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II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 26.09.2010 23:23von Kendra • Büchernarr | 659 Beiträge
Also dieser August ist ja noch schlimmer als befürchtet!
!!! Nicht nur dass er den Dorfpfarrer auf dem Gewissen hat, nein, jetzt geht er auch noch schlecht mit Judith um!! Wusste ich doch gleich dass die beiden keine glückliche Ehe führen würden, aber auf mich hört ja keiner 
Und Judith hat sich schließlich von ihrer Mutter bereit reden lassen.....aber was hätte sie auch ansonsten machen sollen, da ja Hartmann nicht wie versprochen zurückkam.
Aber das ist ja mal wieder echt ein blöder Zufall, dass außgerechnet dann sein Freund ihn verraten musste 
So ein Freund,.....dann braucht man keine Feinde mehr, was?! Nein Scherz, ich kann ihn ja durchaus verstehen, er dachte ja er tut es für eine gute Sache (den Teufel auszutreiben, da kann man schon drüber hinwegschauen, dass er dabei Hartmann verraten hat)
Aber ich kann unseren "Helden" da verstehen, dass er erstmal nichts von ihm mehr wissen will und nur noch schleunigst abhauen will. Ich hoffe nur dass er eine Einstellung findet, wie er sich erhoft. Aber sein Vater hat ja bestimmt noch gute Kontakte :-))
Und dass er überrascht war, als Judith ihm gesagt hat sie wäre verheiratet, war richtig gut rübergebracht!! Konnte mir praktisch sein verblüfftest und entsetztes Gesicht bildlich vorstellen :-))
Ach ja fand es übrigens ganz schön frech und widerlich von dem Schäfer, dass er versucht hat sich an ihr zu vergehen, SChließlich hat sie seinen Sohn vor dem Tod gerettet, aber zum Glück ist dieser besagte ja als Schutzengel für sie aufgetaucht und hat seinen Vater abgelenkt!
Ich bin immer noch richtig im Lesefluss und auch die Geschehnisse lassen mich nicht mehr los. 
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 27.09.2010 13:28von Tim Pieper • Autor | 54 Beiträge
Hallo Kendra,
es freut mich, dass du in die Leserunde eingestiegen bist und dass du dich von dem Minnesänger so mitreißen lässt. Ich finde, dass du die Gefühle der Protagonisten (z. B. Dankwarts Fürsorglichkeit und seine Enttäuschung über die Zurückweisungen), ihre Konflikte (z. B. Ulrichs Verrat) und ihre Handlungsmotive klar erfasst hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß beim Lesen und bin gespannt auf deine weiteren Leseeindrücke.
Liebe Grüße
Tim
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 28.09.2010 20:55von Kendra • Büchernarr | 659 Beiträge
Danke dir Tim, den LeseSpaß habe ich 
Bin auch schon mit dem nächsten Abschnitt fertig und werde gleich mal meine Eindrücke posten 
Ich hoffe ich bin nicht zu schnell mit dem Lesen....aber ich kann nie warten die Meinung zu schreiben, sonst vergesse ich immer das Beste, was ich erwähnen wollte :-))
Liebe Grüße
Kendra
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 02.10.2010 16:35von JennyB • Autorin | 204 Beiträge
In diesem Teil geht es sprachlich sauber und absolut flüssig weiter, ich habe den Abschnitt weggelesen wie nichts und gar nicht gemerkt, wie die Seiten dahin flogen. :-)
Das liegt ganz klar am leserfreundlichen Stil und an der Kulisse. Ich mag diese eingestreuten Details und das nebenbei vermittelte Wissen, z.B. über Pflanzen und Heilkunde.
Eine Zwischenfrage: Irgendwo wird erwähnt, dass Judith einen Seidenstoff bestickt. Ist das realistisch, dass sie, als eher einfache Frau (Bauerstochter) über Seide verfügt, die zu der Zeit noch unsagbar kostbar gewesen sein muss?
In diesem Absatz hier kann ich besser erklären, was ich mit meiner Kritik an den Figuren meinte:
Die Guten sind gut, sehen gut aus, denken intelligent und oftmals ihrer Zeit voraus. Wenn sie mal etwas weniger Nettes sagen, dann nur, weil sie mit ihrem Urteil auch recht haben. Fehler machen sie bisher keine, es sei denn diese Fehler beziehen sich darauf, dass sie ihrer Zeit voraus und klüger als der Rest sind.
