Ich freue mich, dass wir heute endlich anfangen können zu lesen. Tja und da ich so hibbelig war, endlich dieses Buch anzufangen, bin ich heute früh einfach eine Stunde eher aufgestanden und habe mir schon mal das erste Kapitel zu Gemüte geführt:
Wir befinden uns im exklusiven Bordell der Madame Chrysantheme in Versaille. Sie und ihre rechte Hand, die erst 18-jährige Florine, nehmen den Großauftrag des etwas sonderbaren Comte Aymar de Saint-Germain entgegen. Für eine mysteriöse Präsentation, die er den Verantwortlichen des Hauses jedoch nicht näher erläutern will, wünscht er die Nutzung des Kellergewölbes und gibt konkrete, aber sehr merkwürdige, Anweisungen zum Ablauf.
Seine Gäste sind hochrangige Persönlichkeiten der Pariser Gesellschaft. Unter ihnen: die Mätressen von König Louis XV, Madame de Pompadour und Louise O´Murphy. Jetzt möchte Florine erst recht, dass der Abend ein voller Erfolg wird. Doch einige Merkwürdigkeiten machen sie misstrauisch. Um nach dem Rechten zu sehen, widersetzt sie sich einer Anweisung des Comte und wird prompt dabei ertappt. Im Zuge der nachfolgenden Auseinandersetzung fürchtet sie um ihr Leben und verhilft einem, ihr unheimlichen, Gefangenen des Comte zur Flucht.
Ich lerne vor allem die Figur der jungen Florine kennen. Diese ist ein Findelkind, welches bereits im zarten Alter von 9 Jahren ins Haus von Madame Chrysantheme gebracht wurde. Florine sieht das Bordell als ihr Zuhause an. Bis dato musste sie sich noch nie dem horizontalen Gewerbe hingeben. Ihre Fähigkeiten in der Organisation und ein großer Ideenreichtum machten bislang ihre hohe Stellung in dem Hause aus.
Doch nach dem Vorfall im Kellergewölbe, den sich Florine vorerst mit keinerlei Logik erklären kann, fordert der Comte einen immensen Schadensersatz. Diesen soll nun Florine im Rahmen einer Auktion, in der sie für eine Nacht an den meistbietenden Freier verkauft wird, leisten.
Ich bin begeistert. Der Schreibstil ist bildhaft, die Ausdrucksweise sehr gewählt. Ich fühle mich tatsächlich in die Zeit Mitte des 18. Jahrhunderts zurück versetzt und habe die Pracht und Vielfältigkeit des Anwesens der Lust vor Augen. Kurze Sätze sorgen, trotz der, der damaligen Zeit angepassten, Sprache, für einen äußerst angenehmen Lesefluss. Dass hier etwas Ungewöhnliches im Gange ist, verraten zu dem Zeitpunkt nur vage spannungsfördernde Andeutungen und ich gehe aus dem Kapitel mit der Frage, welche Wesen der Comte und dessen Gefangener sind.