Seite 2 von 2
#16 RE: Fragen an oder auch von Jenny von shao 26.03.2011 11:38

Wie sieht es eigentlich aus, wenn du sagst, du musst noch Nybbas II absegnen und Buch x kommt noch etc...
Schreibst du parallel an verschiedenen Büchern oder Ideen?
Oder heißt es dann wirklich für einige Zeit "Alles andere weg, nur noch dieses Buch"?

Lg

#17 RE: Fragen an oder auch von Jenny von JennyB 26.03.2011 13:58

avatar

Hallo Shao,

hm, das ist ganz unterschiedlich. Manchmal schreibe ich parallel an zwei Geschichten. Derzeit warte ich z.B. darauf, dass der Verlag mir eine Leseprobe absegnet und sagt: Mach das weiter! (Oder eben: Hm, nö, das bitte nicht, überleg dir was anderes ... - Was ich nicht hoffe!) Bis ich Meldung bekomme, schreibe ich an einem anderen Text weiter, der erst 2013 erscheinen wird, aber schon abgesegnet ist.
Wenn ich in einem Text erst richtig drin bin, schreibe ich den dann aber meist durch.

Das betrifft dann aber nur die Rohfassung. Sobald eine fertig ist, beginne ich nach einer kleinen Pause mit der nächsten. Zwischendurch kommt die Lektoratsarbeit, das Korrigieren, später die Druckfahnenkontrolle, oft zwei- oder dreimal. Das schiebe ich dann dazwischen, wie es eben reinkommt.
So kann es also sein, dass ich zwar nur einen Text schreibe, aber nebenbei an zwei weiteren in unterschiedlichen Stadien arbeite und wieder einen mit den Lesern bespreche.
Derzeit schreibe ich an zwei Texten (für Loewe), korrigiere Nybbas II, warte aufs Lektorat von einem Loewe- und einem Sieben-Titel und promote den Phoenix.

Das klingt viel, aber letztlich schreibe ich jetzt ja auch hauptberuflich und im Bürojob hat man ja auch nicht bloß eine Aufgabe nach der anderen auf dem Tisch

#18 RE: Fragen an oder auch von Jenny von shao 26.03.2011 15:49

Danke für die ausführliche Antwort. So ähnlich hab ich es mir vorgestellt, wollte dir aber nichts unterstellen
Lg

#19 RE: Fragen an oder auch von Jenny von Helen07 26.03.2011 22:34

Hi Jenny!

Ist Dir schon bei Beginn des Buches klar gewesen wie es enden sollte? Oder ergab sich das während des Schreibens?

LG,
Helen07

#20 RE: Fragen an oder auch von Jenny von JennyB 26.03.2011 23:13

avatar

Ganz zu Beginn wusste ich ... nichts.
Da ist der Phoenixfluch eine seltene Ausnahme, denn idR habe ich zumindest ein grobes Konzept und kenne die wichtigsten Punkte inkl. dem Schluss. Den Phoenixfluch hab ich einfach runtergeschrieben und wusste selten mehr als das, was im nächsten Kapitel passieren würde.
Das ging bis zum Schluss so ... ich war am Ende sogar ziemlich irritiert, dass es alles sinnvoll aufging. Gedacht hatte ich mir das anders, aber dann kam mir von jetzt auf gleich in den Kopf, dass mein angedachter Schluss keinen Sinn ergab - dafür lag eine andere Lösung wie auf dem Präsentierteller vor mir.

Ich hatte bei diesem Buch überhaupt keinen Druck, hab es zunächst nur so für mich geschrieben und kapitelweise im Internet hochgeladen. Da ist es dann meiner Lektorin aufgefallen, sie hat es quasi aus dem Netz gefischt.

#21 RE: Fragen an oder auch von Jenny von Cinderella 03.04.2011 13:36

avatar

Hallo Jenny,

eine Frage hat sich nachdem ich den Thread hier gelesen habe schon erledigt, also hauptberuflich schließt ja die Frage aus, ob Du noch einen sogenannten "Brotjob" hast dem Du neben dem Schreiben nachgehst.

Schaffst Du Dir neben der Musik, die Dich beim Schreiben begleitet eine bestimmte Atmosphäre, oder reicht allein die Musik um Dich "kreativ" werden zu lassen? Manche Autoren (so hab ich jedenfalls gelesen) fahren ja auch viel weg um andernorts dann an ihrem Projekt zu arbeiten...

Eine andere Frage, die ich mir immer wieder stelle ist, wenn ein Buch auch Kritik einstecken muss an dem man lange gearbeitet hat und viel Herzblut reingesteckt hat, dann drängt sich mir immer die Frage auf, wie man da als Autor/in damit umgeht?