Besonders sieht man das wieder an Judith: Sie ist ein sehr junges Mädchen, hat keinerlei Ausbildung genossen, weiß aber - im Gegensatz zu den Erwachsenen - immer sofort „instinktiv“ was zu tun ist. Sie rettet mal eben den Schäferjungen, wobei die Eltern, die doch in und mit der Natur leben und demnach gewisse Erfahrungen haben müssten, nur rumstehen; der Vater sie dann sogar belästigt, obwohl sie gerade seinen Sohn gerettet hat.
Sie ist im Grunde das, was wir in FF-Kreisen eine Mary Sue nennen: Kann alles besser als die anderen, wird von allen geliebt oder begehrt (oder aus Neid gehasst) und trägt keine Schwächen mit sich herum.
Die Bösen dagegen sind in diesem Abschnitt grundlos böse, ausschließlich hässlich, ungepflegt, abstoßend, treten Hundebabys und morden Pfaffen - einfach mal so, als extremer Gegensatz zur Reinheit und Perfektion der Guten.
Nun bewirkt die Schablonenhaftigkeit für mich auch eine gewisse Distanz, sodass ich nichts sonderlich „mitleide“, wenn es mal etwas ärger wird. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, denn sowohl die arme Judith als auch Hartmann hat es schon bös erwischt.
Gut gefallen hat mir übrigens der Pfaffe - ich hab beim Lesen meinen Mann wach gekichert. Der war wirklich super komisch, eigentlich schade, dass es sich so schnell mit ihm erledigt hatte, er brachte Schwung rein und ich hatte den Eindruck, Tim, dass du mit ihm deinen Humor zeigen wolltest. Gelungen, wie ich finde!
Und mir gefällt besonders, was der Spielmann einmal zu Hartmann sagt:
„Du darfst nicht alles glauben, was die Pfaffen erzählen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit behaupten sie, dass wir nicht verständen, was Musik eigentlich bedeuten würde, aber das ist natürlich nur ein Vorwand. Eigentlich wollen sie die Einzigen sein, die den Menschen Musik bieten können. Mit allen Mitteln wollen sie ihren Einfluss vergrößern …“
Tja, tausche Musik gegen Glauben. Weise, schöne Worte. Ein paar mehr solcher Spielleute und es gäbe weniger Religionskriege.
Weil die Guten manchmal böse sind ... (Wink)
Liebe Grüße, Jenny
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 02.10.2010 18:46von JennyB • Autorin | 204 Beiträge
Mist, ich kann nicht mehr editieren.
Ich wollte nochmal sagen, dass ich weiß, dass die von mir etwas kritisierten Punkte in vielen erfolgreichen historischen Romanen so oder ähnlich gehandhabt werden. (In anderen Genre vermutlich auch, aber aus denen ist es mir nicht so bekannt.) Es bleibt also dabei, dass das einfach nur meine persönliche Meinung ist und viele "Stammleser" des Genres das offensichtlich anders sehen.
Weil die Guten manchmal böse sind ... (Wink)
Liebe Grüße, Jenny
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 03.10.2010 10:32von Aphrodite • Moderatorin/Rezensentin | 641 Beiträge
Oh nein, Jenny!
Nur weil etwas in vielen Bücher ebenso gehandhabt wird, heißt es noch lange nicht, dass es auch gut ist, oder ;-)
Schwarz/weiß gemalte Figuren stören auch mich MASSIV! Nur als Beispiel (möchte dies alles was jetzt von mir folgt aber jetzt nicht auf dieses Buch hier bezogen wissen!!!): Rebecca Gablé schreibt zweifelsohne ausgesprochen gut recherchierte und sehr flüssig und mitreißend erzählte histo. Romane. Sie gehört - auch was die Verkaufszahlen betrifft - zu der oberen (deutschen) Liga. Und trotzdem ist der stete Wermutstropfen in ihren Bücher die ganz extrem schablonierten schwarz/weißen Figuren. Finde, dass dies ein sehr, sehr großes Manko der Autorin ist, da ihre Bücher ansonsten beinah absolut perfekt sind.
