervig gewirkt hat.
Die Geschichte an sich ist sehr gut, daran gibt es nichts zu meckern. Interessant sind zwischendurch Zukunftsausblicke oder ein kurzer Schwenk in die Perspektive eines anderen Charakters, sehr viel später, zum Ende des Buches, sind die Perspektivwechsel aber so ruckartig, dass man gar nicht mehr weiß, wer da eigentlich gerade denkt. Wirkt sehr chaotisch und fördert garantiert nicht den Spaß beim Lesen.
Fazit
Ein gutes Buch, ich freue mich es gelesen zu haben, denn die dargestellten Situationen sind aus dem Leben gegriffen, wirken so real, weil sie absolut denkbar sind. Die Emotionen und die für manche unausweichliche Perspektivlosigkeit kommen sehr gut rüber. Doch es ist nunmal so, dass ständig über das Äußere geredet wird -und selbst die streunenden Katzen aus der Fabrik und ihr stumpfes, löchriges Fell und ihre Krankheiten und Verkrüppelungen werden nicht ausgelassen. Es spielt scheinbar eine sehr große Rolle wie man aussieht, obwohl einem das dort auch kein Geld einbringt. Für mich war es nach dem x-ten mal aber einfach nervig. Unter anderem sind es deshalb keine 5 Sterne, dafür fehlt mir noch der letzte Schliff. Empfehlenswert aufjedenfall für Menschen, die gerne über Menschen, ihre Eigenschaften, ihr Leben und ihr Schicksal, ob gut oder in diesem Fall eher schlecht, lesen.

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