Herzlichen Gruß
Cinderella

#22 RE: Fragen an oder auch von Jenny von JennyB 04.04.2011 14:52

avatar

Hi Cinderella,

besondere Atmosphäre brauche ich nicht. Klar ist es nett, in einem stimmigen "Rundum" zu schreiben, aber meist bin ich schon zu bequem, nur ne Kerze anzuzünden *g*. Außer Haus kann ich auch gut schreiben, z.B. in einem netten Café (da fühlt man sich gleich so beschäftigt, dass man viel effektiver arbeitet). Aber bis ich das wieder zelebrieren kann, muss ich auf neue Schlepptop warten, mein Akku hat nach zwei Jahren aufgegeben.
Mal ein paar Tage in Schreibklausur zu fahren wäre auch fein - ist aber der Kinder wegen schwierig umzusetzen. Irgendwann mache ich das aber mal (und werde vermutlich feststellen, dass ich da viel weniger schaffe, als ich dachte).

Kritik ... na ja, das ist immer so eine Sache.
Jeder Leser ist anders. Niemand ist ein leeres Blatt Papier, jeder Mensch hat andere Erwartungen und Interessenschwerpunkte und daher reagiert jeder Leser unterschiedlich auf Plots, Szenen und Figuren. Dass auch Kritik kommt ist unvermeidlich.
Natürlich lässt man erstmal den Kopf hängen, wenn Leser unzufrieden oder enttäuscht sind, aber da muss man einfach durch. Man kann aus Kritik sehr viel lernen - wenn dem so ist, bin ich nach kurzem Frust idR sehr dankbar über die Kritik und nutzt sie als Anregungen. Nicht selten sind die kritisierten Punkte aber reine Geschmacksfrage - ganz oft wird erstaunlicherweise genau das kritisiert, was andere Leser als Stärke bezeichnen - dann muss man natürlich aufpassen, es nicht allen rechtmachen zu wollen.
Ganz wenige Kritiken sind wirklich ärgerlich - so wurde meinem Nybbas mal negativ angelastet, dass die Liebesgeschichte im Vordergrund steht. Sowas nervt dann schon: denn das Buch wird als Dark Romance angeboten, auf dem Cover ist ein halbnackter Mann, mit rosa-farbener Schrift beschnörkelt und der Klappentext sagt ebenfalls sehr deutlich aus, dass es sich um einen paranormalen Liebesroman handelt. Wenn Leser meckern, weil sie das bekommen, was drauf steht, kannst du nur noch den Kopf schütteln. Kommt aber eben vor.
Weh tut mir eigentlich nur Kritik, die ich so nicht erwartet hätte. Ich kenne meist die kleinen Schwachpunkte, die die Geschichte hat (und die wohl jede Geschichte hat). Finden die Leser diese, bringt mich das zum Schmunzeln. Kritisieren die Leser aber Dinge, die ich als Stärke eingeschätzt habe, versinke ich schon mal in Selbstzweifeln. Kurzfristig
Aber that's life. Wenn ein Maurer eine Wand nicht solide gemauert hat, muss er sich das auch anhören, und niemanden interessiert es, wie viel Schweiß und Arbeit er in die Arbeit gesteckt hat.

LG Jenny

#23 RE: Fragen an oder auch von Jenny von Cinderella 04.04.2011 17:17

avatar

Hallo Jenny,

dankschön, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Frage(n) so ausführlich zu beantworten! Jetzt weiß ich endlich, was all die Leute hier in den Cafés also machen, wenn sie vor ihren Laptops sitzen . Irgendwie hab ich bei Autoren immer jemanden an einem mit Papier überfluteten (bevorzugt alten) Schreibtisch vor mir, Kerze an, passende Musik, sowas halt.... nicht so eine nüchterne Atmosphäre, wie einem normalen Büro oder ähnlichem. So nach dem Motto morgens um acht setzt man sich an den Schreibtisch und ist kreativ

Kritik ist sicherlich nicht immer einfach wegzustecken. Wobei man es ja tatsächlich nicht jedem recht machen kann. Aber man steckt ja in so ein Projekt auch viel Herzblut und ich kann mir vorstellen, dass es dann schon trifft. Hut ab, dass Du Dir die Kritik aber annimmst und für Dich umsetzt und Deine Schlüsse für Dich draus ziehst. Das kann ja auch nicht jeder und ist eine tolle Eigenschaft.

War es für Dich schwierig beim Schreiben einer Figur (Samuel) der irgendwie jegliche Kanten in Form von "hässlichen" Gefühlen fehlen konsequent zu bleiben?

Herzlichen Gruß
Cinderella

#24 RE: Fragen an oder auch von Jenny von JennyB 07.04.2011 22:59

avatar

Oh mein Gott, sorry, Cinderella! Ich hab dein Posting vollkommen übersehen. Die Forenübersicht zeigte irgendwie kein "neue Beiträge" an, da ist mir deine Antwort völlig dadurch gegangen.
Peinlich.