Für mich ist so etwas stets ein Kritikpunkt den ich auch bei meinen Rezensionen gewichtig berücksichtige. Bei Interesse ist hier die Rezension zu ihrem letzten Buch nachzulesen:
http://www.leser-welt.de/index.php?optio...lter&Itemid=133
Es gibt aber Autoren, deren absolute Stärke es widerum ist, gerade sehr vielschichtige und charakterlich sich stark entwickelnde Figuren zu schaffen, wie z.B. Silvia Kaffke, Elisabeth Kostova oder Astrid Fritz in ihrem Roman "Die Bettelprophetin" (bei der leider der Titel ein Graus ist...) Rezension hier:
http://www.leser-welt.de/index.php?optio...zeit&Itemid=133
Wenn man natürlich gerade in diesem Genre noch nicht viel gelesen hat, ist es natürlich schwer zu differenzieren, auch, was den historischen und politischen Hintergrund ausmacht. Ein Buch ist noch lange kein guter histo. Roman, nur weil er in der Vergangenheit spielt, da kommen noch viele andere Aspekte dazu.
liebe Grüße
Daniela
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 03.10.2010 11:44von JennyB • Autorin | 204 Beiträge
Zitat
Oh nein, Jenny!
Nur weil etwas in vielen Bücher ebenso gehandhabt wird, heißt es noch lange nicht, dass es auch gut ist, oder ;-)
Nein, du hast recht, ich stimme dir da auch zu. Aber ich denke man sieht an diesen Beispielen, dass viele Leser das eben auch so wünschen. Das ist halt noch ein wenig wie im Märchen - die strahlenden Guten gegen die Bösen. Und darauf kommt es letztlich bei guter Unterhaltungsliteratur an: Das zu bieten, was die Leser wünschen. Nun wünschen einige "Klischees" (das Wort bitte nicht negativ behaftet sehen) und einige sind an diesen "sattgelesen". Der Mittelweg ist kompliziert, weil er für jeden Leser anders aussehen müsste.
Gerade lese ich z.B. die von dir erwähnte Charotte Lyne (Glencoe), und ich muss sagen, dass diese wirklich Charakterisierung vollkommen nach meinem Geschmack beschreibt. Die Figuren sind so echt durch ihre Stärken und Schwächen und reißen mich wirklich mit.
Mir ist aber AUCH bewusst, dass viele Leser vermutlich nichts mit ihnen anfangen können, weil sie zu unperfekt sind. Viele wünschen sich für die Dauer eines Romans oder eines Filmes eben strahlende Helden.
Von daher ist es schön, dass es so viele verschiedene Romane gibt, sodass jeder das findet, was ihm gefällt.
Weil die Guten manchmal böse sind ... (Wink)
Liebe Grüße, Jenny
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 04.10.2010 16:05von Tim Pieper • Autor | 54 Beiträge
Hallo Jenny,
es freut mich, dass der Sprachstil dich so mitreißen konnte, dass "die Seiten nur so dahinflogen". 
Was die Seide angeht, hast du natürlich in gewisser Weise Recht. Im ausgehenden 12. Jahrhundert gehörte die Seide zu den wertvollsten Handelsgütern und muss für ein Bauernmädchen eine Kostbarkeit gewesen sein. Insofern wäre der Besitz von Seide eine Besonderheit. Andererseits war das Seidenstück zum Zeitpunkt des Erwerbs nicht bestickt und auch nicht sehr groß, so dass es im Tausch gegen zwei Hühner oder ein Schwein von einem bekannten Händler auf dem Markt erschwinglich gewesen sein müsste. Judith und ihr Vater hatten ja ein inniges Verhältnis. Vielleicht wollte der Bauer, dass seine Tochter nicht ärmlich gekleidet ist und sich nicht schämen muss, wenn sie die Ehe mit einem so hochstehenden und reichen Mann wie August eingeht. Insofern wäre der Erwerb einer solchen Kostbarkeit in dieser speziellen Situation durchaus nachvollziehbar.
Auf die Charakterisierungen gehe ich gleich nochmal ein.
Liebe Grüße
Tim
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 04.10.2010 18:58von MinaLosa • Leser | 48 Beiträge
Hallo
,
ich bin schon wieder zu spät, die letzte Woche war leider sehr bewegt. Zum Lesen habe ich aber trotzdem die Zeit gefunden.
Für mich völlig überraschend, wie fließend und kurzweilig sich dieser historische Roman liest. Ich fand bisher historische Romane einfach zäh. Vielleicht war es auch nur ein Vorurteil. Auf jeden Fall noch einmal ein großes Kompliment an dich, lieber Tim.
Auch für mich ist nicht so glaubwürdig, dass es Judith gelingt den kleinen Jungen aus dem vereisten See zu retten und die Eltern eher hilflos sind. Es wird aber auch immer wieder darauf hingewiesen, dass Judith wohl Kräfte besitzen soll, die sie sich selbst nicht erklären kann.
Und nun zur Seite 128, Judiths Gedankengang finde ich hier sehr ungewöhnlich: "Schlagartig begriff Judith, dass von diesem Mann Gefahr drohte - vielleicht nicht jetzt, vielleicht nicht heute, aber eines Tages bestimmt." Vielleicht wäre hier ausreichend gewesen, zu schreiben, dass Judith bei seinem Anblick ein Gefühl der Panik überkam und sie so schnell wie möglich das Haus verließ.
Der Schäfer wird hier eher wie ein lüsterndes Tier dargestellt. Das finde ich sehr schade, da er doch kurz zuvor der besorgte Vater war. Vielleicht wäre für den Verwaltigungsversuch eine andere Person passender gewesen, evtl. einer von Augusts Freunden.
Der Alltag und das Leben im Allgemeinen in jener Zeit wurden sehr anschaulich beschrieben. Diese Beschreibungen sind einfach in das normale Geschehen mit eingeflochten worden. So wirken sie in keinster Form zäh, wie es in vielen anderen Büchern leider der Fall ist.
Ich kann mir jetzt ein sehr gutes Bild über das Leben damals machen. Es war für den einfachen Menschen hart und grob. Da fallen Dankwart und seine Agnes direkt aus der Reihe. Aber Paare, wie die Zwei es waren, wird es bestimmt auch gegeben haben.
Liebe Grüße
Martina
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 05.10.2010 09:37von Aphrodite • Moderatorin/Rezensentin | 641 Beiträge
Zitat
Da fallen Dankwart und seine Agnes direkt aus der Reihe. Aber Paare, wie die Zwei es waren, wird es bestimmt auch gegeben haben.
Absolut! Ich glaube, dass der Großteil der Bevölkerung, letztendlich auch durch klischeehafte Romane und reißerische Artikel, das Mittelalter und die Menschen dieser Zeit als dumb, brutal, schmutzig und lüstern sieht. Sicher war es mit der Hygiene nicht weit her, die Frau stand (manchmal ja bis heute noch) weit unter dem Mann, aber es waren trotzdem Menschen mit Gefühlen und Intelligenz. Dass es bestimmt auch Beziehungen mit gegenseitigem Respekt und Liebe gegeben hat, dessen bin ich mir sicher und finde dies auch glaubwürdig. Auch im Mittelalter war nicht alles schlecht 
liebe Grüße
Daniela
RE: II___erster Teil__ Seite 100 - 183__Jahr 1173 Kap 11 - Jahr 1175 Kap 4
in Der Minnesänger (Tim Pieper) 05.10.2010 19:34von Tim Pieper • Autor | 54 Beiträge
Hallo Martina,
vielen Dank für das schöne Kompliment.
Ich kann mich dir nur anschließen. Einige historische Romane finde ich auch zäh. Insbesondere, wenn der Autor versucht, sein ganzes Wissen zu zeigen, indem er einfach Abhandlungen einfügt, welche die Handlung zum Erliegen bringen. Die Vermittlung von Wissen und Fakten zeichnet natürlich einen historischen Roman aus, aber man kann das Setting, die Dialoge und die Handlung auch so gestalten, dass die relevante Fakten integriert werden, ohne dass der Lesefluss gestört wird. Das erfordert eine sorgfältigeren Aufbau und mehr Detailarbeit, aber das Ergebnis ist viel leserfreundlicher. Es freut mich sehr, dass dir meine Bemühungen aufgefallen sind.
Liebe Grüße
Tim
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