*Lach* also mich kannst du dir folgendermaßen vorstellen: Ein IKEA-Esstisch in einem kürmeligen Wohnzimmer, vollgeladen mit Büchern, Notizbüchern, Amazon-Kartonage, Zetteln, Rechnungen, Elternbriefen aus Schule und Kindergarten (was die an Papier verschwenden geht auf keine Kuhhaut!) und Kaffeetassen und ich mittendrin. Nicht sehr romantisch - ich bin im wahren Leben so romantisch wie ein Tennisschuh. Ein getragener!
Musik läuft aber meistens. Und meistens sehr laut.

Nun ja, Kritik anzunehmen gehört dazu. Es bleibt einem ja nichts anderes übrig. Zu sagen, dass man sie gerne schluckt, wäre gelogen; man versucht ja wirklch sen Bestes, um den Lesern ein paar schöne Lesestunden zu bieten, für die die ja auch gutes Geld bezahlen. Klar enttäuscht es ein bisschen, wenn das nicht gelingt. Aber im Endeffekt ist es ja keine vollkommene Hop- oder Top-Entscheidung: Das nächste Buch wird wieder komplett anders und kann dann auch dem enttäuschten Leser wieder gefallen.
Es gibt Autoren, die komplett dichtmachen, keine Rezis lesen und sich von allen Rückmeldungen akribisch fernhalten. Wenn man mit Kritik nicht gut umgehen kann, ist das zweifelsfrei die bessere Lösung. Aber es entgeht einem auch so viel!

Zu Samuel: Das war eigentlich nicht schwer, nein. Wenn ich in der Perspektive einer Figur bin, fühle ich "mit ihrer Haut", da braucht es kein Nachdenken mehr. Klingt kitschy - ist aber so. Samuel-Passagen haben mich immer ein wenig beruhigt. Wenn ich an meinem Nybbas schreibe, aus Nicholas' Perspektive, hab ich danach häufiger mal Lust, dem Pazifisten in mir den Mund zu verbieten ... der macht mich aggressiv In Perspektivfragen bin ich zuverlässig, das sagt auch meine Lektorin. (Na ja, komm, einmal habe ich eine stumme Figur (!) per Telefon einen Arzt rufen lassen ... aber das war eine Nebenfigur. Und ich habe es zum Glück noch rechtzeitig gemerkt.)
Liegt aber bei Samuel auch daran, dass er das Gefühl (zB der Wut) nicht mehr hat, aber durchaus agieren kann, als wäre er wütend. Er versucht ja, möglichst normal zu wirken.
Auf meinen Seelenzustand hat er sich äußerst positiv ausgewirkt, muss ich sagen. Eine Figur wie eine Entspannungskur [engel]

#25 RE: Fragen an oder auch von Jenny von Cinderella 09.04.2011 11:35

avatar

Hallo Jenny,

macht gar nix, aber schön, dass Du meinen Beitrag dann zufällig doch noch gefunden hast - ist auch gar nichts peinliches dran. Ich bin ja selbst schuld, wenn ich hier in letzter Zeit immer als Lieschen hinterherbummele

Ui, wie schön, jetzt hab ich also auch ein Bild dazu, wenn ich Deine Bücher lese, das ist ja mal was! Bis auf die laute Musik (bei mir ist sie eher leise und sicherlich auch etwas "ruhiger", wenn ich lese oder schreibe) sieht es bei mir ähnlich aus, wenn ich für die Uni schreibe *lach* - ich hab dann diverse Bücher und Papiere um mich herum verteilt und muss aufpassen, dass nicht die Hälfte davon die Tastatur verdeckt und ich meinen Laptop noch finde *schmunzel*

Das mit der stummen Figur, die telefoniert find ich lustig - wäre sicherlich ein super Gag gewesen, wenn das durchgerutscht wäre

Vielleicht sollte ich mir in nächster Zeit Samuels fehlende Wut zu eigen machen und auch zu so einer "Entspannungskur" finden

Auf jeden Fall hat es viel Spass gemacht, das Buch zu lesen und Deine Antworten - Danke auch von mir an dieser Stelle nochmal, dass Du Dir die Zeit genommen hast und auch immer so ausführlich geantwortet hast!

#26 RE: Fragen an oder auch von Jenny von JennyB 10.04.2011 00:00

avatar

Aber hallo,

ja die Stumme am Telefon wäre tatsächlich ein cooler Gag gewesen. Wer weiß, wie viele es überhaupt gemerkt hätten. Gerade bei so selbstverständlichen Handlungen rutscht sowas so schnell durch. Ich hätte mich sogar irgendwie herauswinden können: Menschen, die nicht sprechen können, haben oft ein spezielles Telefon mit Notruf-Tastencodes, sodass sie tatsächlich den Krankenwagen rufen können. Aber besser nicht unnötig für Verwirrung stiften, wenn man es verhindern kann *fg*.

An der Stelle bedanke ich mich nochmal für euer Interesse an der Leserunde. Ich nehme da immer sehr viel draus mit. Und das beste: Morgen beginnt schon die nächste *lol*.

LG Jenny

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen | ©Xobor.de
Datenschutz